„Raserunfall von Kalteck“

Bundespolizist und Mitangeklagter verurteilt: fünf Jahre Haft nach tödlichem Autorennen

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Felix R. und Johannes S. musstensich vor Gericht verantworten.

Der „Raserunfall von Kalteck“ sorgte im vergangenen Sommer für Entsetzen. Nun sind die beiden Todesfahrer verurteilt worden.

  • Der inzwischen suspendierte Bundespolizist Felix R. tötete mit seinem Audi einen Familienvater.
  • Er und sein Mitangeklagter Johannes S. betonen, es habe sich um kein Straßenrennen gehandelt.
  • Nun sind die beiden Angeklagten verurteilt worden.

Update vom 22. November, 15.56 Uhr: Im Prozess um einen tödlichen Raser-Unfall im Bayerischen Wald sind die beiden 28 und 54 Jahre alten Angeklagten vor dem Landgericht Deggendorf zu jeweils fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Vorsitzende Richter Georg Meiski legte den Männern die Teilnahme an einem unerlaubten Rennen mit Todesfolge sowie fahrlässige Körperverletzung zur Last. Der 54-Jährige wurde zudem wegen Unfallflucht verurteilt.

Raser-Unfall im Bayrischen Wald: Urteil um illegales Straßenrennen erwartet

Update vom 22. November, 13.42 Uhr:Im Prozess um den tödlichen Raser-Unfall im Bayerischen Wald  haben die Verteidiger auf eine Bewährungs- beziehungsweise Geldstrafe für ihre Mandanten plädiert. Der Anklage nach veranstalteten die beiden 28 und 54 Jahre alten Männer im Juli 2018 bei Achslach ein verbotenes Rennen Auto gegen Motorradund verursachten den Todeines entgegenkommenden Oldtimer-Fahrers. Dessen Sohn wurde lebensgefährlich verletzt.

Der Anwalt des Autofahrers sprach sich für eine zweijährige Bewährungsstrafe aus. Der Verteidiger des Motorradfahrers wollte sich bei einerMittäterschaft seines Mandanten an dem Unfall nicht festlegen. Er plädierte auf eineGeldstrafe wegen eines illegalen Rennens und Unfallflucht. Sollte das Gericht eine Mittäterschaft sehen, würde eine Geldstrafe nicht ausreichen, so der Verteidiger.

Der Staatsanwalt hatte am Freitagmorgen vor dem Landgericht Deggendorf schon Haftstrafen wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Beteiligung an unerlaubtem Rennen mit Todesfolge gefordert. Der Autofahrer soll demnach für sechs Jahre ins Gefängnis, der Motorradfahrer für sechseinhalb Jahre. Ihm wirft die Anklagebehörde zusätzlich Unfallflucht vor.

Das Gericht wollte noch am Freitag sein Urteil (15.00 Uhr) verkünden.

Illegales Straßenrennen: Todesfahrer bezahlen Ausgleich an Opfer-Familie - Polizist suspendiert 

Update, 15. November, 9.50 Uhr: Vor dem Landgericht Deggendorf werden am Freitag (15.11) die Plädoyers der Verteidiger, der Staatsanwaltschaft und der Nebenklägeranwälte erwartet. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten, die 28 und 54 Jahre alt sind, vor, bei einem illegalen Straßenrennen den Tod eines 38 Jahre alten Autofahrers verursacht zu haben sowie weitere Menschen gefährdet und verletzt zu haben. Der zehnjährige Sohn des Opfers, der auf dem Beifahrersitz saß, ist seit dem Unfall schwerbehindert. Seine Mutter und er treten als Nebenkläger auf. 

Video: Unbeteiligte Frau stirbt im Krankenhaus nach Autorennen in Moers

Wie die PNP über den Prozess berichtete, werden vor den Plädoyers noch die Ausführungen eines Kfz-Gutachters gehört. Weitere Zeugen sollen nicht mehr auftreten. Dem 28 Jahre alten inzwischen suspendierten Bundespolizisten droht laut PNP eine Strafe zwischen drei und fünfzehn Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Den 54 Jahre alten Angeklagten erwartet eine Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr bis zu zehn Jahren. Er muss sich wegen der Teilnahme an einem illegalen Straßenrennen, Unfallflucht und unterlassener Hilfeleistung verantworten.  

