
Liesen, 05.02.2012 02:15 Uhr
"Fahnengeschmückte Häuser werden am kommenden Samstag das Straßenbild in Liesen zeichnen", heißt es in einem Zeitungsbericht aus dem Juli 1962, der die bevorstehende Kirchweihe ankündigt. Und in der Tat wurde am 22. Juli vor 50 Jahren in dem damals 650 Einwohner zählenden Dorf groß gefeiert. Die Geschichte der Kirche soll beim 50-jährigen Jubiläum des Kirchweihfestes in diesem Sommer anschaulich dargestellt werden.
Der Pfarrgemeinderat und der Kirchenvorstand planen eine ganze Festwoche, die am 7. Juli mit einem Familiengottesdienst beginnen und mit einem Festhochamt am Sonntag, 15. Juli, enden soll. Als Zelebrant der Messe hat sich Weihbischof Manfred Grothe aus Paderborn angekündigt. Anschließend planen die Gremien ein Pfarrfest auf dem Platz vor der Kirche. "Das Fest muss würdig gefeiert werden, weil die Gemeinde damals für ihre Kirche geblutet hat", sagt die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Karina Scharf. "Wir wollen mit der Feier alle Bevölkerungsgruppen ansprechen."
Die ganze Woche soll mit Andachten, Vorträgen und Musik gespickt sein. Eine Rallye zur Kirchengeschichte für die Kinder und ein Nachmittag mit Bilderschau für Senioren sind Teil des Programms. Weiterhin soll eine kirchenmusikalische Andacht die Buntglasfenster der Kirche beleuchten, Kirchenführungen sollen den Innenraum des Bauwerks erklären. Ein weiterer Festprediger wird Franziskanerpater Ralph Preker aus Werl sein, der schon oft in der St. Thomas-Gemeinde ausgeholfen hat.
Vor 50 Jahren nahm Weihbischof Paul Nordhues aus Paderborn die Weihe der neu erbauten Sankt Thomas-Kirche am Breidenweg vor. Gut einjährige Bauarbeiten waren vorausgegangen: Pfarrer Doering hatte am 11. Juli 1961 den ersten Spatenstich getan. Das Richtfest fand bereits im Dezember 1961 statt.
Rückblickend sagt der heutige Pfarrer Karl-Heinz Graute: "Ich finde die Opferbereitschaft der früheren Generation bemerkenswert." Die Lieser Gemeindemitglieder hatten rund 100.000 D-Mark zu dem insgesamt 380.000 D-Mark teuren Kirchbau durch ihre Spenden beigetragen. Die Kirche war ihnen wichtig, denn das alte Gotteshaus an der Dorfstraße war längst zu klein geworden. Die 150 Plätze reichten nicht mehr aus. "Wir standen während der Messe in mehreren Reihen vor der Kirche", erinnern sich alte Lieser zurück. Die neue Kirche sollte doppelt so viele Gläubige fassen. Architekt Johannes Reuter aus Kassel plante das Bauwerk. "Unsere Kirche ist sehr wuchtig. Der Architekt wollte sie als Königshalle Gottes bauen", so Karina Scharf. Die winzigen Fenster im Kirchenschiff und die riesigen Fensterwände im Altarraum symbolisieren das Dunkel der Welt und das Licht Gottes. Im Laufe der Zeit hat das Gotteshaus einige Veränderungen erfahren. Der überdimensionale Altar wurde verkleinert, ein Mosaik des Patrons Sankt Thomas wich einem Rokoko-Hochaltar.
Für die Festwoche laufen die Vorbereitungen beim Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand bereits auf Hochtouren. Die Mitglieder sortieren und sichten alte Fotos, planen die Einladung der Gäste und bereiten die Gottesdienste vor. "Die Gemeinde kann stolz sein auf die Kirche und darauf, dass sie so etwas bewerkstelligen konnte", sagt Pfarrer Graute. "Die Kirche soll auch weiterhin das Herz des Dorfes sein", so der Geistliche.
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