Das Diözesanmuseum Paderborn feiert die „Wunder Roms“

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Die Hand der Konstantinstatue und der Globus des vatikanischen Obelisken im Diözesanmuseum sind in der Paderborner Ausstellung „Wunder Roms“ zu sehen.

Paderborn - Vor dieser Hand fühlt sich der Besucher klein: Fast 1,70 Meter hoch ragt die Rechte empor, die einst zur 15 Meter hohen Sitzstatue des römischen Kaisers Konstantin gehörte. Vermutlich hatte er mit ihr seinen Triumph an der Milvischen Brücke (312) feiern wollen. Der Marmorkoloss zerfiel – 1486 wurden Bruchstücke wieder ausgegraben. Nun steht die Hand im Eingangsbereich des Diözesanmuseums Paderborn. Die spektakuläre Leihgabe aus den Capitolinischen Museen steht am Anfang der Ausstellung „Wunder Roms im Blick des Nordens“.

Die Schau verfolgt mit rund 200 Exponaten die Faszination der Weltmetropole über zwei Jahrtausende hinweg. Der Auftakt ist wahrhaft grandios. Neben der Hand des Konstantin ist der etwas kleinere Kopf eines seiner Söhne ausgestellt. Und auch der Globus, der einst den von Cäsar aus Alexandria nach Rom gebrachten Obelisken krönte, ist im Original nun in Paderborn. Hier wird historische Größe tatsächlich sichtbar, selbst in den Bruchstücken, die die zerstörerische Zeit von der ursprünglichen Pracht übrig ließ. Die Proportionen der antiken Baukunst macht das wunderbare Flachrelief vom Grab der Haterier (um 100-120) deutlich, das auf mehr als anderthalb Metern eine Fassadenfront mit Säulen und Monumentalskulpturen abbildet. Es ist eine Leihgabe der Vatikanischen Museen.

Großausstellungen sind eine Spezialität des Diözesanmuseums, fordern allerdings alle Ressourcen des Hauses. Museumsdirektor Christoph Stiegemann hatte ursprünglich nach der Caritas-Ausstellung, die 2015 immerhin 55 000 Besucher lockte, kleiner geplant, mit einer Präsentation stimmungsvoller Rom-Fotos des Villa-Massimo-Stipendiaten Christoph Brech. Aber dann gewann das Thema Eigendynamik. Nun sind Brechs Bilder der Schlusspunkt einer Präsentation mit einem Millionenbudget. Die Nachfrage ist bereits enorm, schon jetzt sind mehr Führungen gebucht als vor der Caritas-Schau.

Die Antike freilich ist nur indirekt Thema der „Wunder Roms“. Vor allem konzentriert sich die Ausstellung auf die Ewige Stadt, das Zentrum des Christentums. Die Päpste übernahmen die antiken Meisterwerke und deren Ruinen, um ihre neue Größe zu inszenieren und sich gleichsam in die Nachfolge der Cäsaren zu stellen. Reliquien wurden nach Rom geholt und aufwändig präsentiert. In der Schau sieht man Beispiele früher Goldschmiedekunst wie das Reliquiar für das Haupt des Heiligen Sebastian (6.-7. Jh.) und eine Pyxis (nach 630), in der ein Stück des Heiligen Kreuzes aufbewahrt wurde. Und Schmucksteine wurden durch Umarbeitung umgedeutet: In den Schrein der Heiligen Crispinus und Crispianus (13. Jh.) aus Osnabrück wurde ein blauer Glaskameo eingesetzt. Ursprünglich zeigte das Stück einen Satyr, man schliff die Hörner der mythischen Figur ab und nahm den Kopf nun als Bildnis des lockigen Heiligen.

In elf Abschnitten wird der Besucher durch die Geschichte der Stadt geführt, mehr noch aber geht es um die Ausstrahlung auf Nordeuropa. Karl der Große zum Beispiel wollte seine Pfalz Aachen zum zweiten Rom ausbauen. Die antike und nun christliche Metropole wurde zur Blaupause für repräsentatives Bauen. Darum ist in Paderborn der Pinienzapfen aus der Vorhalle des Aachener Doms ausgestellt. Der Bronzeschmuck eines Brunnens kopiert entstand als Kopie eines ähnlichen Brunnens, der einst in St. Peter in Rom stand.

Die Ewige Stadt wurde schon früh zum Reiseziel, anfangs für Gläubige, die an den Stätten der frühen Märtyrer und bei den herangeschafften Reliquien auf Inspiration und Fürsprache hofften. Die Schau spiegelt das mit vielen Reiseberichten. Schon der Bischof von Tours, Hildebert von Lavardin, pries die Größe der Stadt, seine Romgedichte sind in einer im 12. Jahrhundert in Liesborn entstandenen Handschrift ausgestellt. Mittelalterliche Pilgerzeichen sind zu sehen, und selbst Nikulás Bergsson, Abt des isländischen Klosters Munkathvera, reiste 1149 an den Tiber und hinterließ einen „Wegweiser“, von dem nun eine Abschrift zu sehen ist.

Die Anziehungskraft behielt Rom durch die Jahrhunderte. In der Barockzeit gehörte es für flämische und niederländische Maler gleichsam zur Ausbildung, hierher zu fahren. Eine ganze Abteilung zeigt die Skizzen, Studien und Gemälde von Hendrick Goltzius, Maarten van Heemskerck, Peter Paul Rubens. Sie waren fasziniert von Statuen, die zu ikonenhaften Formulierungen von Stimmungen und Schicksalen wurden. Der Dornauszieher, die Laokoonsgruppe, der Torso des Belvedere – sie wurden tausendfach abgezeichnet oder in kleineren Versionen als Skulpturen nachgebildet. Die Ruinen wurden zum interessanten Bildmotiv.

Natürlich lässt die Schau die großen Romreisenden des 18. und 19. Jahrhunderts nicht aus, Goethe, der begeistert war von der römischen Statue einer Nymphe. Der Dichter wollte sie unbedingt für Weimar erwerben, aber die Malerin Angelika Kauffmann machte ihm klar, dass die Gesetze zu streng waren. Nach Paderborn hat die Nymphe es geschafft, wenn auch nur auf Zeit. Und in Rom formulierte Johann Joachim Winckelmann seine Ästhetik der edlen Einfalt und stillen Größe.

Bis in die Moderne verfolgt die Schau die Strahlkraft Roms. Frühe Fotografen versuchten, die Dramatik der Laokoongruppe abzubilden. Der Bauhaus-Absolvent Max Peiffer Watenphul wiederum war an Brechungen der antiken Glorie interessiert, er nahm 1932 den Kopf einer Skulptur auf, der mit Seilen verschnürt war.

Wunder Roms im Blick des Nordens im Diözesanmuseum Paderborn.

31.3.–13.8., di – so 10 – 18 Uhr, Tel. 05251/ 12 51 400,

www.wunder-roms.de

Katalog, Michael Imhof Verlag, Petersberg, 39,95 Euro

Quelle: wa.de

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