Das Emil Schumacher Museum Hagen zeigt Gemälde von Peter Brüning

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Informelle Malerei mit den Mitteln der Kartografie: Peter Brünings Bild „Légende 9/66“.

HAGEN - Leicht wie Gräser im Wind setzte Peter Brüning seine roten, blassblauen, schwarzen Striche. Einige transparent aufgetragene Wischer stehen im Hintergrund. Die „Komposition 50/63“ weckt den Eindruck einer lichten Landschaft. Das wirkt so flüchtig, so leicht, so selbstverständlich. Aber in seiner Balance zwischen dunklem Etwas und weißem Nichts ist es geradezu ein Augenschmeichler.

Das Bild ist im Emil Schumacher Museum Hagen zu sehen, das dem Künstler die konzentrierte Werkschau „Das Potential des Informel“ widmet. Brüning, 1929 in Düsseldorf geboren, 1970 gestorben, wurde von seinen Eltern früh künstlerisch angeregt. 1953 wurde er in Düsseldorf Mitglied der „Gruppe 53“, einer der wichtigen Künstlergruppen der Nachkriegszeit, der Gerhard Hoehme, Otto Piene, Winfred Gaul und Konrad Klapheck angehörten. Auch Schumacher stellte hier als Gast aus. So ergibt sich die Verbindung nach Hagen: Schumacher schätzte den 20 Jahre jüngeren Kollegen.

Und weil das Haus sich vor allem der Malerei widmet, steht in der von Marie-Luise Otten kuratierten Schau mit rund 60 Gemälden und Zeichnungen der Maler Brüning im Blick. Seine späteren Skulpturen sind nicht zu sehen. Brüning war zu Lebzeiten unglaublich erfolgreich, erhielt Preise, war zwischen 1959 bis 1968 bei drei Ausgaben der documenta in Kassel vertreten. Gerade die lichten, mit schnellen Strichen gemalten Bilder der frühen 1960er Jahre fanden viele Käufer. Brüning nahm das zum Anlass, seine Kunst zu hinterfragen: War er zu gefällig?

Studiert hat Brüning bei Willi Baumeister in Stuttgart. Brüning ging Anfang der 1950er Jahre nach Paris, war mit den aktuellen Tendenzen vertraut. Die „Komposition XII/54“ (1954) kombiniert den gebrochenen Farbauftrag Cézannes mit den konstruktiven Ansätzen von Léger. Zwei figurative Bilder aus demselben Jahr zeigen Bäume, mit einem Anhauch von Surrealismus. Aber schnell wendet sich Brüning der Abstraktion zu, erst mit einem organischen Gebilde auf dunklem Grund (Komposition XVI/55), dann mit Arbeiten, in denen er die Fläche als Ganzes durcharbeitet, als All-Over mit einer Art Muster aus dichten, oft extrem dunklen Strichen überzieht. Ende der 1950er Jahre dann kommt wieder mehr Weiß ins Spiel, die Muster werden transparenter. Brünings Palette war stets reduziert, was er später zum Prinzip erklärte: Rot, weiß, schwarz, auf manchen Bildern in Hagen sieht man statt des Rot viel Blau. Und die Bilder bekommen immer mehr einen kalligrafischen Charakter, sind nun mit leichten, schnellen Strichen geradezu beschrieben.

Ab 1964 setzt er neu an, zunächst indem er mehr Farben verwendet. Die gestische Malerei durchläuft eine Krise, auf dem Kunstmarkt ist nun die Pop-Art der letzte Schrei. Und die Bilder bekommen immer klarere Konturen, verwenden statt der freien Striche nun Formen, wie man sie aus Landkarten kennt. Brüning fasst nun Landschaft neu auf, setzt Linien, wie sie in der Geographie zum Beispiel dazu dienen, die Höhe eines Geländes zu beschreiben. Ja, er verwendet sogar feste Zeichen wie die Symbole für Bäume in „Légende 9/66“. In dieser Werkphase nähert er sich der Pop-Art an, zum Beispiel Roy Lichtensteins Comic-Bildern, die auch mit klaren Primärfarben und festen Konturen funktionieren. Aber Brünings Malerei ist gleichsam als Fortsetzung seines informellen Werks zu verstehen, als etwas, das darin schon angelegt war. Die Bilder sind immer noch abstrakt, nur dass sie nun nicht mehr mit Farbgesten arbeiten sondern eben mit Chiffren, mit Elementen einer anderen Bildsprache. Einen feinen Schlusspunkt in der Schau setzt das Werk „Super-Rhein-Land“ (1968/69), bei dem Brüning ein Plakat mit einer abendlichen Rheinlandschaft mit Zeichen überzieht, als schwebten Ufos über dem Fluss.

Bis 25.1.2018, di – so 11 – 18 Uhr, Tel. 02331/ 207 3138, www.esmh.de, Katalog, Verlag Kettler, Dortmund, 14 Euro

Quelle: wa.de

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