Nachrichtenarchiv, April 2013

KiBiz kreist über „Kükennest“

PolitikFreudenberg

Gesetz macht wirtschaftliche Kindertagespflege kaum möglich

Die Betreuung von Kindern unter drei Jahren ist in aller Munde. Ab 1. August dieses Jahres können Eltern sogar ihren Rechtsanspruch für die Betreuung ihrer Kinder geltend machen.

KiBiz kreist über „Kükennest“
Eine kleine Einrichtung mit individueller Betreuung: Dem „Flecker Kükennest“ an der Friedenshortstraße kämpft aber aktuell mit den gesetzlichen Bestimmungen des KiBiz.

Während fast überall u3-Betreuungsplätze geschaffen werden, kämpft das „Flecker Kükennest“ ums Überleben, weil die gesetzlichen Bestimmungen einen wirtschaftlichen Betrieb kaum möglich machen.

Brigitte Bergmann war eine Pionierin in Sachen Kindertagespflege: Im Gemeindehaus der katholischen St. Marien-Gemeinde hat sie eine so genannte Großtagespflege etabliert, in der bis zu neun Kinder betreut werden. Eine kleine Einrichtung mit familiärer Atmosphäre in einer ehemaligen Einliegerwohnung. Weil eine Tagesmutter maximal fünf Kinder betreuen darf, stellte sie später eine Erzieherin ein. Bis zu neun Kinder werden hier pädagogisch betreut; zu flexiblen Zeiten von morgens früh bis in den späten Nachmittag. Aber die Idylle trügt, denn jetzt droht die Bürokratie, der Einrichtung den Riegel vorzuschieben. Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) sieht schlichtweg nicht vor, dass eine Tagesmutter eine weitere Erziehungskraft einstellt. Akzeptiert werden lediglich Zusammenschlüsse gleichberechtigter Tagespflegepersonen, etwa in Form einer so genannten GbR.

Für Brigitte Bergmann und ihre Kollegin ist diese Organisationsstruktur schon unter finanziellen Gesichtspunkten keine dauerhafte Lösung. Bereits vor einigen Wochen suchte Brigitte Bergmann daher den Kontakt zu den Eltern mit dem Ziel, einen Elternverein ins Leben zu rufen, der als Träger einer zu gründenden Kindertagesstätte fungiert. Die Bereitschaft der Eltern zur Mitarbeit war spontan groß, schließlich haben sie die Einrichtung für ihre Sprösslinge vor allem ausgewählt, weil hier eine individuelle Betreuung im familiären Rahmen gewährleistet ist. Bis zu 15 Kinder hätten in einer Tagesstätte von zwei bis drei Mitarbeiterinnen betreut werden können, zudem schnell klar wurde, dass die Chancen für die Gründung einer Kita nicht schlecht stehen: Die Kirchengemeinde als Eigentümerin der Räumlichkeiten wurde von Beginn an in die Pläne einbezogen; in einem Treffen Mitte voriger Woche zeigte sich der Kirchenvorstand dem Vorhaben gegenüber positiv eingestellt; schließlich müssten zur Erfüllung der strengen Richtlinien bauliche Veränderungen an den Räumen vorgenommen werden. Auch die Stadtverwaltung war schnell mit im Boot; Bürgermeister Eckhard Günther signalisierte spontan seine Bereitschaft, die Gründung der kleinsten Kindertagesstätte im Kreis zu unterstützen. Mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband war zudem ein Spitzenverband gefunden worden, unter dessen Dach die Institution hätte starten können.

Trotz aller Bemühungen wird es aber wohl keine „Kindertagesstätte Kükennest“ geben. Laut Jugendamt besteht zwar durchaus Bedarf im kommenden Jahr, allerdings soll dieser über An- und Neubauten an zwei bisherigen Einrichtungen in Freudenberg-Mitte und Niederndorf gedeckt werden.

Die Krux: Derzeit weiß niemand so recht, wie viele Betreuungsplätze für U3-Kinder in den kommenden Jahren wirklich benötigt werden. Anders als in den übrigen Kommunen beispielsweise stimmte das Ergebnis der im vorigen Jahr durchgeführten U3-Elternbefragung und die darauf abgestimmte Planung von 37 Prozent Versorgungsquote nicht mit den jetzt vorliegenden Anmeldezahlen überein. Hinzukommt, dass mehr als eine halbe Gruppe von Freudenberger Ü3-Kindern zurzeit in Kitas der Stadt Siegen betreut wird. „Die Gesamtsituation muss neu bewertet werden“, heißt es seitens des Jugendamtes. Eine weitere u3-Elternbefragung ist geplant.

Ob sie Klarheit bringt, ist fraglich. Fraglich ist auch, wie Tagesmütter wirtschaftlich arbeiten sollen, wenn der Gesetzgeber an den offenbar willkürlichen Regelungen festhält.

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