
Siegerland, 09.02.2011 12:52 Uhr
Es klingelt. Vor der Tür stehen rechte Schläger und fragen nach Klaus. Seine Mutter lächelt und schickt sie ins Kinderzimmer. Es klingelt wieder. Diesmal fragen leicht bekleidete Prostituierte nach Klaus. Auch die schickt die Mama nach oben. Zuguterletzt ballert ein Kampfroboter mit einem Maschinengewehr das Wohnzimmer kurz und klein. Mama lächelt und schickt den Roboter in Klaus’ Zimmer.
Der Werbespot der EU-Initiative „klicksafe“ soll Eltern darauf hinweisen, dass sie ihre Kinder im „wirklichen“ Leben wahrscheinlich vor solcher Gefahren schützen würden. Es folgt die Frage „Warum tun sie es dann nicht im Internet?“ Eine gute Frage, wie ich finde. Laut „EU Kids Online“ – einer neuen Studie der Europäischen Union – sind mittlerweile etwa 60 Prozent der 9- bis 16-Jährigen fast jeden Tag im Netz unterwegs. Am gestrigen „Safer Internet Day“ – eine Initiative der Europäischen Kommission – fordern Politiker, dass Kinder den sicheren und verantwortungsbewussten Umgang mit diesem Medium frühzeitig lernen müssen. Da frag ich mich: Wie und wo sollen sie das denn lernen? Von den Eltern? Schön wär’s. Zu selten setzen sich Eltern nämlich damit auseinander, was ihre Kinder im Netz eigentlich so treiben. Und warum? Weil es ihnen zu kompliziert und zu anstrengend ist. Aus meiner Sicht ein fataler Fehler. Nur wenn ich beispielsweise selbst in sozialen Netzwerken unterwegs bin, mich mit Privatsphäre-Einstellungen beschäftige, mir klar ist, dass ich vielen Menschen Einblick in mein Leben gewähre, wenn ich persönliche Daten preisgebe und auch weiß, dass ein ipod touch nicht nur zum Musikhören geeignet ist, ist es möglich, die eigenen Kinder über das Internet und seine Gefahren aufzuklären.
Anke Bruch
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