
Kirchen, 12.03.2010 15:30 Uhr
Nach über 70 Jahren hat sich Otto Moses entschlossen, doch ein kleines Stückchen wieder in die Heimat seiner Jugendtage zurückzukehren und ist Mitglied im Kirchener Heimatverein geworden.
"Wir haben sehr viele Gespräche geführt über Gott und die Welt, und natürlich auch über eine mögliche Mitgliedschaft im Kirchener Heimatverein", so Hubertus Hensel, der erste Vorsitzende des Vereins. "Aber zunächst war es für Otto Moses kein Thema, wieder Mitglied in einem Kirchener Verein zu werden."
Die Hintergründe sind einleuchtend: Als Sohn des jüdischen Viehhändlers Julius Moses verlebte Otto Moses eine schöne Kindheit und Jugendzeit in der Kirchener Sandstraße, ging aufs nahe gelegene Gymnasium und träumte schon recht früh davon, einmal Arzt im Kirchener Krankenhaus werden zu können. Doch durch diese Pläne machten ihm die braunen Machthaber in den 1930er Jahren einen Strich und er musste schließlich sogar um sein Leben fürchten. Letztlich mit dem notwendigen Glück schaffte er die Ausreise über die Niederlande in die Vereinigten Staaten, wo er sich eine Existenz aufbauen konnte. Dort lernte er auch seine Frau kennen, mit der er zwei Söhne bekam.
Doch trotz der vielen Jahre in Amerika blieb ihm die Heimat immer im Herzen. "Gute und schlechte Menschen gibt es überall auf der Welt. Das habe ich nur damals in Kirchen und überhaupt in Deutschland in einem Extrem erfahren müssen, das wünsche ich keinem mehr", sagt Moses heute zu diesen Jahren.
"Aber ich habe trotz allem Deutschland auch eine gute Ausbildung zu verdanken, mit der ich die Basis für mein späteres Glück legen konnte", so Moses weiter. "Auch das habe ich nie vergessen." Als Hensel im Rahmen seiner Recherchen über jüdische Familien in Kirchen 2005 den Kontakt mit Otto Moses herstellte, ahnte er in keinster Weise, wie intensiv sich dieser Kontakt entwickeln sollte. "Er lud mich schon bald nach New Jersey ein und ich werde die Fahrt mit ihm durch New York nie vergessen. Wer fährt schon mit einem 94-jährigen durch diese Stadt?" In der Folgezeit blieb man in Kontakt und telefoniert seitdem einmal im Monat und tauscht sich über Neuigkeiten aus.
Auch in Florida, seinem Altersruhesitz, besuchte ihn Hensel mit seiner Frau. "Wir hatten einfach von Anfang an einen tollen Draht zueinander, wie es nur selten bei Menschen geschieht", so der erste Vorsitzende des Heimatvereins, "und natürlich habe ich ihm nicht nur viel über seine alte Heimat erzählt, sondern auch über unser Schaffen und Anliegen im Kirchener Heimatverein." Nach diesen zahlreichen Gesprächen hat sich Otto Moses nun überlegt, doch Mitglied zu werden. Er ist damit aktuell das älteste Mitglied des Heimatvereins. Im Juli wird er 99 Jahre alt und er hofft, auch die hundert Jahre noch mit einem Fest begehen zu können, nicht ohne Kirchener Beteiligung.
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