Cecilia Bartoli brilliert in Rossinis Oper „La Cenerentola“ in Dortmund

+
Das Lächeln der Starsolistin: Cecilia Bartoli in der Titelrolle von Rossinis Oper „La Cenerentola“ in Dortmund.

DORTMUND - Es ist der Anblick eines Stars bei der Arbeit, der am lebhaftesten die Frage aufruft: Was genau ist ein Star? Versuchen wir diese Antwort: Ein Star ist eine Bühnenperson, die ihre Rolle so auszufüllen versteht, dass jede noch so vertraute Theatergeste so und nicht anders logisch und richtig erscheint. Cecilia Bartoli in ihrer Paraderolle als Cenerentola war im Konzerthaus Dortmund in einer halbszenischen Produktion der Rossini-Oper zu erleben, in einem Starvehikel im besten Sinn.

Bartoli ist inzwischen 50 Jahre alt. Sie singt die Angelina seit den 90er Jahren, das sind mehr als 20 Jahre als Personifizierung der frechen Märchenheldin. Ihre Stimme ist schwerer, die Tiefe ist mächtiger, ihre Koloraturen sind nicht mehr das Wunderwerk einer jungen Frau, sondern Summe von Erfahrung und Kontrolle. Sie bewohnt die Rolle, kennt jeden Ton inwendig, von dem beherrschten Feuerwerk der Koloraturen bis ins tiefste Register. Jedes mit den Fingern ausbuchstabierte „Mamma Mia“ sitzt, jedes Hinstürzen, verliebte Lächeln. Das Lied vom König singt sie als Kampfansage an die bösen Schwestern, als Sehnsuchtstraum eines ungeliebten Mädchens, im letzten Akt als Nachtraum von ihren Prinzen. Als Cenerentola mit der Bravournummer „Nacqui all’affanno – Non piu mesta“ das letzte Wort hat, malen die Koloraturen – alle die Schwierigkeiten lockerflaumig wie Sahnebaiser – die Geschichte einer glücklichen Frau. Auch wenn Bartoli als „triumphierende Güte“ ein mädchenhaftes Schleifenbrautkleid trägt und ihren bösen Anverwandten das Maul mit Kuchen stopft.

Zuckersüß endet Gioachino Rossinis Märchen, das natürlich mehr ist als eine hübsche Geschichte. Hier ist alles verquer. Rollen sind vertauscht, Erwartungen werden enttäuscht. Prinz wird Diener, Knecht wird Herr. Don Magnifico ist ein brutales Ekel, der seine Stieftochter, das Aschenputtel, verleugnet und misshandelt. Carlos Chausson maskiert das mit falsettierender Komik. Seine Duette mit Alessandro Corbellis tölpelhaftem Dandini sind in all dem Tempo Atempausen, denn hier feiern zwei Schlagabtäusche, die einem ohnehin nicht sehr leid tun. Sen Guo und Irène Friedli – als Pfau und Meerjungfrau ausstaffiert – schnattern durcheinander als böse Schwestern. Udo Guagliardo ist ein sonorer, von seiner eigenen Feierlichkeit leicht besoffener Alidoro, der mit Flügelchen und Pan-Tau-Melone in Angelinas Leben Wunder wirkt. Der 33-jährige Eduardo Rocha singt an Bartolis Seite einen Prinzen wie aus dem Buche: höhensicher, lyrisch-sensibel, eigentlich ein Softie.

Unter Gianluca Capuana musiziert das von Bartoli selbst im vergangenen Jahr in Monaco gegründete Originalklangensemble Les Musiciens du Prince und der Männerchor der Opéra de Monte Carlo. Es ist eine straffe, funkelnde Aufführung, die vor allem die Comedy-Effekte der Partitur ausstellt, die sich überstürzenden Scalen und lustvollen Paukenschläge, mit denen das Orchester die Typenparade kommentiert.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare