
05.05.2008 20:02 Uhr
Es ist Freitag und gegen halb 7 treffen sich vier Mädchen im Alter von 16 Jahren. Sie alle sind gut gelaunt und sehen auch für einen ‚einfachen’ Abend am Wochenende ganz schön chic aus. Wovon geht jetzt ein Jeder aus? Richtig, man rechnet damit, dass diese Mädchen sich auf eine wilde Partynacht mit Alkohol und lauter Musik freuen. Ja, ich gebe zu, dieser Gedanke mag hier im Sauerland auch bei einem (ziemlich großen) Bruchteil der Jugend sehr stimmig zutreffen, jedoch nicht bei diesen Vier. Heute Abend steht bei ihnen nämlich ein perfektes Dinner an…
Montag, 20.April, 15.00 Uhr: Ich durchwühle stundenlang Zeitschriften von ’’Kochen & Genießen’’ meiner Mutter. Wir besitzen etwa unglaubliche 180 Exemplare, die ich alle bis ins letzte Eck durchblättern muss, um einfach mein perfektes Dinner zu finden. Ich bin auf der Suche nach einer passenden Vorspeise, die leicht, doch zugleich extravagant ist, nach einem Hauptgericht, was meine Kochkünste keinesfalls übersteigt und passend anzurichten ist, und zu guter letzt nach einer Nachspeise, die als ein kulinarischer Hochgenuss am Ende zelebriert werden soll. Das ist keine leichte Aufgabe für ein 16-jähriges Mädchen, was noch nicht allzu viel Erfahrung im Bereich ‚Küche und Kochen’ verzeichnen kann. Gegen 17.30 bin ich am Verzweifeln und überzeugt davon, dass ich niemals ein abgestimmtes Menü auf die Beine stellen kann, aber ich bleibe dran und suche weiter bis ich um 22.00 Uhr endlich einen groben Plan auf meinen Spickzetteln erkennen kann.
Dienstag, 21.April, 13.30: Noch vier Tage bis zu meinem Kochtermin und ich bin jetzt schon aufgeregt, denn meine drei Freundinnen, die bereits ihr Abendessen fabelhaft über die Bühne gebracht haben, haben ganz schön etwas vorgelegt. Zu viert kamen wir nämlich auf die Idee, das Vox-Format ‚Das Perfekte Dinner’ aus dem Fernsehen einfach zu übernehmen und unsere ganz private Dinner-Runde zu veranstalten. Das natürlich auch richtig professionell von Themen und Gastgeschenken bis hinzu hochwertigem Wein und anonymer Punktevergabe. Dass aus dieser Idee so unglaubliche Abende entspringen würden, dachte ich anfangs nicht. Meine drei Freundinnen haben bereits gekocht (1. Thema: La cuisine Francais; 2. Thema: Frühlingsgefühle; 3. Thema: Tropische Traumreise) und ich schließe nun den Kreis mit dem 4. und letzten Abend. Ich überdenke noch mal mein Menü und mein Thema, denn morgen steht das Probekochen an!
Mittwoch, 22.April, 14.00 Uhr: Meine Mutter hat heute morgen bereits für das Probekochen eingekauft, denn alleine hätte ich das zeitlich nie geschafft. Ich habe mich gestern Abend für das Thema ‚Kulinarische Plauderei mit Herz’ entschieden. Ein Thema, was man gut ausschmücken kann, aber keinesfalls im Bezug auf die Auswahl der Speisen einschränkt. Ich beginne direkt nach der Schule mit den Vorbereitungen, denn ich habe meinen Eltern heute Abend ein 3-Gänge-Menü von mir versprochen. Das Menü, was auch ich am Freitag für meine Mädels kochen möchte. Ich bemerke gegen 17.00 Uhr, wo ich gerade die Vorspeise vorbereite, wie eng der Zeitplan wirklich ist, denn die Tischdekoration steht noch keineswegs!
Donnerstag, 23.April: 17.00 Uhr: Das Probedinner gestern Abend lief soweit gut. Das Menü hat meinen Eltern hervorragend geschmeckt und mein Vater war insbesondere von der Nachspeise begeistert, was mein Etappenziel bedeutete. Nur hatte ich fast vergessen den Backofen vorzuheizen, was fatal für meine Hauptspeise (Schweineröllchen a lá Parma in Feigensenfsauce mit Kartoffelgratin und frischem Broccoli mit Mandelbuttersauce) gewesen wäre. Gut, dass mir da noch meine Mutter helfen konnte. Daraufhin schrieb ich mir direkt einen großen Zeitplan, der seither am Backofen gut sichtbar klebt. Jetzt kaufe ich für morgen Abend ein. Nur das Beste vom Besten soll es natürlich sein. Immerhin soll es ja perfekt werden…
Freitag, 24. April: 23.30: Mein Dinner ist vorbei. Ich bin erschöpft, erleichtert, aufgedreht und stolz zugleich. Ich bin außerordentlich zufrieden mit mir. Alles hat gut geklappt, auch wenn es fürchterlich stressig war. Ich war selten so nervös wie heute Abend um 18.30, als es klingelte. Doch meinen drei Gästen hat es vom Apéritif bis hin zum Dessertwein gut geschmeckt. Natürlich gab es auch einen Preis und zwar einen Essensgutschein im Wert von 20 Euro. Wie es das Schicksal wollte gab es zwei 1. und zwei 2. Plätze. Einfach perfekt…
Jeder der vier Abende war absolut gemütlich und unglaublich bereichernd für uns. Wir alle haben viel dazu gelernt und können stolz auf uns sein, denn so ein 3-Gänge-Menü mit Getränken, Tischdekoration und Service hat es ganz schön in sich! Ich empfehle die Idee, seine persönliche Dinnerrunde aufzumachen, für jeden Hobbykoch. Es macht unglaublich viel Spaß und ist eine Erfahrung für das Leben.
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