Arbeiten von Joan Miró im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal

Menschengroß: Joan Mirós Bronze „Personnage“ (1978) ist in Wuppertal zu sehen. Foto: stiftel

Wuppertal – Sie hat ja Charakter, die „Personnage“, die auf den Steinplatten steht. Joan Miró stellt dem Betrachter eine lebensgroße Figur gegenüber. Irgendwie meint man ein verschmitztes Lächeln auszumachen. Dabei besteht diese Bronze eigentlich nur aus einem Mischmasch einfacher Formen. Auf einen groben Klotz montierte der Künstler eine runde, gelochte Scheibe, vor die eine Kissenform gesetzt wurde. Zwei Knubbel könnten Augen sein. Einritzungen deuten vielleicht einen Mund an. Zugleich ist zwischen Kissen und Platte ein kleiner Abstand, und es wirkt, als trage die Personnage eine Maske vorm Gesicht. Im Klotz sieht man tiefe Furchen, die für Arme stehen können.

Joan Mirós 1978 geschaffene Skulptur wirkt auf den Betrachter einfach, ja primitiv, weil sie so zusammengestückelt dasteht, unter Verzicht auf feine Details, eine Unform, als habe da jemand mit Fundstücken gebastelt (und genauso hat Miró es ja auch oft gemacht). Zugleich ist sie komplex, weil sie trotzdem sofort wie ein Gegenüber ausschaut, weil sie zu Deutung herausfordert. Schon der Kontrast zwischen dem eckigen Unterteil mit seiner Oberfläche wie ein Fels und dem glatten, geschmeidigen Aufsatz kitzelt die Sinne. Man meint, beim Betrachten etwas zu fühlen (Anfassen ist natürlich verboten).

Zu sehen ist die Arbeit im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal. Dort zeigt der Bildhauer Tony Cragg nicht nur seine eigenen monumentalen Arbeiten. Er arrangiert auch Wechselausstellungen. Mit einem Dutzend monumentaler Skulpturen aus dem Spätwerk des spanischen Surrealisten Miró (1893–1983) bringt er einen Klassiker nach Wuppertal. Möglich macht es die Zusammenarbeit mit dem Yorkshire Sculpture Park und der Successió Miró als Leihgebern.

Die Arbeiten sind großzügig präsentiert, die meisten stehen in der großen Ausstellungshalle. Dort kann man die „Personnage“, die „Köpfe“ („Tête“) und den „Oiseau“ (Vogel) umlaufen, von allen Seiten betrachten. Es sind erkennbar späte Arbeiten, die das Formenrepertoire des Künstlers verknappen, auf den Punkt bringen. Die Kerben im Unterteil der eingangs beschriebenen „Personnage“ zum Beispiel finden durchaus ihre Entsprechung in Gemälden, wo Miró wenige, unterschiedlich starke Linien setzte wie Buchstaben einer fremden Schrift. Den Zauber freilich, mit dem der Künstler seinen so einfachen Kreationen diese Eleganz verlieh, den macht ihm so leicht keiner nach.

Der gipsene Vogel zum Beispiel (1981) überragt jeden Betrachter, ein wuchtiges Ding auf drei dicken Stämmen, auf denen ein mondförmiges Kopfgebilde sitzt mit spitzen Auswüchsen – eins davon gewiss der Schnabel. Das ist schon ein gewichtiges Gegenüber, wie es auf seiner dünnen Holzplatte lastet, deren Ecken leicht abheben. Aber trotzdem strebt auch dieses vermeintlich so plumpe Geschöpf spürbar nach oben. Vielleicht ist das seine Tragödie, dass seine Flügelstummelchen es nie in die Luft tragen werden?

Es sind Kontraste, wunderbare Variationen, die dieser Ausstellung ihren Reiz verleihen. Der eine „Kopf“ („Tête“, 1974) liegt auf dem Boden wie ein Fels, aus dem ein glatter Grat ragt wie eine Nase oder ein Schnabel. Verschiedene Einschnitte lassen sich als Augen deuten. Aber es sind mehr als zwei. Ein weiterer Kopf (1974) steht auf einem Sockel, kugelig und glatt mit tiefen Kerben, die sich als Gesichtszüge deuten lassen. Vielleicht zeigt Miró hier die Variation eines klassischen Motivs, einen traurigen Clown oder Narren. Im Schaufenster des alten Wohnhauses des Skulpturenparks liegt ein weiterer Kopf (1973), diesmal aus Gips, ein Brocken, breit, hingeklatscht, mit einem breiten Spöttermund. Dann wieder ein längliches, schlankes Gebilde wie ein Idol, das man in irgendeinem Dschungel fand, glatt und glänzend und augenlos, „Tête de femme“ (1970) nannte Miró diese Bronze und in Klammern: „Déesse“ (Göttin).

Hier ließ der Künstler seinem Spieltrieb freien Lauf. Eine mannshohe „Personnage“ (1982) sieht aus, als habe man ihren Körper aus einem dünn ausgerollten Teig geformt wie ein Gebäckstück, mit einem glatten und relativ schlanken und einem klumpigen, rauen Bein. Und dann ist da noch die relativ kleine und filigrane „Personnage“ (1978), der Miró einen aus Draht zurechtgebogenen Vogel als Begleiter gab, der nun wie eine Antenne oder ein Heiligenschein oder auch ein Sonnenschirm über dem eckigen Körper schwebt.

Dass man anschließend noch im weitläufigen Park flanieren kann, vorbei an weiteren Werken von Tony Cragg und Henry Moore, Per Kirkeby, Jaume Plensa, macht den Kunstgenuss perfekt.

Bis 24.11., di – so 11 – 18, ab 1.11. fr – so 11 – 17 Uhr, Tel. 0202 / 478 98 120, www. skulpturenpark-waldfrieden. de; Katalogheft 3 Euro

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare