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Einsatz in der Blechlawine

Dokument: Siegerland, 07.02.2010 01:15 Uhr (SK)

Mittwochmorgen, normaler Alltag. 8.53 Uhr - die Funkmelder der 4. Einsatzeinheit im Kreis Siegen-Wittgenstein, die von den Maltesern gestellt wird, wird von der Feuerwehrleitstelle Siegen ausgelöst: "Einsatzbereitschaft herstellen, Sonderlage im Kreis Siegen-Wittgenstein" steht auf dem Display.

Okay, heute Morgen kam schon übers Radio die Meldung "Seit gestern Abend Stau auf der Sauerlandlinie" - Das wird's wohl sein.... Nun ist Eile geboten. Carolin Höse, als erste in der Netpher Unterkunft, hat gerade mal zwei Stunden geschlafen. Nach der Nachtschicht im Krankenhaus ist nun auch noch ehrenamtlicher Einsatz gefragt. Nach und nach treffen auch die anderen aktiven Mitglieder der Betreuungsgruppe Netphen in der Unterkunft ein. Von der Arbeit freigestellt, von zu Hause oder sonstwo. Doch die nächste Herausforderung steht schon bevor. Neben den "schweren Fahrzeugen", die von Land und Bund gestellt werden, gehört zur Ausrüstung auch ein schwerer Anhänger.

Die Fahrzeuge sind zwar mit Schneeketten ausgerüstet, doch die steile Zufahrtsstraße zu den Garagen ist tief vom Schnee bedeckt und wird, wenn überhaupt, nur "sporadisch" durch den öffentlichen Winterdienst der Stadt Netphen geräumt.

Die Lösung: die gesamte Ausrüstung des Anhängers "Betreuung" wird in die Fahrzeuge umgeladen, damit man wenigstens den Versuch starten kann und mit den Fahrzeugen die schneebedeckte Straße zu bewältigen, auch wenn die Gefahr besteht abzurutschen oder hängen zu bleiben. Die gesamte 4. Einsatzeinheit, die sich aus den Gruppen der Malteser aus Bad Laasphe, Netphen und Siegen zusammensetzt, sammelt sich bei der Unterkunft der Malteser in der ehemaligen Marienschule in Geisweid.

Hier wird schon fleißig organisiert: die gesamte "Maschinerie" läuft an und denkt auch praktisch. Es wird Wasser für Tee und Kaffee gekocht, Brötchen und Würstchen werden besorgt. Das nimmt für die benötigten "Unmengen" eben etwas Zeit in Anspruch. "Bringen sie mal eben schnell 20 Liter Wasser zum kochen, das geht nicht in 5 Minuten", so Uwe Vogelsang von den Maltesern.

20 Liter Wasser für den Kaffee

Doch sobald die ersten Dosen Bockwurst heißgemacht sind und der Tee gekocht ist, hunderte von Brötchen, die von der Bäckerei Uwe Elter in Geisweid (spontan und hilfsbereit schon in der Vergangenheit) bei Einsätzen sehr unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden, kann's los gehen in Richtung Einsatzstelle.

Dann geht's auf die Autobahn, doch wie, was, wo? Alles etwas chaotisch, von wo nach wo - welche Fahrtrichtung - darf oder soll sogar als "Geisterfahrer" entgegen der Fahrtrichtung auf die BAB aufgefahren werden? Gespräche über Handy, Kontakt mit Leitstelle und dem Stab des Kreisdirektors, der für die Organisation solcher Notlagen einberufen wird.

Endlich auf der Autobahn angekommen, stoßen die Helfer der Malteser auf das nächste Hindernis. Alles steht, kein Fortkommen - die vielen Lkw und Pkw stehen, wie bereits berichtet, seit vielen Stunden. Aber eine Rettungsgasse freizuhalten? Daran hat wohl niemand gedacht. "Dabei", so Marco Heitze von den Maltesern, "lernt das doch jeder schon in der Fahrschule. Und jeder kann in eine echte Notlage kommen, in der er ganz dringend auf Hilfe angewiesen ist".

Also kämpfen sich die ehrenamtlichen Helfer zu Fuß über die Autobahn, verteilen Tee und Würstchen und stoßen immer auf dankbare Abnehmer. Gleichzeitig müssen viele Fahrzeugführer angesprochen werden, eben die Rettungsgasse freizumachen damit auch das Fahrzeug der Malteser weiter durch kommt. Auch ein weiterer Krankentransportwagen steckt, zum Glück ohne Patienten, im Stau fest. Auch der wird "ins Schlepptau" genommen, und durch die Rettungsgasse gelotst.

Dann, nachdem schon einige hundert Fahrzeugführer mit Familien, Senioren, Behinderten versorgt wurden, löst sich "plötzlich" der Stau auf. Da heißt es: "alle Mann aufsitzen" und ebenfalls Bahn freimachen.

"Der nächste Einsatz kann kommen"

Nachdem sich alle Helfer wieder an der Unterkunft, wohlbehalten und unverletzt eingefunden haben, muss noch die komplette Ausrüstung gereinigt und wieder einsatzbereit gemacht werden. "Denn", so Volker Flor, Leiter Einsatzdienste der Malteser, "bereits morgen kann wieder der Funkmelder den nächsten Einsatz melden. Alles in allem, haben wir auch diese Notlage bewältigt, alle Helfer sind wieder gesund und munter vom Einsatz zurückgekehrt, die versorgten Personen waren froh und dankbar über unsere Hilfe, doch sicherlich müssen wir intern noch die ein oder andere Verbesserung und Schulung in Ablauf oder Einsatztaktik vornehmen", so Volker Flor. Der nächste Einsatz kann kommen. Die Malteser im Kreis Siegen-Wittgenstein, die bei diesem Einsatz die gute Zusammenarbeit der unterschiedlichen Ortsgruppen lobten, sind dafür gewappnet.


 
 
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