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Ehrenamt: Keine Einbahnstraße

Siegen, 05.02.2012 02:15 Uhr

Eine junge Dame, die wir an ihrem Arbeit­sort an der Uni Siegen besuchten, ist Isabel Tölle vom Inter­na­tio­nalen Bund in Siegen. Trotz ihrer immensen Studien­be­las­tungen ist ihr das Ehrenamt beson­ders wichtig.

"Ich war bereits als Jugendliche jahrelang ehrenamtlich tätig. Diese Beschäftigung und das Engagement außerhalb von Schule, Uni und Beruf war und ist mir wichtig, da es eine wunderbare Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung und Abwechslung ist, und es zudem einfach schön ist, etwas für andere und sich zu machen. Ich wollte mich nun auch in Siegen, wo ich an der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig bin und in Politikgeschichte promoviere, gerne wieder ehrenamtlich engagieren", so Tölle. Emetullah Hokkaömeroglu hat Isabel Tölle dann an Gregor Kulawik vom Internationalen Bund "weitervermittelt". Der bietet als einer von mehren Trägern in Siegen Integrationskurse an, in denen Migranten in 645 Stunden vor allem Deutsch lernen, aber auch Informationen über Deutschland erhalten und am Ende eine Prüfung ablegen.

Isabel Tölle nimmt sich in dem Integrationskurs insbesondere der schwächeren Teilnehmer mit einem besonderen Förderunterricht an. "Dabei ist sowohl die geringe Teilnehmerzahl von Vorteil als auch die ungezwungenere Atmosphäre, da ich keine offizielle Lehrerin bin", weiß Isabel Tölle. Und was hat sie selbst davon? Die Antwort der jungen Dame kommt ohne Umschweife: "Mir gefällt an den Kursen besonders die Interkulturalität. Ich lerne selbst begeistert Fremdsprachen und finde es spannend, mich mit anderen Sprachen und Kulturen auseinanderzusetzen. Und auch wenn es immer nur sehr kleine Lernerfolge bei den Teilnehmenden sind, ist es eine tolle Sache."

Die nächste Station auf der Suche nach "Gesichtern des Ehrenamtes" führt uns ins Marienheim, einer Alten- und Pflegeeinrichtung im Schatten des "Schneppeküdder Doms" St. Joseph in der Weidenauer Straße dicht an der Grenze zum "Fürstentum".

"Habe Menschen Freude bereitet"

Hier hat Rita Diehl das sanfte Kommando über nicht weniger als 83 aktive Ehrenamtler verschiedener Bereiche. Früher hat die Erzieherin viele Jahre hauptamtlich soziale Dienste im Marienheim verrichtet. Fünf Jahre hat sie zunächst berufsbegleitend das Ehrenamt in der Einrichtung gemanagt. Seit drei Jahren ist die inzwischen 63-Jährige "ehrenamtliche Ehrenamtskoordinatorin", kooperiert in einem umfangreichen Netzwerk mit Kirchengemeinden, Caritas, Kommunen und natürlich auch mit der Ehrenamtsagentur SAfE. 12 verschiedene Tätigkeitsprofile findet man im Diehl'schen Ehrenamtsservice des Marienheims. Der größte Kreis ist zweifellos der Besuchsdienst mit 25 ehrenamtlich tätigen Damen und Herren, überwiegend im Rentenalter. Auch Elfriede Mihatsch, deren Mann vor 16 Monaten gestorben ist hat hier eine neue Aufgabe gefunden.

Die Seniorin erzählt: "Nach der Trauerbewältigung stand die Alltagsbewältigung an. Viel Zeit brachte auch viel Langeweile mit sich. Und da merkte ich: Ich darf mich nicht hängen lassen, darf nicht aufgeben. Davon wird mein Mann auch nicht wieder lebendig. Ich muss etwas Sinnvolles tun."

Bei unserem Besuch wartete die 76-jährige Maria Schöls schon auf ihre Gesprächspartnerin. Doch Elfriede Mihatsch muss zunächst eher als Zuhörerin fungieren, denn die Altenheimbewohnerin hat in den vergangenen beiden Tagen allerhand Gesprächssstoff gespeichert, den sie nun loswerden will. An diesem Nachmittag steht für sie noch ein weiterer Besuch an. Eine 82-jährige Seniorin ist nach einem Schlaganfall überwiegend bettlägerig, aber geistig noch sehr rege. Hier fungiert Elfriede Mihatsch meist als Vorleserin. Kurzgeschichten und religiöse Texte sind es, die der Patientin ganz offenkundig Freude bereiten und neue Kräfte verleihen. Elfriede Mihatsch brachte es zum Abschluss auf den Punkt: "Ehrenamt ist keine Einbahnstraße. Es profitieren immer beide Seiten davon." Und ganz wichtig. "Ich weiß, dass ich etwas Sinnvolles getan und einem anderen Menschen eine Freude bereitet habe."

 

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