Aerosmith sagen beim Konzert in Köln "Aero-Vederci, Baby!"

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[Update] Köln -„Aero-Vederci, Baby!“ haben sie ihren Fans in Köln gesagt: Mit einem Wortspiel im Tour-Titel beenden die US-Hardrocker von Aerosmith ihr Band-Dasein. Wurde auch Zeit, mag der eine oder andere – zu Unrecht - denken: Vor noch nicht einmal einem Jahr brach Gitarrist Joe Perry während des Konzerts eines Nebenprojekts auf der Bühne mit einem Herzstillstand zusammen und musste wiederbelebt werden.

Der 66-Jährige berappelte sich. Die Bühne ist schließlich sein Zuhause. „Es ist immer noch aufregend, mit den Jungs auf die Bühne zu gehen“, hat er später über die Konzerte mit Aerosmith gesagt. Wann genau der letzte Ton erklingt, lässt die Band offen: Die Tour könnte drei bis fünf Jahre dauern“, sagte Brad Whitford, der ebenfalls Gitarre in der Band spielt, in einem Interview. Das klingt gut.

Ein endgültiger Abschied von Köln wird es aber wohl gewesen sein. „Ihr seid die Nummer eins!“ steht in großen Lettern vor den Zugaben auf der Leinwand geschrieben. Da kommt schon etwas Wehmut auf. Umso mehr, wenn man miterlebt, was die Musiker um Frontmann Steven Tyler auch als Mitsechziger bis Fast-Siebziger noch zu leisten imstande sind. Klasse!

Stichwort „Tyler“: Der New Yorker Sänger ist eine Erscheinung. Im glänzenden Leo-Hemd, mit Indianerschmuck behangen und lackierten Fingernägeln steht er im Strahl der eifrig arbeitenden Windmaschine, als würde er auch sonst den ganzen Tag über nichts anderes tun. Auf seiner Wange prangt ein aufgemalter roter Kussmund. Seine zauselige, strähnige Mähne wiegt im Wind. Die Abkühlung ist gar nicht so schlecht.

Aerosmith-Konzert in Köln

Draußen herrschen am Abend noch immer 30 Grad. Die Lanxess-Arena ist zwar klimatisiert, außen vor bleibt die Hitze aber nicht, wenn die rund 13.500 Fans ihre Rock-Helden feiern und dem Enthusiasmus des mittlerweile 69-jährigen extrovertierten Frontmanns in nichts nachstehen wollen.

Dieser tanzt ausgelassen, dreht Pirouetten, wackelt demonstrativ mit seinem hageren Hintern. Der Sänger führt zudem eine innige Beziehung zu seinem Mikrofonständer, dem treuen Begleiter, egal wohin sich Tyler gerade aufmacht auf der Bühne. Er wird herumgewirbelt, in die Höhe gestoßen und den Fans entgegen gereckt.

Die Fans bekommen eine Menge alter Hits zu hören. „Cryin‘“ und „Livin‘ on the Edge“ vom Erfolgsalbum der 90er, „Get a Grip“, kommen im Doppelpack bereits in der ersten Viertelstunde, gefolgt von „Love in an Elevator“, bei dem Steven Tyler über den Boden rollt. Natürlich ist „Janie’s Got a Gun“ ebenfalls mit von der Partie, genauso wie die Ballade „I Don’t Want to Miss a Thing“ vom Armageddon-Soundtrack.

Dort und noch mehr bei der Zugabe „Dream On“ ruft Steven Tyler stimmliche Höchstleistungen ab. Davon kann sich der eine oder andere jüngere Künstler noch etwas abgucken. Heimlicher Höhepunkt des Abends ist das Beatles-Cover „Come Together“. Bei zwei Songs, beides Fleetwood-Mac-Cover, steht Joe Perry mit Sonnenbrille und Hut im Mittelpunkt. Sein außerordentliches Können an der Gitarre ist in Großaufnahmen auf der Leinwand zu sehen. Der Kameramann rutscht dafür und auch für viele andere Aufnahmen auf dem Boden herum und kämpft mit störrischen Kabeln.

Während des Auftritts wird er so zum gefühlten weiteren Bandmitglied und stört die Fans beim Konzerterlebnis. Das hätte anders gelöst werden können. Steven Tyler und seine Bandkollegen dagegen mögen das Posieren sehr. Der Sänger und Joe Perry stehen des Öfteren gemeinsam an der Spitze des ins Publikum hineinragenden Laufstegs und röhren Wange an Wange ins Mikro. So sieht eine echte Männerfreundschaft aus. Selbst Bassist Tom Hamilton, der sonst eher unauffällig seinen Dienst verrichtet und nur bei „Sweet Emotion“ an die Spitze des Stegs wandert, spielt mit der Kamera, wenn sie auf ihn gerichtet ist.

Als letzte Zugabe spielen Aerosmith unter großem Jubel „Walk This Way“. Ja, da gehen sie hin, die Rock-Legenden. Goldene Konfettischnipsel schießen in Massen in die Luft. Mit diesem Einsatz könnte die Band ruhig noch ein paar Jahre weitermachen.

Quelle: wa.de

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