Albert Mayr erhält den MO-Kunstpreis der Freunde des Museums Ostwall

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Arachno-Tom heißt diese Skulptur von Albert Mayr – eine Spinnen-Trommel.

Von Rolf Pfeiffer Dortmund - Die „Tropfenstudien“ sind fragile Gebilde, Gestelle aus Holz und Metall, denen sämtlich eigen ist, dass ein viel zu schwer wirkender Wasserbehälter auf ihnen steht. Aus der Medizin bekannte Infusionsregler steuern die Menge des durch dünne Schläuche abfließenden Wassers, die sich in Tropfen bemisst und hörbar wird, wenn es von einer Ebene zur nächsten hinuntertropft.

Haben wir es hier mit Kunst zu tun? Und wenn ja, mit welcher? Klaus Fehlemann, Vorstandsvorsitzender der „Freunde des Museums Ostwall“, sieht Arbeiten wie diese in der Tradition von Dada und Fluxus, doch spielen erkennbar auch Merkmale von Kybernetik und Arte Povera („arme Kunst“) ihre gewichtige Rolle.

Die Stationen, die das Wasser hinter sich bringt, sind nicht Schalen aus Marmor oder Bronze, sondern alltäglichste Dinge, Reste einer PET-Flasche, eine Scherbe, ein Stückchen Blech. An ihnen montierte kleine Mikrophone leiten die Tropfgeräusche zu Verstärkern ab und machen so aus den Tropfstudien akustische Skulpturen.

Albert Mayr heißt der 1975 im österreichischen St. Pölten geborene, in Wien lebende Künstler, der diese eigenwilligen Brünnlein geschaffen hat und dafür mit dem MO-Kunstpreis ausgezeichnet wird, welchen die Dortmunder „Freunde des Museums Ostwall“ zum dritten Mal verleihen (10 000 Euro). Die Tropfenstudien bleiben in Dortmund und ergänzen die Sammlung. Eine kleine Ausstellung im „Schaufenster“ des U-Turms zeigt einige weitere Arbeiten des Preisträgers, der sich gegen zehn Mitbewerber durchsetzte.

Ein durchgängiges Motiv Mayrs ist der Beat, der Puls, der Schlag, der anders als bei den Tropfenstudien häufig mit regulären Trommeln erzeugt wird. Jedenfalls sieht es so aus, als ob in einigen Videoarbeiten mit einer Gurke, einem Holzstock oder einer Möhre geschlagen wird. In Wirklichkeit sind es Videoarbeiten, in denen die Trommelfelle als Leinwände für Rückprojektionen dienen, doch die Geräusche sind halt da, kräftige, unregelmäßige, manchmal verzerrte Schläge von der Tonspur.

Stören sie nicht das filigrane Plätschern der Tropfskulpturen im selben Raum? Nein, findet Künstler Mayr, sie bilden einen akustischen Vorhang. Übrigens steuert ein Brünnlein aus zwei Lautsprecherboxen, die in Strahlen Wasser lassen („Stereo auf Mono“, 2007), mit seinem Rauschen zum Gesamtklang des Raumes bei.

Eine Arbeit, die eigentlich eine Performance ist, trägt einen (in der Fachwelt) berühmten Namen: „In-A-Gadda-Da-Vida“ war in den 70er Jahren der Titel eines langspielplattenlangen Musikstücks der Gruppe „Iron Butterfly“, das ein besonders langes, intensives Schlagzeugsolo prägte. Dem Wesen dieses Musikstücks spürt Mayr nach, indem er im Halbkreis aufgestellte Trommeln mit einem harten Wasserstrahl zum Tönen bringt. Die Aktion findet am heute nach der Preisverleihung statt, ab 19.15 Uhr auf dem Vorplatz des Dortmunder U.

Bis 12.3.2017

di, mi 11-18 Uhr, do, fr 11-20 Uhr, sa, so 11-18 Uhr, Tel. 0231 / 50 24 723, www. museumostwall.dortmund.de

Quelle: wa.de

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