Fanta Vier in Oberhausen: Best of-Show mit großer Hitdichte

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Oberhausen - Von wegen altes Eisen. Die Fantastischen Vier haben am Samstag bei ihrem umjubelten Auftritt in der ausverkauften Arena in Oberhausen über zwei Stunden lang eine tolle Best of-Show mit der größt möglichen Hitdichte geliefert.

War das das kürzeste Konzert in ihrer Bandgeschichte? Die Fantastischen Vier hauen in der Hallenmitte sieben Songs in zwölf Minuten einem Medley raus, darunter ihren ersten Hit „Die da“. Dann: Ein lauter Knall, dicker Konfetti-Regen, Abgang. Danach kommt eine Putzkolonne, die die Schnipsel wegfegt. Kurzzeitig herrscht Verwirrung im Publikum – war es das wirklich? Natürlich nicht. Es war nur der Appetizer für eine riesige Party, die die deutschen Hiphop-Pioniere mit ihren 11.000 Fans in der ausverkauften Oberhausener Arena insgesamt über zwei Stunden am Samstagabend feiern.

Fanta 4 in Oberhausen

Als der Vorhang fällt, ist aus der kleinen Anordnung im Old-school-Style, der ein wenig an die Bandanfänge vor nun über 27 Jahren erinnert, ein gigantischer Bühnenaufbau geworden mit einem LED-Rückwand über 100 Meter, die reichlich Platz für Projektionen und Lichtspielereien lässt. Zu den drei Sprechgesangs-Akrobaten Thomas D, Michi Beck und Smudo, dem musikalischen Mastermind And.Ypsilon an den Turntables gesellen sich noch ein Gitarrist, Schlagzeuger, Keyboarder und Percussionist hinzu.

Ein Konzert der „Fantas“ ist mittlerweile so etwas wie ein Familienfest. Mehrere Generationen sind mit den Rappern groß geworden, das spiegelt sich entsprechend im Publikum. Eltern tragen ihre Kinder auf den Schultern, daneben singen Teenies lauthals mit. Ein neues Album haben die Rapper nicht produziert und so bietet ihre „Vier und Jetzt“-Tour ein Best of. Und man merkt Smudo, Thomas D und Michi Beck an, dass ihnen die Auftritte und das Zusammenkommen mit ihren Fans nach all den Jahren immer noch riesigen Spaß macht.

Und wer sich „fantastisch“ nennt und sein größten Hits vorträgt, der legt die Messlatte hoch. Doch Die Fantastischen Vier schaffen es spielend und mit Witz, dass keine Langeweile aufkommt. Jeder der drei Frontmänner hat dabei seine Solo-Anteile und darf dabei sein Image pflegen. So wirkt Thomas D immer etwas esoterisch angehaucht und präsentiert seinen „Krieger“ wie gewohnt mit nacktem Oberkörper. Michi Beck ist eher der lässig-verschmitzte und Smudo gibt den kecken Draufgänger. Thomas D und Michi Beck wirken immer noch jugendlich frisch und hüpfen locker in die Höhe, während Smudo doch schon etwas rundlicher geworden ist. Hinter allem verzieht And.Ypsilon wie immer keine Miene und ist von der Coolness und Aussehen her ein Art Wiedergänger des von Jeff Bridges in „The Big Lebowski“ gespielten „Dude“.

Bei „Schuld“ zeigen die drei Sänger choreografisch fein abgestimmte Tanzschritte und werden später zu entfesselten Endvierzigern ganz in Schwarz mit Sneakers – die Fantas sind immer noch und völlig zurecht „Populär“. Mit der neuen Single „Endzeitstimmung“ beziehen sich Die Fantastischen Vier auf aktuelle politische Entwicklungen, genau wie „Ernten was wir säen“ fast schon prophetische Züge bekommen hat.

Doch die Fantatischen Vier sind nicht nur die erfolgreichste deutschsprachige Hiphop-Band, sie haben schon früh damit angefangen, weitere Säulen aufzubauen. Sie haben eine Plattenfirma gegründet, sind an einer Konzerthallenbau in Dortmund beteiligt und Smudo und Thomas D sind Coaches in einer Casting Show. In dieser Rolle haben sie auch den Schweizer Sänger Seven entdeckt, der nicht nur das Vorprogramm am Samstagabend bestreitet, sondern auch für zwei Songs die Fantas unterstützt und eine soulige Note in den Sprechgesang bringt. Wer so lange dabei ist wie die Fantas, kann Hit um Hit raushauen.

Damit ihnen dabei nicht langweilig wird, haben sie einige Songs ein wenig umarrangiert wie etwa „Sie ist weg“ und „25 Years“. Ihr Repertoire umfasst auch ein „Tag am Meer“ in einer Unplugged-XXL-Version unter einer Art Riesen-Solarium, „MfG“ ist mittlerweile zu einem Dokument untergegangener Worte geworden (Wer kennt noch den Reiseanbieter LTU?).

Es folgen drei Zugaben und goldene Bänder segeln zum Finale von der Hallendecke herab, die die Fans später als Schals tragen oder als Auto-Schmuck verwenden. So wurde auch dieser Abend ein Stück weit unvergesslich – und man nimmt es den gebürtigen Schwaben an, dass sie gerne im Ruhrgebiet sind. „Unser erstes Booking hatten wir in Herne, 1992 haben wir in Essen gespielt“, sagt Michi Beck und verbeugt sich verbal vor dem „Ruhrpott massiv“.

Quelle: wa.de

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