
Betzdorf, 29.08.2010 01:30 Uhr
65 Jahre wusste die Familie Gherardi aus San Possidonio im italienischen Modena nicht, wo ihr Vater beerdigt war. Bekannt war nur, dass Vasco Gherardi in Kriegszeiten in Deutschland gewesen war. Nun führte sie ihr Weg nach Betzdorf.
Nach der Absetzung des italienischen Diktators Benito Mussolini war die Achse Berlin ? Rom beendet und auch die bisher Verbündeten Italiener wurden Kriegsgefangene oder als Zwangsarbeiter eingesetzt. Im Januar teilte das Außenministerium in Rom der Familie mit, dass Vasco Gherardi in Betzdorf umgekommen und auf dem Friedhof beerdigt sei. Da keimte der Gedanke, diesen Ort und das Grab einmal zu besuchen.
Die Familie nahm Kontakt mit dem Betzdorfer Geschichte e.V. auf und der Vorsitzende Ernst-Helmut Zöllner erklärte sich bereit, den italienischen Gästen das Grab zu zeigen. In dieser Woche kamen nun drei Generationen Gherardi nach Betzdorf und besuchten das Grab. Sprachlich perfekt vom Betzdorfer Italiener Carlo Grifone begleitet standen die Drei, Sohn Gianfranco, Enkel Vasco und Urenkel Nicolo, am Grab des Verstorbenen. Er liegt mit sechs weiteren Ausländern, wahrscheinlich Zwangsarbeitern, in einem Sammelgrab des Friedenhains, nachdem alle bei den Bombenangriffen auf Betzdorf getötet worden waren.
Es sei anzunehmen, das Vasco Gherardi bei der Firma Patt & Dilthey gearbeitet und in der Baracke auf dem Schützenplatz gewohnt habe, wusste Vorsitzender Zöllner zu berichten. Bei dieser Firma hätten neben Franzosen und Russen auch Italiener gearbeitet.
Dankbar äußerten sich die italienischen Gäste über die Pflege der Kriegsgräber im Friedenhain und es freute sie, dass ihr Vorfahre mit seinem Namen auf einem Grabstein zu finden war. Hierbei ist auf dem Stein zwar das G des Nachnamens mit einem C verwechselt worden, aber dies sei nicht so schlimm, sagte Enkel Vasco. Sie würden mit einem guten Gefühl zurück nach Italien fahren.
Im Namen seiner Gemeinde mit 3800 Einwohnern überreichte er als Gastgeschenk an die Stadt Betzdorf eine Zeichnung des Marktes von San Possidonio. Zöllner überreichte der Familie einen Bildband "Betzdorf ? wie es früher einmal war", in dem auch die Geschichte der Firma Patt & Dilthey geschildert ist, wahrscheinlich die Zwangsarbeitsstätte. Urenkel Nicolo darf sich im Quartettspielen mit dem Spiel "Amt Betzdorf" üben.
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