Billy Talent spielt in Düsseldorf

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Hingebungsvoll und intensiv: Benjamin Kowalewicz von der Band Billy Talent singt in Düsseldorf.

DÜSSELDORF Billy Talent kämpft weiter: Ob die Kanadier nun den Rock gegen die elektronische Musik verteidigen, sich gegen Donald Trump stellen oder das außerirdisch wirkende Mischwesen vertreiben, das auf der Bühne in der ausverkauften Mitsubishi Electric Halle in einem Raumschiff über der Band schwebt. Auch über 20 Jahre nach der Gründung der Band ist die Rebellion noch nicht beendet. Und bei ihrem Auftritt der „Afraid-of-Heights“-Tour in Düsseldorf haben sie knapp 6000 begeisterte Mitstreiter gewonnen.

Schon mit den ersten Akkorden von „Devil in a Midnight Mass“ gibt Gitarrist Ian D’Sa das Tempo vor. Benjamin Kowalewicz stößt einen langgezogenen Schrei aus und die Menge tobt. Der Sänger ist dabei einer der größten Fans, spielt schon beim zweiten Song „The Suffering“ die Gitarrenparts in der Luft mit, wirft sich kurz darauf, wieder ganz Frontmann, in Pose, den Arm weit nach oben gestreckt. Die Kanadier spielen sich zunächst ohne längere Pausen durch ihr Set. An Nummer drei steht „Big Red Gun“ das erste Lied des neuen Albums, mit dem die Band zum dritten Mal an die Spitze der deutschen Charts kletterte. Das Quartett streut die fünf weiteren Songs von „Afraid of Heights“ über die gesamte 95-minütige Show ein.

Sechs Lieder dauert es, bis Kowalewicz erstmals mehr zum Publikum sagt als Danke oder den nächsten Songnamen. Die Wahl von Donald Trump kommentiert der Kanadier kopfschüttelnd, das könne nicht sein. Doch er gibt sich kämpferisch: „Für uns sind alle gleich“, ruft er den Zuschauer zu und beinahe trotzig geht es mit „(We´re gonna) Leave them all behind“ weiter.

Es folgt der emotionalste Teil des Abends: Kowalewicz erinnert an den ein Jahr zurück liegenden Tod des Stone Temple Pilots Sänger Scott Richard Weiland, und sendet dann Grüße an den eigentlichen Drummer der Band Aaron Solowoniuk. Der Schlagzeuger ist an Multipler Sklerose erkrankt und hat schon das aktuelle Album nicht mit eingespielt. Das tat in Vertretung Jordan Hastings (Alexisonfire), der auch auf der Tour den Takt vorgibt. Ein Dollar jeder Eintrittskarte wird für den Kampf gegen die Nervenkrankheit gespendet. Das nun folgende Liebeslied „Surrender“ bekommt so eine neue Bedeutung, wirkt aber eben nicht wie die Forderung aufzugeben, sondern weiterzumachen.

Am Sound von Billy Talent – irgendwo zwischen Punkrock und Alternative – hat sich durch den Wechsel nichts geändert. Der klingt schon durch Kowalewicz´ einschneidende Stimme unverwechselbar. Dazu die Gitarre von D´Sa, die meist rockig klar, aber auch mal verzerrt brummend einen Teppich über die Songs webt. D´Sa wird beim Stück „Afraid of Heights“ gemeinsam mit Bassist Jonathan Gallant auf das an alte Computerspiele erinnernde Raumschiff gebeamt. Mit ihrer Musik vertreiben sie dieses Fabelwesen vom Album-Cover mit seinem Stierskelett-Rennfahrer-Kopf sowie ebenso komisch anmutenden Rumpf. Jetzt prangt dort der Schriftzug der Band.

Dazu passend betonen Billy Talent, dass sie noch immer „Louder than the DJ“ abgehen, beschwören den „Devil on my Shoulder“ und schwenken natürlich ihre Revoluzzer-Hymne „Red Flag“, bevor sie unter dem frenetischen Applaus der Fans kurz verschwinden. Für die Zugabe hat sich das Quartett den größten Hit „Fallen Leaves“ und die erste EP „Try honesty“ aufgehoben, ehe der „Viking Death March“ noch einmal klarstellt, dass Billy Talent bereit ist, zu kämpfen, „until salvation is found!“ – bis Erlösung gefunden ist.

Quelle: wa.de

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