
Hilchenbach, 18.08.2010 01:30 Uhr
Das Thema Barrierefreiheit steht im Hilchenbacher Rathaus schon seit geraumer Zeit auf der Tagesordnung. Der für Rollstühle zugängliche Briefkasten am Rathaus, ein Informationsblatt über geeignete Rundwege, Querungshilfen über den historischen Marktplatz und ein barrierefreier Internet-Auftritt ist eine von vielen Möglichkeiten, behinderten Menschen die Teilhabe am öffentlichen Leben einer Stadt zu ermöglichen.
Auch bei einigen Institutionen und Betrieben in Hilchenbach wurden bereits gute Fortschritte erzielt. Dazu hatte sich die Gruppe "Barrierefreiheit" der Demografie-Initiative Hilchenbach etwas Besonderes ausgedacht ? die Aktion "Tausch doch mal" auf dem Hilchenbacher Marktplatz, eine nicht ganz gewöhnliche Tauschbörse, denn hier wurden die Rollen getauscht. Es sollte Gelegenheit gegeben werden, sich einmal in die Rolle des behinderten Menschen zu versetzen und seine Welt erleben. Unterstützt von Schülern der Carl-Kraemer-Realschule Hilchenbach und der Adolf-Reichwein-Hauptschule Dahlbruch luden die Mitglieder der Gruppe dazu ein, einen Blick aus anderer Perspektive zu wagen. Unter den "Mutigen" befand sich auch der 1. Stellvertretende Bürgermeister Hilchenbachs, Klaus Stötzel.
Zuerst mit viel Begeisterung begab sich Stötzel mit Unterstützung eines Schülers auf den Weg. Unerfreulich waren die Erfahrungen mit Menschen, die unübersehbar wegsahen und wenigen rücksichtslosen Autofahrern, die kurz vor oder nach dem Rollstuhl an Fußgängerübergängen vorbeirauschten. Auch zugeparkte Querungshilfen (oft identisch mit Bürgersteigen) trübten die Stimmung.
Die persönliche Erfahrung "im wahrsten Sinne des Wortes auf einmal so niedrig zu sein", irritierte den stellvertretenden Bürgermeister. Auch bei der anschließenden "Testfahrt" mit einer "kassenüblichen" Gehhilfe wurden die Erfahrungen nicht besser. "Man bleibt an jeder noch so kleinen Kante hängen, dass Kopfsteinpflaster ist einfach katastrophal für Menschen mit Einschränkungen", erklärte eine Passantin, die ebenfalls beherzt einen "Rollator" genommen hatte.
Viele direkt betroffene Menschen füllten am Stand der Gruppe einen Fragebogen aus, der vorwiegend nach den Schwierigkeiten im Alltag behinderter Menschen und möglichen Lösungen fragte.
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