
14.02.2007 12:28 Uhr
Einundzwanzig farbige Kugeln auf einem Tisch, der zwölf Fuß lang, sechs Fuß breit und bis zu 1.500 kg schwer ist. Das verspricht Spannung bis in die Fingerspitzen. Die neue Trendsportart aus Großbritannien heißt Snooker. Eine Variante des normalen Billiardspiels, die so unter die Haut geht, dass selbst Menschen mit Nerven aus Stahl ins Schwitzen geraten. Schon seit Jahren überträgt Spartensender Eurosport die WSA Maintour im deutschen Free-TV. Immer wenn Snooker im Fernsehen läuft, sitzt die ganze Familie gespannt vor der Flimmerkiste und fiebert dem kommenden Match entgegen. Mit jeder Menge Nervennahrung ausgestattet, kommt man endlich wieder kollektiv zusammen und pflegt das doch sonst immer etwas zu kurz gekommene Familienleben. Zwar genießt man das Zusammensein mit Stillschweigen, aber das scheint niemanden sonderlich zu stören. Wenn O'Sullivan und Co. eine lange Rote in die obere Ecktasche versenken, geht ein Stöhnen durch das Wohnzimmer. Spannender als jedes Rennen in der Formel 1, unterhaltsamer als jede Unterhaltungsshow - das kann nur Snooker.
Schon seit vielen Monaten verfolge ich die Turniere der Snooker-Maintour im Fernsehen. Ich muss zugeben, auch ich habe einige Zeit gebraucht, um die doch sehr komplexen Regeln zu verstehen. Doch wenn man einmal alles verstanden hat, dann lässt einen der Sport nicht mehr los. Diese Kombination aus Ästethik und Atlethik, einfach bewundernswert. Zweifellos machen die Spieler die Show, aber der Kommentator rundet die ganze Übertragung in ihrer Perfektion ab. Fachwissen verpackt mit einer unnachahmlichen Leichtigkeit, das ist Rolf Kalb. Die FAZ sieht in ihm einen "imponierenden Reporterpionier." Und das ist er tatsächlich. Er hat sicherlich viel dazu beigetragen, dass Snooker in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den letzten Jahren so populär geworden ist und das die Trendsportart zu einem solchen Quotenknaller geworden ist. Alleine wegen ihm schaltet man bei einem Turnier schon gerne den Fernseher ein.
Jeder Zuschauer hat sicherlich seinen Lieblingsspieler. Die einen mögen die taktischen Kunststücke, die anderen das offensive Spiel, wiederum andere die Geschwindigkeit in den Stößen. Man mag es kaum glauben, Snooker wird zu neunzig Prozent im Kopf entschieden. Wer mental nicht völlig fit, der hat am grünen Tisch keine Chance. Diese wahren Künstler sind wirklich nur zu bewundern, wie sie den weißen Spielball so gezielt und präzise über diesen riesigen Tisch manövrieren und immer wieder in Position bringen, um im Break zu verbleiben. Spielintelligenz, der richtige Touch, die mentale Stärke, aber auch die körperliche Fitness sind entscheidend. Wie hat es Rolf Kalb mal so treffend formuliert: "Es gibt Situationen, da hat man kein Blut mehr im Adrenalin!" Wer da nicht mitfiebert, der ist kein Mensch. Mittlerweile bin ich mir sicher. Snooker macht süchtig.
Heute Abend starten live bei Eurosport die Welsh Open. Natürlich werden wir auch dort wieder zusammen vor dem Fernseher sitzen und mitfiebern. Ich kann es nur jedem empfehlen, dort einmal reinzuschauen. Aber schneiden Sie sich lieber vorher die Fingernägel und nehmen Sie sich Möhren mit vor den Bildschirm - es könnte brenzlig werden.
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