Aldi Burbach lässt Ausländer überwachen

Die „Angst“ vor den Flüchtlingen in der ehemaligen Siegerlandkaserne in Burbach treibt im Ort bedenkliche Blüten: Im Eingangsbereich des Aldi-Marktes in der Ortsmitte wurde ein externer Sicherheitsmann postiert. Er ist nach eigenen Angaben dazu da, „die Ausländer zu kontrollieren“. Dabei gibt es laut offizieller Aussage der Polizei Siegen-Wittgenstein überhaupt kein auffälliges Problem in Sachen Ladendiebstählen.

Es ist ein bizarres Bild: Vor der Aldi-Süd-Filiale in Burbach steht ein breitschultriger Mann mit Anzug und Krawatte. Deutlich sichtbar trägt er eine Art Dienstausweis am Sakko: Er ist Mitarbeiter der Firma „Sicherheitsdienst WSD Lütke“ aus Gummersbach. „Fühlen Sie sich frei“ ist laut Homepage deren Motto. Doch frei können sich ausländisch aussehende Kunden des Marktes wohl kaum mehr fühlen. Denn betreten diese den Markt, werden sie gleich von besagtem Sicherheitsmann abgefangen. Bevor überhaupt ein konkreter Verdachtsmoment besteht, werden sie angehalten, Taschen und Tüten am Eingang abzugeben. Ob es sich bei den Kunden überhaupt um Einwohner des Übergangswohnheims handelt oder nicht, ist für den Security-Mann gar nicht erkennbar. Immerhin gibt es ja auch Menschen mit anderer Hautfarbe, die seit Generationen in Burbach oder sonstwo in Deutschland leben. Egal: Wer ins Schema passt, wird angesprochen. „Deutsch“ aussehende Kunden scheint die Regelung jedenfalls nicht zu betreffen: Sie dürfen den Markt weiterhin – wie üblich – mit kleineren Beuteln oder Handtaschen betreten.

Doch es geht noch weiter: Die ausländisch aussehenden Kunden stehen im Verlauf ihres Einkaufs unter Beobachtung. Zwar folgt der Security-Mann ihnen nicht auf Schritt und Tritt. Doch aus den Augen verliert er sie nicht. Er bleibt in deren „Dunstkreis“, bis diese an der Kasse gezahlt und den Supermarkt verlassen haben.

Auf Nachfrage bei „WSD Lütke“ in Gummersbach wollte man diese Vorgehensweise nicht kommentieren. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu solchen Aufträgen, hieß es telefonisch auf Anfrage des SiegerlandKurier. Auch Aldi-Süd zeigt sich schweigsam: Wir wollten wissen, welche Hintergründe die Maßnahme hat. Doch weder mündlich noch schriftlich gab es einen Kommentar von Konzernseite.

Auskünfte und neue Zahlen gibt es aber von der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein: Genau 22 Ladendiebstähle, die auf Einwohner des Flüchtlingsheims zurückzuführen sind, habe man seit dem 23. September bis Montag, 11. November, in gesamt Burbach erfasst. Macht bei bis dato aufgelaufenen 41 Werktagen knapp jeden zweiten Tag einen Diebstahl. Die Polizei hat zudem auch gerechnet: Der durchschnittliche Wert des Diebesgutes – ausnahmslos übrigens Dinge des täglichen Gebrauchs wie Lebensmittel oder Hygieneprodukte – lag bei 16 Euro. Unter den 22 erfassten Ladendieben befinden sich auch Kinder und Jugendliche. „Die Zahlen sind weder besorgniserregend noch auffällig“, gibt Polizei-Pressesprecher Georg Baum eine eindeutige Einordnung des – nicht vorhandenen - „Problems“.

Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers zeigte sich demnach überrascht von der Bewachungs-Maßnahme des Discounters: „Es steht Aldi zu, einen Sicherheitsdienst zu engagieren. Bedenklich wird es allerdings, wenn nur gewisse Personengruppen unter Beobachtung stehen oder Einschränkungen zu befürchten haben. Ich werde das Gespräch mit dem Unternehmen suchen.“ Eindeutiger wird Rechtsanwalt Dr. Christian Kotz (Kreuztal): „Wenn ohne Verdachtsmoment, dazu noch pauschal und zielgerichtet auf vermeintliche Ausländer hin solche Maßnahmen ergriffen werden, dann ist das eine klare Diskriminierung bis hin zur Verletzung von Menschenrechten.“

Von Tim Plachner

t.plachner@siegerlandkurier.de

Update: Mittlerweile hat Aldi Süd reagiert: "Es ist richtig, dass wir in unserer Filiale in Burbach seit Freitag vergangener Woche einen Sicherheitsdienst einsetzen. Dessen Mitarbeiter sollen vor dem Eingang und in der Filiale Präsenz zeigen und unsere Mitarbeiter unterstützen. Damit reagieren wir auf die steigenden Diebstahlzahlen in unserer Filiale in Burbach. Aldi Süd hat die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ausschließlich damit beauftragt, sämtliche Kundinnen und Kunden der Filiale freundlich zu bitten, einen Einkaufswagen zu benutzen", teilt Kirsten Geß, Leiterin Kommunikation, mit. Konkret wollte man die "steigenden Diebstahlzahlen" allerdings auf Nachfrage nicht nennen. Die im Artikel erhobenen "Vorwürfe" weise man strikt zurück: Weder "überwache Aldi Burbach Ausländer" noch sei der Sicherheitsdienst angewiesen "die Ausländer zu kontrollieren".

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