
Siegen, 07.02.2010 01:30 Uhr
Bleiben wir konsequent: Da der Schnee ja das allgegenwärtige Thema dieser Tage ist, vergleichen wir die konjunkturelle Lage in der Region doch mit einer Schlittenpartie. Denn so rasant es dort bergab geht, so mühsam und beschwerlich ist doch auch der Aufstieg. "Es geht voran, aber nur in Trippelschritten", beschreibt es Franz J. Mockenhaupt, Hauptgeschäftsführer der Industrie-und Handelskammer Siegen (IHK). Die Kammer präsentierte unter der Woche die Ergebnisse der ersten Konjunkturumfrage des Jahres 2010.
So langsam kehrt wieder so etwas wie vorsichtiger Optimismus ein bei den befragten Unternehmen im Kammerbezirk zwischen Olpe und Siegen. Doch nach dem wirtschaftlich gesehen katastrophalen Jahr 2009 drohen weitere Risiken auf dem langen Weg aus dem Tal: Sorgenkind der IHK ist der vor allem im Siegerland so wichtige Maschinenbau. Dort fehlen ab Sommer Anschlussaufträge. Für den Kreis Olpe bleibt abzuwarten, wie sich der Absatzmarkt im Kfz-Bereich entwik-kelt. Reißt die ausgelaufene "Abwrackprämie" Löcher in die Auftragsbücher, stehen auch die Zulieferer vor Problemen.
Daher also nur langsam aufkeimende Zuversicht, die sich im Konjunkturklima niederschlägt. Im Saldo der Lage und Erwartungen steigt der Index von 83 Punkten im August 2009 auf aktuell 86 Punkte (Januar 2010) — was zugleich bedeutet, dass es noch immer mehr Pessimisten als Optimisten gibt.
Kein Wunder: Die Industrie als "Triebfeder" der Wirtschaft in Sauer- und Siegerland hat stark gelitten. 19 Prozent weniger Gesamtumsatz, 40 Prozent weniger Auftragseingänge. "Das ist ein historisches Tief", sagt IHK-Präsident Klaus Th. Vetter.
Erschreckend ist die Produktionsauslastung: Nur noch 44,9 Prozent der befragten Betriebe berichten von einer Auslastung über 70 Prozent — vor drei Jahren waren es noch doppelt so viele. In der Bauindustrie hat der Kampf um die wenigen Aufträge begonnen. Und der wird über den Preis ausgefochten. Das sorge für Pessimismus, zu dem auch der ungewöhnlich lange und strenge Winter beigetragen habe.
Im Einzelhandel gibt es eine nominelle Verbesserung der Stimmung. "Aber man schwimmt immer noch unter Wasser", meint Mockenhaupt. 50 Prozent der Textilhändler berichten von einer schlechten Lage. Mehr als die Hälfte sind es gar beim Großhandel. "Erschreckend", findet Vetter. Vor allem, da der Großhandel oft auch als Indikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung gesehen wird. Bei den Dienstleistern haben sich vor allem die Logistiker wieder erholt. Dennoch beurteilen knapp 40 Prozent ihre Lage als "schlecht".
Sorgen bereitet der Kammer die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Noch steht der Bezirk im Landes- und Bundesvergleich mit einer Arbeitslosenquote von 7,2 Prozent relativ gut da.
Sobald im Sommer der Maschinenbau keine Aufträge mehr abzuarbeiten hat, drohen Entlassungen. Mehr als jeder fünfte Betrieb gab bei der Umfrage an, dass man Stellen abbauen werde. Neue Einstellungen planen gerade einmal 8,9 Prozent. Hinzu kommt die in einigen Betrieben bereits bald auslaufende Kurzarbeit. "Es wird zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit kommen", ist sich die IHK sicher. Das Ausmaß könne aber noch nicht abgesehen werden.
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