„Vertretbare Abwägung“

Gigantisches Aldi-Werbeplakat prangt an Kirche: Gläubige sind irritiert - dann folgt überraschende Antwort

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Aldi Süd wirbt mit einem riesigen Plakat an einer Kirche in Bonn (Symbolbild).

Überdimensional prangt eine Werbung von Aldi am Bonner Münster - und irritiert damit Gläubige. Nach Kritik gibt das zuständige Erzbistum eine überraschende Antwort. 

  • Ein Werbeplakat in Bonn ist Anlass für Diskussionen.
  • Die Aldi-Werbung ist an einer bekannten Kirche platziert. 
  • Auf Kritik an der Werbung äußerte sich das zuständige Erzbistum überraschend.

Bonn - In der U-Bahn, auf dem Smartphone, im Fernsehen: Werbung ist so allgegenwärtig, dass sie zumeist gar nicht mehr bewusst wahrgenommen wird. In Bonn erregt dennoch gerade eine Werbeanzeige große Aufmerksamkeit - doch weniger aufgrund ihres Inhalts, als wegen der besonderen Platzierung. 

Konkret geht es dabei um ein riesiges Plakat von Aldi, das am Gerüst des Bonner Münsters hängt, wie der General-Anzeiger Bonn berichtet. Zu sehen ist auf dem Werbebanner ein weihnachtliches Festmahl. „Bonn Appetit – Aldi Süd wünscht köstliche Weihnachten“, steht dazu neben dem Logo von Aldi Süd geschrieben. 

Gigantisches Aldi-Werbeplakat prangt an Kirche in Bonn 

Wie der General-Anzeiger Bonn weiter berichtet, gefällt nicht allen Einwohnern Bonns - insbesondere gläubigen Christen - diese spezielle Platzierung. Ein gigantisches Werbeplakat an einer Kirche? Zumindest ein Ehepaar reichte einen Beschwerdebrief beim zuständigen Erzbistum Köln ein, so die Zeitung

Die Antwort des Bistums überrascht. Es stellt sich hinter die Aldi-Werbeaktion. „Das von Ihnen beanstandete Plakat der Firma steht nicht im Widerspruch zur christlichen Botschaft oder trägt nicht zur Profanisierung der christlichen Botschaft bei“, veröffentlicht das Erzbistum auf seiner Webseite

Aldi-Werbeplakat prangt an Bonner Münster - Erzbistum Köln äußert sich überraschend

Wie in der Erklärung weiterzulesen ist, hat der Schritt, an dem Baugerüst des Münsters in Bonn Werbung anzubringen, jedoch einen zwingenden Grund. Für die Generalsanierung der Kirche sei man dringend auf Werbeeinnahmen angewiesen.

„Ich wäre dankbar, wenn ich auf Werbung verzichten könnte“, wird Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken vom Erzbistum Köln auf der Webseite zitiert. Die finanzielle Lage mache das aber unmöglich. „Wir brauchen die Werbeeinnahmen, um die Sanierung finanzieren und die Pastoral am Münster aufrechterhalten zu können. Solange die Werbemotive wie vereinbart mit unseren Richtlinien übereinstimmen, ist das eine vertretbare Abwägung“, so Picken weiter. 

Bonn: Aldi-Plakat nicht die erste Werbung an Kirche 

Das Aldi-Weihnachtsmenü ist im Übrigen nicht das erste Plakat, das am Münster hing. Zuvor warb ein Bonner Freizeitmarkt an der prominenten Fläche. Schon damals gingen die Meinungen über die überdimensionale Werbung an der Kirche auseinander, so der General-Anzeiger Bonn. Nachdem die Mietdauer des ersten Plakates abgelaufen war, gibt es nun mit Aldi einen Nachfolger, der ebenfalls für Diskussionsstoff sorgt. 

Debattiert werden dürfte dabei auch, ob die katholische Kirche derlei Werbeeinnahmen nötig hat. Münchens reichstes Bistum legte etwa ein Vermögen von sechs Milliarden Euro offen. Immer noch beschäftigen die katholische Kirche außerdem zahlreiche Missbrauchsskandale. Nicht nur die Frage, ob der Ex-Papst Benedikt Täter gedeckt hat, beschäftigt Gläubige.

Wegen „Wintersternen“ im Sortiment musste Aldi Kritik einstecken - doch der Discounter konterte: 

nema

Die Evangelische Landeskirche Württemberg sorgt derweil mit einem Jesus-Werbespot für Empörung - er soll für die anstehende Kirchenwahl motivieren. Wegen eines umstrittenen Werbevideos rückte jüngst auch Katjes in die Kritik: Der Werberat rügte den Hersteller wegen „sehr einseitiger Darstellung“.

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