Entweder sterbenskrank oder gesund genug, um zu gehen

Organspende-Skandal: Hessische Kerckhoff-Klinik wehrt sich gegen Vorwürfe

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Organspende-Skandal: Neue Verdachtsfälle in Bad Nauheim

Erst sterbenskrank, kurze Zeit später aus dem Krankenhaus entlassen. Nach diesem Schema soll die Kerckhoff-Klinik Patienten bei der Organspende bevorzugt haben.

Bad Nauheim - Es sind schwere Vorwürfe, die gegen die Kerckhoff-Klinik erhoben werden. Sie soll Patienten mit Medikamenten so geschwächt haben, dass sie auf der Prioritätenliste der Empfänger einer Organspende nach oben rutschten, anderfalls sollen die Patienten wieder entlassen worden sein. 

Das heißt also, für eine Organspende ging es Patienten sehr schlecht, nach Ablehnung eines Spenderorgans ging es ihnen aber gut genug, die Klinik wieder zu verlassen, so der Vorwurf einer Studie der Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK).

Bad Nauheim: Ein neuer Organspende-Skandal?

Demnach sind bei Zwölf von 28 Transplantationen Unregelmäßigkeiten gefunden worden. Angeblich sei durch die Dokumentation der Behandlung seitens der Kerckhoff-Klinik die Vorwürfe entstanden, denn die Dokumentation „ließ allerdings missverständliche Interpretationen zu, die jedoch nicht der Realität entsprechen.“ Die PÜK folgte der Argumentation der Klinik aber nicht.

Kerckhoff-Klink wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Klinik wehrt sich nun gegen die Vorwürfe und schreibt in einer Stellungnahme: „Die Dokumentation der Behandlungen ließ allerdings missverständliche Interpretationen zu, die jedoch nicht der Realität entsprechen. (...) Um solche Missverständnisse in Zukunft auszuschließen, haben wir sofort umfassend und transparent reagiert und die Dokumentationsprozesse verbessert.“ 

Bei zwölf Patienten aus den Jahren 2013 bis 2015 leite die PÜK aus der Dokumentation der Behandlungen die Vermutung ab, dass medizinisch nicht notwendige Medikationen vorgenommen worden seien. Alle Patienten seien stets auf höchstem medizinischem Niveau so behandelt worden, wie ihr Gesundheitszustand dies erfordere, schreibt die Kerckhoff-Klinik in einer Stellungnahme. In der Klinik werden vor allem Herz und Lungen transplantiert.

Kerckhoff-Klinik: Staasanwaltschaft ermittelt

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft, von Seiten des hesssischen Sozialministeriums heißt es auf Anfrage der Wetterauer Zeitung nur: „Der Vorgang wird derzeit von der Staatsanwaltschaft untersucht. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns zu laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen nicht äußern.“

red

Einen ausführlichen Artikel lesen Sie auf der Seite der Wetterauer Zeitung*. Bereits im März 2019 erschütterte Hessen ein Skandal in der Psychiatrie in Höchst. Eine RTL-Reportage deckt katastrophale Zustände im Klinikum Höchst auf* - nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Freiheitsberaubung. Der Bundestag stimmt über eine Reform der Organspende ab - dabei haben die Abgeordneten die Wahl zwischen der Widerspruchs- und der Entscheidungslösung.

*Die Wetterauer Zeitung und fnp.de sind Teil der Ippen-Digital-Zentralredaktion

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