Clueso und Giant Rooks werden beim Haldern Pop gefeiert

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Clueso in Haldern

Haldern - Eine große Show von Clueso im Dauerregen, umjubelte Newcomer aus Hamm und ergreifende Momente  - der erste Tag beim 34. Haldern Pop Festival war vielversprechend

Irgendwie waren sie Leidensgenossen. Clueso mit einem verknacksten Rücken stark in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und die ersten Songs sitzend auf einem Barhocker vortragend und sein Publikum, dass vor der Bühne stoisch bei kühlen Temperaturen den Dauerregen erträgt. 

Der Auftakt zum 34. Haldern Pop Festival war sowohl musikalisch großartig und vielversprechend und zum anderen eine Willensprobe für die Besucher. An den ersten von drei Tagen hatten die Festivalmacher in dem kleinen Dorf am Niederrhein wieder ein exquisites Line up zusammengestellt. Den musikalischen Abschluss bildete ab Mitternacht auf der Hauptbühne der Erfurter Songwriter Thomas Hübner.

Sein „Neuanfang“, wie sein neues Nummer eins-Album heißt und mit dem er einen radikalen Schnitt vollzog – Clueso trennte sich nach dem Vorgänger „Standrandlichter“ (2015) von seiner bisherigen Band – dokumentiert sich aber eher in der Präsentationsform statt in geänderter musikalischer Ausrichtung. Und es ist ein Vorgriff auf die Herbsttour durch die großen Hallen für den weitgehend autark arbeitenden Sänger. Nach dem ruhigen Auftakt mit dem bislang unveröffentlichten Song „Viva Con Aqua“ entwickelt sich der 90-minütige Auftritt zu einem Bigband-Sound mit Bläsersätzen und musikalisch bunt gemischten Stilen von Reggae („Love The People“), kunstvollen Freestile-Rap und melodiöse Popsongs – und das vor einer bunten Videoshow.

Haldern Pop Festival 2017

Clueso versucht dabei, das Publikum zu animieren: „Es macht total Spaß und es ist toll, was da von Euch an Energie rüberkommt“. Die Hitdichte ist groß bei ihm: „Chicago“, „Achterbahn“, „Gewinner“, „Ich bin dabei, Du bist dabei...“ und die Single „Wenn Du Liebst“ im Duett mit der Australierin Kat Frankie sind Ohrwürmer. Und dennoch bedient sich der immer noch jugendlich verschmitzt wirkende Clueso auch bei anderen Künstlern wie seinem Freund Udo Lindenberg. Wegen des fehlenden Instrumentes auf der Bühne wird aus „Cello“ eine „Trompete in Haldern“. 

Giant Rooks im Spiegelzelt.

Und auch vor Bruce Springsteen verbeugt sich der mittlerweile vorsichtig auf der Bühne bewegende Clueso mit der Eindeutschung dessen Ballade „I’m On Fire“ und fordert das Publikum immer wieder auf, den Refrain „Es brennt wie Feuer“ mitzusingen. 

Genauso wie es Clueso ein Bedürfnis war, auf der Bühne bei diesem immer noch besonderen und geschmackssicheren Independent-Festival zu spielen, so freuten sich Giant Rooks auf ihren Auftritt. Und das Hammer Quintett überzeugt im Spiegelzelt mit einem energiegeladenen, sympathischen und umjubelten Show. „Jetzt stehen wir auf der Bühne, wo wir acht Jahre lang unsere Idole gesehen haben“, sagt immer noch ein wenig ungläubig Sänger Frederik Rabe, nachdem er zuvor wild auf die Percussion eingeschlagen hat. 

Die für ihr jugendliches Alter erstaunlich reife Band liefert eine mitreißende Show in der schicken Location zwischen kraftvollen Folksongs („Smaland“, „Bright Lies“), Tanznummern und melodiösen Indie-Pop wie „Chapels“, bei dem die schon große Fangemeinde der derzeit dauertourenden Newcomer mitsingt und mit klatschend für Stimmung sorgt. Das gelang zuvor an gleicher Stelle auch der mittlerweile in Berlin beheimateten australischen Surfrock-Band Parcels, die bei ihrem 70er Jahre breitwandigen Elektropop optisch auf den Spuren von George Harrison in seiner Spätphase nacheifern. Das Haldern Pop ist aber auch für die ganz ergreifende Momente bekannt. Die Irin Lisa Hannigan, die bereits mit Damien Rice zusammen arbeitete, tritt mit ihrer gleichfalls weichen und kraftvollen Stimme als als zarte Songwriterin auf, um wenig später kräftig in die Gitarrensaiten zu greifen. Ihr glockenhelles Duett mit dem Berliner Chor Cantus Domus, ein Dauergast in Haldern und für seine Kollaborationen und künstlerische Befruchtungen bekannt, trieb so machen Zuhörer Tränen der Rührung in die Augen.

Quelle: wa.de

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