
In wenigen Sekunden drin
Überregional, 04.11.2007 00:00 Uhr (tip
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Dunkle Jahreszeit: Hochkonjunktur für Einbrecher — Schutz möglich
Kreisgebiet. (tip)
Ein Fenster, wie es millionenfach in deutschen Häusern eingebaut ist. Dazu ein Holzkeil, ein Billigprodukt aus dem Baumarkt. Das Fenster ist zu, besitzt sogar einen abschließbaren Griff. Oliver Gerdes setzt den Keil an, ein schneller Ruck — und schon springt das Fenster aus seiner Verankerung. Die gleiche Prozedur an zwei weiteren Punkten, in sechs Sekunden steht es komplett offen. Der Weg in die Wohnung ist frei.Oliver Gerdes ist kein Einbrecher, sondern Spezialist für Sicherheitsfenster. Zwei Patente hat der Geschäftsführer der Wilnsdorfer Firma "Gayko Fenster und Türen" selbst entwickelt. Er weiß, dass Diebe jetzt nach Ende der Sommerzeit wieder Hochkonjunktur haben. Vor allem in der Dämmerung schlagen sie zu. "Lautlos, schnell und ohne dabei Spuren zu hinterlassen", so Gerdes. Die Einbrecher suchen sich ihren Weg durch den am schlechtesten gesicherten Eingang — und das ist in der Regel das Fenster.
Keine gesetzlichen
Vorgaben
Grund dafür ist für den Sicherheits-Experten eine mangelhafte Regulierung seitens der Politik. Es gibt in Deutschland keine gesetzlichen Vorgaben zum Thema Einbruchsschutz bei Fenstern. Diese werden in Widerstandsklassen (WK) von 1 bis 6 (höchste Stufe) eingeteilt. Alle Widerstandsklassen entsprechen einer EU-Norm. Die Klasse 1 jedoch bietet keinen brauchbaren Schutz: "Das ist das am meisten verbaute Fenster in Deutschland. Und selbst Gelegenheitseinbrecher brauchen nur Sekunden, um es zu öffnen." Die Firma "Gayko" um Gerdes drängt daher darauf, dass die WK 1 aus der DIN-Norm entfernt wird. Auch die Polizei empfiehlt, mindestens die WK 2 einzubauen.
Das ist natürlich auch eine Frage der Finanzen. Solche Sicherheitsprodukte kosten im Durchschnitt etwa das Doppelte eines nur halb so gut gesicherten Fensters. "Beim Bau wird dort oft gespart. Ein schönes Badezimmer oder eine Garage ist vielen Eigenheimbesitzern wichtiger", weiß Heinz Gressel vom Netzwerk "Zuhause sicher e.V.", dem Versicherer, Handwerk, Polizei und Industrie angehören. Er warnt: "Sicherheit darf kein Luxus sein. Wenn was passiert ist, ist es plötzlich ein Thema. Neben dem materiellen Schaden spielt auch die Psychologie eine Rolle. Viele Einbruchsopfer können in ihrem Haus aus Angst nicht wohnen bleiben."
Bei der Wilnsdorfer Firma "Gayko" ist "Sicherheit" eine der Kernkompetenzen. Die Fenster sind allesamt mit so genannten "Pilzköpfen" ausgestattet. Diese verhindern ein simples Aufhebeln. Oliver Gerdes entwickelte darüber hinaus das "Gegenläufige Verschluss-System" (GVS). Dabei laufen die Pilzzapfen bei einem Hebelversuch in verschiedene Richtungen, verkrallen sich damit im Beschlag. Die "ESP" genannte "extrem stabile Profilverschraubung" ergänzt das Sicherheitssystem. Die Schrauben der Beschläge bohren sich durch Stahl sowie gehärtetes PVC. Abschließbare Griffe machen den Schutz komplett.
Der Einbruchsversuch in das geschützte Fenster beweist es: Selbst mit einem Stemmeisen und extremer Gewalt gibt es nicht nach. Irgendwann splittert das Glas — der Lärm schlägt den Gelegenheitseinbrecher in die Flucht. "Über ein Drittel der Einbrüche bleibt im Versuch stecken, nicht zuletzt wegen sicherungstechnischer Einrichtungen", so Axel Heimann, Leiter des Kommissariats "Vorbeugung" der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein. Dort können sich Bürger auch beraten lassen: Tel. 0271/7099-4300.
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