Irish-Folkpunk-Party mit den Dropkick Murphys 

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Sänger Al Barr von den Dropkick Murphys.

Düsseldorf - Ein Konzert mit den Dropkick Murphys ist vor allem: schweißtreibend, bierselig, druckvoll und ein Erlebnis. So auch am Freitagabend in der ausverkauften Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf.

Eine Warmlaufphase? Die gibt es nicht bei den Dropkick Murphys. Mit „The Lonesome Boatman“ gibt es gleich zum Auftakt einen neuen textlosen Song, dessen Sing-along-Passagen fast die gesamte Halle mitgrölt und der schon jetzt wie ein moderner Klassiker irischer Folkmusik klingt.

Und das Tempo an dem Freitagabend wird in der 7000 Zuschauern ausverkauften Mitsubishi Electric Halle in den folgenden zwei Stunden auch nicht langsamer und verwandelt diesen Ort für einen Abend zum größten Irish Pub Deutschlands. Es folgt eine rauschende Party, die man ausgelassen mit besten Freunden zelebriert, zu der Sänger Al Barr mit seiner heiseren Stimme die Texte rausschreit und seine fünf Bandkameraden den treibenden Sound liefern. Schon seit über 20 Jahren vermischt die Bostoner Band irische Traditionals und Punksongs mit wachsendem Erfolg zu einer mitreißenden Mixtur.

Gleich mit dem ersten Ton ergießen sich Bierfontänen über die wogende Menge wild tanzender Körper in der Hallenmitte – und es gibt kein Halten mehr. Die meisten Fans der US-Ostküstenband singen jede Zeile der insgesamt 25 Lieder voller Inbrunst mit, auch die vom im Januar erschienenen Album „11 Stories Of Pain & Glory“. Doch was sich wie ein Feelgood-Programm für die Fans anhört, hat auch einen ernsten Hintergrund.

Sie thematisieren etwa die sich in ihrer Heimatstadt um sich greifende Drogenabhängigkeit und singen über Leute, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen („First Class Loser“). Mit Banjo, Tin Whistle, Dudelsack und Akkordeon schmettern die Murphys ihre eingängigen Melodien mit großer Spielfreude ins Publikum. Der drahtige und reich tätowierte Sänger Barr läuft und hüpft während des gesamten Konzertes über die Bühne, und auch die Anderen bespielen ihre Instrumente mit großem Einsatz.

Als Unterstützung für die Fans werden zum englischen Schlager-Klassiker „You’ll Never Walk Alone“ die Textpassagen im Bühnenhintergrund eingeblendet – selten war wohl bei einem Punkkonzert etwas überflüssiger als diese Information, weil ohnehin jeder die Stadionhymne des FC Liverpool mitsingen kann. Diese Szenen wiederholen sich auch bei ihrem Hit „Rose Tattoo“ und dem Irish Folk-Klassiker „The Wild Rover“ – die Band wird zudem immer wieder mit „Let's go Murphys“-Sprechchören angefeuert.

 „Blood“, ein Song vom aktuellen Album, wuchtet sich in gleißendem Rotlicht durch die Halle. Der Song beginnt eher verhalten, baut Dank des Dudelsacks des mit einem Schottenrock bekleideten Musiker und der Gesangskraft von Al Barr und Bassist Ken Casey den gewohnten Druck auf und entfaltet seine schweißtreibende Wirkung. Damit steht das Fundament eines jeden Dropkick Murphys-Auftritt: Punksongs, Coverversionen und Traditionals. Die Dropkick Murphys haben dabei eine erstaunliche Entwicklung genommen. Die einstigen Schmuddelkinder sind mittlerweile Aushängeschilder ihrer Heimatstadt, sie unterstützen lokale Sportteams und haben eine Sozialeinrichtung gegründet.

Mit „I’m Shipping up to Boston“ und dem eingängig-aggressiven Akkordeon-Intro haben sie den Soundtrack und Stil des Oscar-prämierten und harten Gangsterfilm „Departed“ von Regisseur Martin Scorsese, mit Leonardo di Caprio in der Hauptrolle, maßgeblich geprägt. Der umjubelte Song beendet das reguläre Set. Passend mit „The Boys Are Back“ kehren sie zurück – und heizen die Party noch einmal an. Zu „Kiss Me, I’m Shitfaced“ dürfen so viele Frauen auf die Bühne wie wollen. Und das sind viele, die so für ein beeindruckendes Bild sorgen und das Konzert würdig beenden.

Quelle: wa.de

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