Stahl und Nanopartikel

MINT-Camp Stift Keppel erstmals im Winter

Die Schüler lernten verschiedene Betonmischverfahren im Fachbereich Bauchemie der Universität Siegen kennen.

Allenbach. „Ganz schön heiß“, „Ich habe sowas noch nie gesehen“, „Echt cool“ – so klingt es, wenn Schüler zum ersten Mal sehen, wie sich glühender, flüssiger Stahl aus dem Ofen ergießt. Georg Wurm von den deutschen Edelstahlwerken freut sich, den 25 Schüler des MINT-Camps Stift Keppel seinen aufregenden Arbeitsplatz zeigen zu dürfen. Die Jugendlichen aus insgesamt zehn Gymnasien und Realschulen des Kreisgebiets hören gespannt zu, wenn Wurm über die Stahlerzeugung im Siegerland berichtet.

In Stift Keppel in Allenbach findet wieder das MINT-Camp statt. Fünf Tage lang werden die 15-jährigen dort leben und tagsüber nicht in Klassenräumen lernen, sondern Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik und Technik (MINT) in Wissenschaft und Praxis erfahren. Der Unterricht wird zum Lokaltermin. 

Bewerbungen von über 40 Schülern 

Über 40 Neunt- und Zehntklässler hatten sich auf einen Platz im MINT-Camp beworben, das vom Verein zur Förderung begabter Kinder und Jugendlicher Südwestfalen getragen wird. Die beiden Gymnasien Fürst-Johann-Moritz und Stift Keppel organisieren die Woche und teilen sich den personellen und organisatorischen Anteil. Bereits zum fünften Mal findet das Camp in Stift Keppel, dem einzigen MINT-EC-Gymnasium im Siegerland, statt. „Es bietet sich einfach an“, sagt Sebastian Funk, einer der Organisatoren, und verweist auf die Tagungsunterkünfte und Küche von Stift Keppel. Das MINT-Camp hatte das Thema „Material und Form“, jeden Tag besuchten die 25 Camper daher Betriebe in der Region, um über verwendete Materialien mehr zu erfahren. Bei der Krombacher Brauerei erfuhren sie von Qualitätsmanager Ludgar Hense, wie sich Glasfarben auf Qualität und Geschmack auswirken, bei Eisenbau Krämer zeigt Werkleiter Jochem Beissel, wie viele Zentimeter dicke Metallplatten zu Tiefseerohren verformt werden. 

Es sind solche exklusiven Einblicke, die das MINT-Camp besonders machen. Corinna Stallherm, Lehrerin am FJM Gymnasium, unterrichtet normalerweise Sport und Geschichte, doch gerade hilft sie zwei Schülern während eines CAD-Workshops. Am Computer erstellen sie die Einzelteile eines Fahrrads, formen Pedale und machen sich Gedanken über den perfekten Sattel. Ingo Oppermann von der Firma SMS Siemag in Dahlbruch, freut sich über Neugier und Technikaffinität der Jugendlichen. Zusammen mit Auszubildenen hat er eigens für das MINT-Camp eine Aufgabe entwickelt, die von den Schülern nun umgesetzt wird. Am Ende entstehen die Teile am 3D-Drucker. Aus virtuell wird reell, hochmodern und voll einsatzbereit. 

„Durchschnittlich vier Kilometer legen wir während des Camps pro Tag zu Fuß zurück“, schmunzelt Alexander Degenkolb. Der durchtrainierte Sportlehrer vom Fürst-Johann-Moritz Gymnasium steht am Buffet der Firma Georg in Buschhütten. „Da ist eine gute Ernährung für die Schüler sehr wichtig. Da wir immer in Bewegung sind, freuen wir uns, wenn uns die Firmen da unterstützen“. Es gibt eine kräftige Suppe, viel Obst und ausreichend Getränke. Doch nicht nur mit Verpflegung unterstützen regionale Firmen das MINT-Camp. Eine breite Allianz aus Industrie und Wirtschaft (IHK, Verband der Siegerländer Metallindustriellen, die Firmen SMS Siemag, Vetter Umformtechnik, EJOT, Weber Maschinentechnik, Stumpf Metall GmbH) hat sich zusammen geschlossen um langfristig das Projekt zu fördern. 

Es sind aber nicht nur die Ausflüge in den laufenden Betrieb, es ist auch der besondere Mix zwischen Forschung und Praxis, der das MINT-Camp Stift Keppel ausmacht. An der Universität Siegen werden die Camper vom Fachbereich Chemie in Empfang genommen. Prof. Dr. Claudia Wickleder diskutiert mit ihnen über Nanopartikel und Leuchtstoffe und wie diese den Alltag verändern. Wenig später geht es um Bauchemie. Dr. Christian Pritzel zeigt den erstaunten Schülern neue Betonarten und gewährt einen Blick ins Elektronenmikroskop. „Wer die Chemie versteht, kann stabile und leichte Materialien entwickeln“, weiß Pritzel und erklärt, wieso ein Gipskristall durchsichtig ist und warum zu viel Wasser schädlich für guten Beton ist. 

Neues Konzept geht auf

 Bislang lag das MINT-Camp stets in den Sommerferien. Dieses Jahr jedoch ging man einen neuen Weg und verlagerte es in die Schulzeit und in den Winter. „Das neue Konzept geht auf“, freut sich Sebastian Funk und ergänzt: „Natürlich müssen wir uns jetzt überlegen, wie wir in Zukunft das Camp gestalten, da kommt es auf die Rückmeldung aus Schulen, Uni und Firmen an“. Eins jedoch ist schon jetzt klar: Das MINTCamp Stift Keppel wird auch im kommenden Jahr wieder seine Pforten für begeisterte Schüler öffnen.

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