China Moses beim Festival Klangvokal in Dortmund

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China Moses im Dortmunder domicil.

DORTMUND - China Moses singt nicht einfach ihre Lieder. Sie macht eine große Geschichte daraus, manchmal sogar eine Beichte. Da fragt sie das bereits gut angewärmte Publikum im Dortmunder Jazzclub domicil zum Beispiel, wer verheiratet, geschieden oder single sei. Und den Singles rät sie: „Stay single. Enjoy life.“ Und singt „Whatever“, einen Song über einen Beziehungsstreit.

Die Sängerin stellte im Rahmen des Festivals Klangvokal ihr aktuelles Album „Nightintales“ vor. Aber kein Song klang hier so wie auf der hervorragenden Platte. China Moses, 39, Tochter der Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater, füllt mit wundervollen Moderationen den Abend. Man lernt die Frau im Zebra-Kleid mit den wuchtigen grünen Boots kennen, erfährt, dass sie gern einen Drink nimmt, „Desperate Housewives“ im Fernsehen gern sieht, nach vier Jahren Ehe geschieden wurde und von der aktuellen Politik in ihrer Heimat, den USA, nicht viel hält. Sie spielt in einem Song die Betrunkene, sie tanzt lasziv. Vor allem aber begeistert ihre hinreißende Stimme, die lockend gurren, unschuldig schwirren, mächtig aufdrehen kann, die vom inbrünstigen Gospel bis zum exaltierten Opernsopran über unendlich viele Register verfügt.

Sie flirtet nicht bloß mit dem Publikum, sie wickelt es um den Finger, sie verführt es nach allen Regeln der Showkunst. Ihren Song „Watch Out“ unterbricht sie für ein Spiel: Follow Luigi. Dabei gibt der italienische Saxophonist Luigi Grasso eine Phrase vor, und das Publikum singt das im Chor nach. In London habe das Publikum Level 18 erreicht, sagt Moses. Dortmund schafft immerhin 15. Das bereitet die Zuhörer nur darauf vor, den Chor in der fetzigen Soulnummer „Running“ abzugeben. Schön ekstatisch schmettern alle sechsmal „Runing“, dann übernehmen wieder die Sängerin und ihr formidables Quartett, neben Grasso noch Pianist Ashley Henry, Bassist Neil Charles und Schlagzeuger Marijus Aleksa. Sie alle bekommen reichlich Raum für virtuose Soli.

Und doch gibt es keinen Zweifel, wer an einem unvergesslichen Abend mit Jazz, Soul, Blues das Sagen hat. Die umjubelte Chefin mit der großen Stimme. - sti

Quelle: wa.de

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