Während des Prozesses hatten beide Angeklagten Reue gezeigt. Im Rahmen eines außergerichtlichen Täter-Opfer-Ausgleichs zahlen sie der Familie 31.000 Euro sowie 25.000 Euro. 

Raserunfall nach illegalem Straßenrennen: Bundespolizist suspendiert 

Deggendorf - Der Job eines Polizisten besteht darin, die Bevölkerung vor Unheil zu schützen. Der inzwischen suspendierte Bundespolizist Felix R. muss sich jetzt vor Gericht verantworten, weil er im Fall des „Raserunfalls von Kalteck“ das Gegenteil tat. 

“Raserunfall von Kalteck“: Angeklagte sprechen von Fahrtests

Zu Beginn des Gerichtsverfahrens, über das die PNP mehrmals berichtete, entschuldigten sich R. ebenso wie der Mitangeklagte Johannes S. bei der Witwe des Opfers

Beide betonten in ihren Stellungnahmen, es habe sich nicht um ein Straßenrennen gehandelt, sondern lediglich um Fahrtests.

14. Juli 2018 - Wie es zum „Raserunfall von Kalteck“ kam

Dem gegenüber stehen mehrere Zeugenaussagen, wonach Felix R. in seinem roten Audi TT und Johannes S. auf einem gelben Motorrad von Suzuki die kurvige Strecke Bergstrecke zwischen Leithen und Kalteck (Bayerischer Wald) mehrmals mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h entlang gerast sein sollen. 

Schließlich geschah das Unglück: Der 28-Jährige verlor die Kontrolle über sein Gefährt und prallte in den Gegenverkehr. Dabei crashte er laut gerichtlichen Gutachtens mit einer Geschwindigkeit von knapp 100 km/h in den Opel eines Familienvaters. Der Mann war sofort tot. 

Felix R.: „Ich dachte, ich habe den Wagen im Griff“

„Es tut mir unendlich leid“, sagte R. laut Bild-Zeitung (kostenpflichtig) vor Gericht. „Ich dachte, ich habe den Wagen im Griff. Ich hatte das Gefühl, dass das Auto auf der Straße klebt.“

Laut Mittelbayerischer Zeitung erklärten sowohl Felix R. als auch Johannes S., sie ließen sich seit den Geschehnissen psychatrisch behandeln. Der ehemalige Bundespolizist überweist außerdem anscheinend jeden Monat eine mittlere dreistellige Summe an die Familie des Opfers.

Der damals 10-jähriger Sohn des Opfers erlitt schlimme Verletzungen, überlebte jedoch. Er ist seitdem pflegebedürftig. „Ich bin sehr stolz, er kämpft sich jeden Tag ein Stück zurück“, so seine Mutter.

Polizei mit rührender Aktion für den Sohn des Opfers

Der Fall hatte für viel Aufsehen gesorgt, auch bei der Polizei in Straubing. Die Beamten starteten eine Spendenaktion für die Hinterbliebenen des Opfers und luden den gehandicapten Sohn zu seinem Geburtstag mit seiner Mutter und seiner Schwester außerdem zu einer Donau-Rundfahrt ein: 

Das Prozess-Urteil zum „Raserunfall von Kalteck“ fällt demnächst

Das Urteil wird frühestens am 21. November erwartet. Das Strafmaß für den Tatbestand der Körperverletzung mit Todesfolge bemisst sich zwischen drei und 15 Jahren

Im November gab es weitere Unfälle auf den bayerischen Straßen

Über zwei weitere schwere Unfälle, die sich im November nahe der bayerischen Ortschaften Marktbreit beziehungsweise Hohenpolding ereigneten, berichtete Merkur.de*. Im oberfränkischen Bayreuth kam es am Freitagabend zu einer brutalen Attacke. Ein Mann stach dabei seinen Kontrahenten mit einem Messer völlig unvermittelt in den Kopf. *

Drei Verletzte, immenser Sachschaden: Das ist die Bilanz eines illegalen Autorennens, der sich am Sonntag auf der A8 bei Sulzemoos ereignete.*

huc/nema

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