Erste Eindrücke von den fünften Skulptur Projekten in Münster

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Kleine Wunder kann die Kunst bewirken: Bei den Skulptur Projekten in Münster lässt Ayse Erkmen die Besucher über das Wasser des Innenhafens gehen. Ein dicht unter der Wasseroberfläche verlaufender Steg macht’s möglich.

MÜNSTER - Geradezu biblische Effekte erreicht die Künstlerin Ayse Erkmen im Münsteraner Stadthafen. Sie lässt die Menschen über das Wasser gehen, 64 Meter von einem Ufer zum anderen. Möglich macht es eine Konstruktion aus Gitterrosten, die zwei Ufer wenige Zentimeter unter dem Wasser verbindet. Dieser Beitrag zu den Skulptur Projekten hat alles Zeug zu einem Publikumshit.

Am Samstag wird die fünfte Ausgabe der Ausstellung eröffnet, die alle zehn Jahre die Kunst im öffentlichen Raum thematisiert. 35 neue Arbeiten sind im gesamten Stadtraum zu entdecken, und das schließt das Umfeld des Westfälischen Landesmuseums ebenso ein wie eine verlassene Eissporthalle im Norden der Stadt, die Pierre Huyghe zu einem Techno-Biotop umgestaltet hat, den Überwasserfriedhof, wo der afrikanische Künstler Hervé Youmbi afrikanische Totenmasken in den Bäumen über den alten Grabmälern installierte, einen aufgegebenen Asia-Laden und eben das Hafengebiet.

Die neuen Arbeiten stammen von Stars der Kunstszene, zum Beispiel inszeniert Gregor Schneider, der den Goldenen Löwen der Biennale in Venedig gewann, im Seitentrakt des Landesmuseums die Wohnung von „N. Schmidt, Pferdegasse 19“. Hier muss der Besucher allerdings Wartezeiten in Kauf nehmen, der Zugang zu Schneiders Arbeiten ist limitiert, damit man sie als unheimliche Räume wahrnehmen kann. Mittlerweile gehört immer mehr Performance- und Aktionskunst auch zur Skulpturenschau. So erarbeitet das Choreografenteam Gintersdorfer/Klaßen im Theater im Pumpenhaus ein neues Stück. Und der US-Videokünstler Michael Smith betreibt ein Tattoo-Studio, in dem sich über 65-Jährige Bilder von Ausstellungsobjekten stechen lassen können.

Mittlerweile sind die Skulptur Projekte etabliert, gerade als Langzeitprojekt mit der zehnjährigen Pause. 35 Arbeiten aus früheren Ausgaben sind als „Öffentliche Sammlung“ angekauft worden, dazu gehören Klassiker wie die Stadttore von Daniel Buren, die riesigen Billardkugeln von Claes Oldenburg auf der Aasee-Wiese, Thomas Schüttes „Kirschen-Säule“ und Dolomit, zugeschnitten von Ulrich Rückriem.

Zu der Schau mit einem Budget von 7,7 Millionen Euro erwarten die Veranstalter rund 650 000 Besucher in Münster und erstmals in Marl. In der rund 60 Kilometer entfernten Stadt am Rande des Ruhrgebiets gibt es das renommierte Skulpturenmuseum Glaskasten, wo eine Ausstellung mit rund 50 Modellen aus dem Archiv der Skulptur Projekte und dem eigenen Bestand zu sehen ist. Und die „Kirschen-Säule“ von Schütte bekommt in Marl ein Pendant, die „Melonensäule“.

10.6.–1.10., tägl. 10 – 20, fr bis 22 Uhr, Eintritt frei,

Tel. 0251/ 5907 500

www.skulptur-projekte.de

Katalog (dt./engl.) 35 Euro

Quelle: wa.de

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