Bundeskunsthalle zeigt archäologische Schätze aus dem Iran

Meisterwerk der Goldschmiedekunst: Der Becher mit Repousséverzierung aus Marlik (spätes 2. –frühes 1. Jt. v. Chr.) ist in der Bonner Iran-Ausstellung zu sehen. - Fotos: Bundeskunsthalle

BONN - Ein wenig zerbeult ist der Becher. Dem Funkeln des Goldes tut das keinen Abbruch, und noch immer staunt der Betrachter über die fein modellierten geflügelten Stiere, die als Relief das Gefäß zieren. Die mit Punkten angedeutete Musterung des Fells, das detailliert ausgearbeitete Gefieder, die Eleganz der sich aufbäumenden Tiere zeugen von der großen Kunst der Goldschmiede, die den Becher im späten 2. oder frühen 1. Jahrtausend vor Christus fertigten.

Zu sehen ist das kostbare Objekt in der Bundeskunsthalle in Bonn. In der Ausstellung „Iran. Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste“ dokumentieren rund 400 Stücke die Entstehung einiger der frühesten Hochkulturen der Menschheit. 8000 Jahre werden umspannt von der Jungsteinzeit bis ins erste vorchristliche Jahrtausend, als das Reich der Achämeniden entstand, das erste persische Großreich. Gold gibt es reichlich zu sehen, in Form fein gegossener Gefäße mit figurativen Verzierungen, aber auch als Schmuck zum Beispiel in den Funden aus einer Grabstätte, die 2007 bei Dschubadschi entdeckt wurde. Hier wurden vor rund 2500 Jahren zwei Frauen aus einer neu-elamischen Königsfamilie bestattet. Und die Armreife, Schmuckscheiben, Ringe, Gebrauchsobjekte, die man den toten Prinzessinnen mitgegeben hat, entzücken noch heute mit ihrem detailverliebten Design.

Natürlich ist eine Schau wie diese auch ein Politikum. Vor wenigen Monaten erst scheiterte der erste Anlauf, die Sammlung moderner Kunst, die einst die Frau des Schahs gegründet hatte, aus Teheran nach Berlin zu bringen. Es gab keine Ausfuhrgenehmigung. Die Kooperation der Bundeskunsthalle mit dem Nationalmuseum in Teheran hingegen klappte reibungslos. Kostbare Nationalschätze wurden entliehen, zum Teil Objekte, die noch nie im Ausland zu sehen waren wie die Funde aus dem Prinzessinnengrab. Indem die islamische Republik Iran sich als Hüterin von Weltkulturerbe präsentiert, versucht sie, ein positives Bild von sich zu vermitteln. Diplomatie mit archäologischen Schätzen: Im Grußwort zur Ausstellung im Katalog unterstreicht die Vizepräsidentin Zahra Ahmadipour die lange Freundschaft zwischen Deutschland und Iran und wirbt darum, dass deutsche und internationale Besucher eine Reise zur Wiege der reichen Kultur unternehmen. Das ist nicht neu: Schon 2001 zeigte die Bundeskunsthalle archäologische Schätze aus dem Iran, und schon damals ging es auch um Sympathiewerbung für das Regime. Und das immerhin ist anzuerkennen: Die Machthaber im Iran pflegen, anders als seinerzeit die Taliban oder heute die Terroristen des „Islamischen Staats“, das kulturelle Erbe.

In der Schau taucht man ein in eine Schlüsselphase der Menschheitsentwicklung. Im Hochland zwischen Kaspischem Meer und Persischem Golf wurden die Menschen sesshaft, gründeten Städte, entwickelten Zivilisationen, obwohl Wüsten und unwirtliche Gebirge die Region prägten. Aber es gab bedeutende Bodenschätze. Und hier kreuzten sich wichtige Fernwege, Vorläufer zum Beispiel der späteren Seidenstraße.

Man taucht in der Schau ein in ferne Welten. In Tonplastiken hielten die Steinzeitmenschen im 6. Jahrtausend v. Chr. ihre Umwelt fest, ein Wildschein zum Beispiel, einen Hund, ein Hausmodell. Eine wenige Zentimeter hohe Figurine zeigt eine Frau, armlos, sitzend, mit schweren Brüsten. Wozu diese „Venus“ diente, ist unbekannt, vielleicht wurde sie bei Initiationsritualen verwendet.

Die Schau vermittelt eindrücklich die Fortschritte der Zivilisation. So sind Rollsiegel zu sehen, unscheinbare Tonstäbe, deren Motive daneben in Abrollungen gezeigt werden, Tiere und menschenähnliche Figuren, ein Sitzender zum Beispiel mit Flügeln, oder eine hockende Frau vor Blumen. Aus Iran stammen einige der frühesten Schriftzeugnisse der Menschheit, schon um 3000 v. Chr. entwickelte sich die protoelamische Schrift, ausgestellt sind einige Keilschrifttafeln, zum Beispiel ein Grenzstein. Staunenswert ist auch die Zikkurat von Tschogha Zanbil aus dem 2. Jt. v. Chr., heute nur eine Ruine, aber die Archäologen ermittelten, dass der Tempelturm 56 Meter hoch war und das die untere Terrasse 105 Meter Seitenlänge hatte. Zierziegel und Fragmente des Bauschmucks sind in der Schau, neben einer Computeranimation.

Spektakuläre Objekte sind zu sehen, zum Beispiel Steinschnitzereien aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., Becher und Schalen aus weichem Chlorit-Gestein, verziert mit üppigem Dekor aus Tier- und Pflanzenformen, zum Teil mit farbigen Einlegesteinen. Ähnliches Geschirr wurde auch in Kupfer gegossen, zum Beispiel eine Schale, in der sich eine Schlange windet. Man hatte Freizeit, wovon steinerne Spielbretter in Form eines Greifvogels und eines Skorpionmanns zeugen. Bitumen wurde als Werkstoff genutzt, zum Beispiel für einen Krug mit einem Ziegenbock als Handgriff. Und natürlich Gold, ein goldener Dolch, ein Schwertgriff, ein Greif, ein Löwe.

Unbedingt sehenswert ist auch der Persische Garten vor der Halle, eine Rekonstruktion, die die Bewässerungs- und Anbaukunst der alten Zivilisationen sichtbar macht, ein orientalisches Paradies mit Zitronen-, Orangen-, Granatapfelbäumen, mit Zypressen, Jasmin, Rosen.

Bis 20.8., di, mi 10 – 21, do – so 10 – 19 Uhr,

Tel. 0228 / 9171–200

www.bundeskunsthalle.de,

Katalog, Hirmer Verlag, München, 35 Euro

Quelle: wa.de

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