Dortmunds Museen bieten „Essen außer Haus“

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Hand in Hand: Essensausgabe in der Werksschänke der Hoesch Hüttenwerke AG in den 1960er Jahren, zu sehen im Hoeschmuseum.

DORTMUND „Wenn wir im Stadion sind, essen wir alle an der Pommesbude“, sagt Isolde Parussel und zielt dabei auf ein Thema, dem sich in Dortmund gleich drei Museen widmen: „Essen außer Haus. Vom Henkelmann zum Drehspieß.“ Parussel leitet das Deutsche Kochbuchmuseum, das mit dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte die Speisetrends nach 1900 und 1945 präsentieren wird – ab 23. April („Tag des Bieres“). Zeitgleich stellt auch das Brauereimuseum die Kultur der Speisegaststätten vor: Restauranttypen, Gasthöfe, „gutbürgerliche Küche“, „international“.

Aber den Anfang macht das Hoeschmuseum am Sonntag um 11 Uhr. Wie wurden die Arbeiter des Hüttenbetriebs versorgt? Bereits zur Gründung im Jahr 1871 waren 300 Beschäftige im Werk. Michael Dückershoff vom Hoeschmuseum korrigierte in Dortmund die Vorstellung, dass Butterbrote die Arbeiter ernährten. Im 19. Jahrhundert konnte sich ein Arbeiter die Stulle gar nicht leisten. Im Henkelmann befand sich meistens eine „dünne Plörre“, sagte Dückershoff. Das emallierte Blechgefäss wird in Weiß und Grau, klein, groß und zweiteilig präsentiert. Allerdings sind die „Modelle“ aus den 1950er Jahren.

Wurde im 19. Jahrhundert noch am Arbeitsplatz – direkt neben dem gewalzten Stahl – gegessen, dachte die Werksleitung 1892 über eine Kantine nach. 1900 war das Gebäude („Werksschänke“) fertig, aber es war nicht mit der Essensausgabe zu vergleichen, die sich bei Hoesch in den 60er Jahren entwickelte. Damals gab es ein Essen. Ab 1971 konnte in einem Neubau zwischen verschiedenen Gerichten gewählt werden. 8000 wurden gekocht. Dagegen war die „Werksschänke“ erstmal nur ein Platz, um zu essen. Der Wärmewagen brachte die Henkelmänner der Arbeiter, und sie suchten sich einen Platz.

Im Hoeschmuseum sind große Rührlöffel, Schneebesen und Blechkannen aus der Zeit danach zu sehen. Fotos geben einen Eindruck vom Inventar der Speisesäle. 1960 arbeiteten insgesamt 40 000 Arbeiter für Hoesch in ganz Dortmund. Der Konzern hielt auch Vertragsgaststätten vor, damit alle Arbeiter im Drei-Schichten-System verpflegt werden konnten.

Von dem Koch- und Küchengeschirr ist leider nur wenig zu sehen. Zum Systemessen zählt ein glänzendes Tablett mit passgenauen Schälchen. Filmausschnitte vermitteln Zeitkolorit. Und auf Lebensmitteldosen ist in Dortmund zu lesen, was angeboten wurde: Appels Heringssalat „mit Majonäse“, Büttgener „Frisch-Sauerkraut“, Lubeca „Bratheringe“. Aktuelle Fotos zeigen, wo die 1400 Beschäftigen neben der Werksversorgung heute essen: „Borsig Pizza“, Pizzeria „Zur Dachrinne“ und andere Imbisse am Borsigplatz. Wo einst Borussia Dortmund 1909 gegründet wurde, heißt es nun „Pommes rot-weiß“.

Neben Kalorien war für den Hüttenarbeiter die Flüssigkeitszufuhr wichtig. Drei bis sechs Liter musste ein Stahlarbeiter auf der Schicht trinken, so heiß und schweißtreibend war der Job. Es gab süßen schwarzen Tee mit Pfefferminz. Erst ab 1900 konnten die Arbeiter Gerstensaft kaufen – „Kronen-Bier“. Das galt damals als Fortschritt, weil so weniger Schnaps getrunken wurde.

Alkohol am Arbeitsplatz war immer ein Thema. 1920 wurde der Weinkeller mit bis zu 200 Sorten eingerichtet. Hier trafen sich Vorstand und Vorgesetzte. Kellermeister Winfried Knipping musste unterschreiben, dass er nicht weitergab, was besprochen wurde. Ein Foto zeigt ihn gut gelaunt und lachend. Weinregale sind ausgestellt, in denen die Flaschen nur in Papier gewickelt lagen.

Für Arbeiter kein Ort. Die Belegschaft beschwerte sich 1935 über zu geringen Lohn. Ihre Forderung war, auch den günstigen Kornbranntwein in der „Werksschänke“ anzubieten: „Kognak, Rum, Arrak, Punsch und Feinlikör“ waren zu teuer.

Hoeschmuseum, Eröffnung Sonntag 11 Uhr; bis 9. Juli; di, mi 13 – 17 Uhr; do 9 – 17 Uhr, so 10 – 17 Uhr; mo, fr, sa geschlossen;

Tel. 0231/84458 56; www.

hoeschmuseum.dortmund.de

Quelle: wa.de

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