
Betzdorf, 07.03.2010 01:16 Uhr
Der überwiegende Teil der Betzdorfer Bevölkerung kennt den Zweiten Weltkrieg nur aus dem Geschichtsunterricht. Da stellt sich für den Betzdorfer Geschichte e.V. (BGV) die Frage: Soll man trotzdem an die grauenvollen Kriegstage erinnern, den zahllosen Opfern gedenken? Der BGV bejaht dies uneingeschränkt und lädt zusammen mit der Stadt Betzdorf am Freitag, 12. März, ab 20 Uhr in die Stadthalle ein.
An diesem Tag jährt sich zum 65. Mal der Tag, an dem Betzdorf den größten Angriff der "8th US Air Force" erlebte. 116 B-17 Bomber waren zwar auf den strategisch wichtigen Eisenbahnknotenpunkt Betzdorf angesetzt, luden ihre todbringende Fracht von über 3000 Bomben unterschiedlicher Gewichtsklassen aber besonders über Hohenbetzdorf ab.
Die Bombenangriffe auf Betzdorf waren im Frühjahr 1945 verstärkt aufgenommen worden. Auf einem Flugblatt, das über Betzdorf abgeworfen worden war, stand zu lesen: "Betzdorf und Dillenburg, die bisher den Luftkrieg nur vom Hörensagen kennen gelernt hatten, gehören zu den zahllosen kleinen Eisenbahnknotenpunkten, die durch das Vorrücken der Westfront jetzt mit einem Mal zu wichtigen Nachschubstützpunkten geworden sind und jetzt der Reihe nach von der alliierten Luftwaffe zerstört werden."
Bereits am vierten Advent 1944 waren erste Bomben in der Nähe der Turnhalle an der Schützenstraße abgeworfen worden, sonst sind aber im Jahre 1944 kaum nennenswerte Störungen registriert worden. Am 19. Februar erfolgte der erste große Angriff auf Betzdorf. Wenn man heute im Internet die amerikanischen Einsatzbefehle nachlese, schreibt der BGV, dann habe man die Zerstörung der Firma Jung-Jungenthal geplant und jedoch mit Betzdorf verwechselt. In Kirchen wurden damals Rüstungsgüter hergestellt und die Rüstungsfirma wurde im März 1945 doch getroffen.
Es leben immer weniger Menschen, die diesen Tag bewusst in Erinnerung haben, und der BGV wird in der Stadthalle mit über 50 Fotos aus dem zerstörten Betzdorf erinnern und mahnen, dass sich dies nicht wiederholt. Unterstützt wird der BGV von Schülern der Klasse 10 des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, die Zeitzeugenberichte lesen, darunter die vom verstorbenen Lehrer Josef Hermann, Pfarrer i.R. Rolf Wagner, und von der Oberstudienrätin a.D. Doris Weyer. Doris Weyer hat zugesagt, selbst anwesend zu sein.
Die Jugendkapelle der Stadtkapelle Betzdorf wird den Gedenkabend musikalisch umrahmen. Zur Gedenkveranstaltung sind alle Interessierten eingeladen.
Vor Beginn der Veranstaltung in der Stadthalle werden Bürgermeister Bernd Brato und BGV-Vorsitzender Ernst-Helmut Zöllner um 19.30 Uhr in der alten Friedhofskapelle einen Kranz niederlegen. Auch hier sind die Betzdorfer gerne gesehen. Die Kranzniederlegung umrahmt ein Quartett der Stadtkapelle Betzdorf musikalisch.
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