Siegerland, 04.05.2009 13:32 Uhr (tip)
Die Sportfreunde Siegen haben einen neuen „ersten Mann“: Gerd Kehrberg ist beim heimischen NRW-Ligisten ab sofort zuständig für die Bereiche Sport, Marketing und Organisation. Der 47-Jährige lässt sich für das neue Amt ab sofort von seinem bisherigen Posten als Geschäftsführer des Zweitligisten RW Oberhausen freistellen. Siegens Ehrenpräsident und Vorsitzender Manfred Utsch stellte Kehrberg am Montagmorgen der Öffentlichkeit vor.
Die „wahnsinnig wichtige Personalie“ (Utsch) war bereits in den vergangenen Tagen durchgesickert (der SiegerlandKurier berichtete). Der Ehrenpräsident sagte, der Manager stehe dafür, „die drei Linien Sport, Marketing und Organisation erfolgreich zu vereinen. So jemanden habe ich in 25 Jahren Fußballgeschäft noch nicht kennengelernt“.
Gerd Kehrberg war als Spieler bei Borussia Mönchengladbach tätig, hat dort als A-Jugendlicher auch mit Größen wie Lothar Matthäus und Armin Veh trainiert. Seine damaligen Trainer waren unter anderem Jupp Heynckes und Udo Lattek. „Als ich merkte, dass mir sportlich der ganz große Sprung nicht mehr gelingt, hab ich mich weitergebildet und Betriebswirtschaft studiert“, so der neue Manager der Siegener. Bei Alemannia Aachen wurde er nach einem kurzen Intermezzo bei Hannover 96 Geschäftsführer. Wie auch bei seiner letzten Station RW Oberhausen vereinte er dort die Bereiche Sport und Marketing. Zufrieden stellte ihn die Tätigkeit im Ruhrgebiet aber nach eigenen Angaben nicht mehr.
„Siegen bringt alles mit, um sich im Profifußball zu etablieren: Tradition, eine Marke, das passende Umfeld und tolle Fans“, so Kehrberg über seine neue Aufgabe. Die ist langfristig angelegt: Der Vertrag mit dem 47-Jährigen läuft über drei Jahre, wobei beide Seiten sich nach einem Jahr zusammensetzen wollen, um zu resümieren und über eine weitere Zusammenarbeit zu sprechen.
Auf die sportliche Perspektive des Clubs angesprochen, gab sich Kehrberg zurückhaltend: „Die Zielvorgabe ,Aufstieg' für das nächste Jahr gibt es nicht. Aber ich bin nicht nach Siegen gekommen, um Achter zu werden.“ Und außerdem: „Wer die Klappe am weitesten aufreißt, der kriegt meistens um die Ecke einen verpasst.“
Voll des Lobes ist der neue erste Mann des Vereins über die geleistete Arbeit von Trainer Peter Nemeth: „Im Juni 2008 war ja quasi kein Kader mehr vorhanden. Normal steigt man bei so einer Ausgangslage ab. Den jetzigen Tabellenplatz muss man als großen Erfolg werten.“ Daher – das bestätigte auch Manfred Utsch – habe man sich mit Nemeth über die Fortsetzung seiner Arbeit über weitere zwei Jahre geeinigt. „Es gibt eine mündliche Übereinkunft, es fehlt nur noch die Unterschrift“, hieß es. Drei Kandidaten sind derzeit im Rennen, die dem Slowaken als „Co“ zur Seite gestellt werden sollen. Auch mit Theo Brenner als Coach der Reserve wolle man weitermachen.
Obwohl man über genaue Etatzahlen noch nicht gesprochen habe, ist sich Kehrberg der Mammutaufgabe in Siegen bewusst: „Fünf Spieler aus dem aktuellen Kader haben einen gültigen Vertrag für das nächste Jahr. Wenn wir nach oben wollen, müssen wir Leute holen, die das Format für die dritte oder vierte Liga haben.“ Dies könnten seiner Ansicht nach aber keine „34-Jährigen sein, denen man noch mal einen gut dotierten Vertrag anbietet.“ Stattdessen brauche es „stressresistente Typen, die vor allem bei Spielen gegen die Amateur-Vertretungen großer Vereine richtig gegenhalten“. Der Manager will seine guten Kontakte nutzen, um genau solche Kicker nach Siegen zu lotsen: „Es werden Spieler kommen, denen ich erläutern kann, was wir hier vorhaben. Was wir hier aufbauen wollen.“ Wahrlich kein simples Unterfangen. „Aber ,einfach' kann ja auch jeder“, freut sich Kehrberg auf seine neue Aufgabe.
Für die spannte er auch gleich die bei der Vorstellung anwesenden Medienvertreter ein. „Wonach lechzt ihr denn? Nach Dattenfeld fahren oder bald wieder nach Aachen oder Oberhausen? Wir müssen alle zusammenstehen, um unsere Ziele zu erreichen.“
Von Tim Plachner
t.plachner@siegerlandkurier
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