Black Sabbath verabschieden sich in Köln

+
Sänger Ozzy Osbourne von den Black Sabbath.

KÖLN Um 21.03 Uhr rauscht zum letzten Mal der Vorhang auf die Bühne hinunter und gibt den Blick frei auf eine legendäre Band. Rund 15 000 Zuhörer in der Kölner Lanxess-Arena wollen sie noch einmal live sehen: Ozzy Osbourne, Tony Iommi und Geezer Butler, zusammen die Altherrenriege des Heavy Metal, geben ihre Abschiedsvorstellung in Deutschland. Bald werden bei Black Sabbath die Stecker gezogen.

Zum Einstieg gibt’s „Black Sabbath“. Ein Statement: Das hier oben sind wir. Und noch ist es nicht vorbei. Noch einmal rund 100 Minuten und 14 Songs serviert die britische Band ihren deutschen Fans. Und prototypischer für den Sound, den sie Ende der 60er Jahre geschaffen hat, könnte der Start an diesem Abend nicht sein. Stoisch, fast schon träge entfaltet sich die Nummer mit ihren wuchtigen Riffs.

Ozzy Osbourne, komplett in Schwarz gekleidet, lacht teuflisch, reißt die dunkel geschminkten Augen auf. Das Publikum jubelt. Auch der 68-jährige Sänger, dem ja bekanntlich ohnehin der Schalk im Nacken sitzt, ist bestens aufgelegt. Seine klare, alles durchdringende Stimme trifft zwar nicht jeden Ton, aber bei Ozzy sehen die Fans über gesangliche Mängel hinweg. Der „Prince of Darkness“ darf das. „Immerhin gibt er sich Mühe“, sagt ein Fan auf der Tribüne und nickt anerkennend.

Und seien wir mal ehrlich: Beim letzten Sabbath-Konzert geht es bei weitem nicht darum, gesangstechnisch zu glänzen, sondern vielmehr um die Extraportion Nostalgie. Aufnahmen von Live-Konzerten aus vergangenen Tagen flimmern über die Leinwand. „After Forever“ und „Fairies Wear Boots“ erinnern an die Anfangszeit. Osbourne heizt die Menge an, fordert zum rhythmischen Klatschen auf. „Ich kann Euch verdammt noch mal nicht hören“, ruft er mit breitem Grinsen.

Tony Iommi und Geezer Butler überlassen dem Sänger die Show. Die beiden spielen ihre Instrumente in Perfektion, ohne großen Bewegungsradius auf der Bühne. Das reicht. Und mehr noch: Als Geezer Butler das Intro zum Riffmonster „N.I.B.“ förmlich in die vier Saiten seiner Bassgitarre hämmert, wird es richtig laut in der Halle. Auf der großen Leinwand sehen alle in Großaufnahme, wie flink die Finger des 67-jährigen in unglaublicher Leichtigkeit über das Instrument sausen und gleichsam einen markdurchdringenden Sound erzeugen.

Oder aber Tony Iommi: Der Gitarrenvirtuose gilt als einer der besten Instrumentalisten aller Zeiten und hat im Set mehrfach Gelegenheit, zu zeigen, wie er seinen Legendenstatus erlangt hat. Sein Wahnsinnssolo bei „Iron Man“ sorgt auch nach 45 Jahren für staunende Gesichter. Schon fast ehrfürchtig und gebannt verfolgen die Fans die Fertigkeiten des 68-Jährigen und vergessen darüber fast, zu skandieren. Am Schlagzeug sitzt Tommy Clufetos. Der 37-jährige US-Amerikaner hat schon für Alice Cooper und Rob Zombie getrommelt und ersetzt Original-Drummer Bill Ward. Sein Können beweist er bei einem ausladenden Schlagzeug-Solo.

Klar, dass „War Pigs“ auch gespielt wird. Beim Anti-Kriegs-Song explodieren Bomben auf der Leinwand, und die Headbanger im Publikum lassen ihrem Treiben freien Lauf. Ozzy Osbourne gefällt, was er da sieht und wie die Band auch zum Karriereende hin die Metalmassen begeistert. „Das ist der Deal: Wir machen jetzt noch einen Song, und wenn ihr völlig durchdreht, gibt’s mehr“, verspricht Osbourne vor „Children of the Grave“. Das Publikum lässt sich das nicht zweimal sagen. Klar, dass zum Abschluss noch „Paranoid“ aus den Boxen dröhnt.

Es ist Punkt 22.48 Uhr, als die letzten Töne verklingen. Auf der Leinwand prangt in dicken Lettern „The End“. Ansonsten macht die Band keine große Nummer um ihren Abschied. So aufgeräumt die Bühne ist, so abgeklärt kommt auch die Band daher. Ozzy winkt lachend in die Menge. Tony Iommi lässt Plektren ins Publikum regnen. Dann versammeln sich die Musiker, nehmen sich in die Arme und verbeugen sich ein letztes Mal. Es war ein würdiger Abgang.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare