Emil Schumachers Grafik zu „Gilgamesch“ in Hagen

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Nach der Sintflut hält Utnapischtim Ausschau: Schumachers Holzschnitt „Gilgamesch VII“ ist in Hagen zu sehen.

HAGEN - Das Motiv erscheint vertraut: Da hat ein Mensch eine Leiter erklommen, um aus einer Luke in die Welt zu blicken. Und eine Taube kommt geflogen, Frieden zu verkünden. Auf Emil Schumachers Holzschnitt freut sich aber nicht der biblische Noah darüber, die Arche nach überstandener Sintflut verlassen zu können. Der Hagener Maler hatte die Vorlage der biblischen Erzählung illustriert, das Gilgamesch-Epos, das wahrscheinlich im 24. Jahrhundert vor Christus entstand und somit die älteste Erzählung der Menschheit darstellt.

Das Epos wurde im 19. Jahrhundert auf Keilschrift-Tontafeln wiederentdeckt und wurde gleich zur Sensation. Und der Ur-Mythos der Menschheit wurde für deutsche Künstler in der Herrschaft des Nationalsozialismus zum Bezugspunkt. Hier war ein bleibender Wert, der auch die deutsche Barbarei überdauern würde. Kein Wunder also, dass Emil Schumacher (1912-1999) zwischen 1948 und 1950 eine Serie von Holzschnitten zu diesem Thema schuf. Das Emil Schumacher Museum Hagen hat die zehn Blätter nun neu zusammengetragen, aus mehreren Privatsammlungen, um sie komplett zu zeigen.

Um die Studio-Ausstellung thematisch abzurunden, wird Schumachers mit einer von Willi Baumeister (1889-1955) konfrontiert, der sich schon während des Krieges mit der Gilgamesch-Thematik auseinander gesetzt hatte. 1947 schuf er eine Mappe von Lithographien, die als Leihgabe der Staatsgalerie Stuttgart nun zu sehen ist. Baumeister gestaltet seine Blätter wie Abformungen archaischer Steinreliefs. Seine Darstellungen der mythischen Figuren sind stark abstrahiert, kombinieren Momente von Hieroglyphen mit denen von Keilschrift.

Der jüngere Schumacher hingegen knüpft bei der Ästhetik der von den Nazis verfemten Expressionisten an. Seine Blätter von 1948 wirken wie visuelle Nachklänge von Arbeiten der „Brücke“-Künstler, kraftvolle Figuren in effektvollem Schwarz-Weiß. Von dieser Bildsprache hat er sich 1950 deutlich gelöst. Hier sind nun Bildpartien durch Aufrauen mit einer Art Raster versehen, so dass Grauzonen entstehen. Die Figuren sind stärker abstrahiert. Wobei ein Blatt wie „Gilgamesch III“ mit der Riesenfigur auch schon an die Kunst der frühesten Menschen erinnert, in diesem Fall an Höhlenmalerei.

Die kleine Ausstellung ist abgerundet mit jeweils einem motivverwandten Gemälde von Schumacher („Hatra“, 1997) und Baumeister („o.T.“, 1945/46). Der Abguss einer der Tontafeln, auf denen das Gilgamesch-Epos notiert war, wird ebenfalls präsentiert. Schumachers Interesse am Irak, dem Land von Euphrat und Tigris, ist auch in späteren Jahrzehnten nicht erloschen. Er hat die Region bereist, in Bagdad ausgestellt, und von dort ganze Serien von Skizzen mitgebracht, die später in Gemälde einflossen. Im Raum neben der „Gilgamesch“-Ausstellung kann man einige dieser Werke sehen und so studieren, wie das Mystische ihn zu Bildern inspirierte – nun freilich nicht mehr die alte Geschichte, sondern Tempel, Berge, Siedlungen.

Bis 26.2.2017, di – so 11 – 18 Uhr, Tel. 02331/ 207 31 38, www.esmh.de,

Katalog 9,90 Euro

Quelle: wa.de

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