Bericht zur Stimmungslage nach der Rock-am-Ring-Unterbrechung

Gemütliche Unruhe, friedlicher Abzug - und ein wenig Frust

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Die Worte der Ordnerin klingen drastisch: "Wir machen das hier, um euer Leben zu retten!" Der Hubschrauber kreist. Ordner suchen den Blickkontakt untereinander. Drum herum: gemütliche Unruhe.

Junge Leute sitzen auf Mauervorsprüngen, Treppen. Man schlendert noch einmal zum Imbissstand. Nicht jeder Ordner hat ein Funkgerät. Verfügt er über eins, ist der direkte Draht nicht unbedingt gegeben: "Wir machen nur, was man uns sagt. Die Entscheidungen werden gerade woanders getroffen." 

Die wesentliche Entscheidung allerdings wird sukzessive umgesetzt: Rock am Ring ist am Freitagabend vorerst beendet. Der Grund: zwei Aufbauhelfer nicht deutscher Herkunft stehen unter Verdacht: Ihre Backstagecards stimmten nicht mit ihren Personalien überein; Kontakte zur islamistischen Terrorszene werden kolportiert.

Rock am Ring - Eindrücke vom Nürburgring

Marek Lieberberg hat dem Festival das Ende gesetzt. Vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen zwei Jahren bereits am Ausweichstandort Mendig wüste Unwetter das Festivalgelände zum Erliegen brachten, eine fatale Entwicklung. Die Rückkehr zum alten Standort Nürburgring, sie hatte ein Triumph werden sollen und wird nun überschattet von Ermittlungen, ob potenzielle Gefährder Dinge eingebracht oder verbaut haben, die Menschen verletzen. 

Der Terroranschlag von Manchester ist plötzlich wieder nah, aber doch wieder weit genug weit, dass rabenschwarze Witze kursieren. Die Masse bewegt sich langsam. Es ist ein lauer Sommerabend, wie geschaffen um gemeinsam zu feiern und Musik zu hören. "You'll never walk alone" erklingt dort drüben, stimmstark steigen weitere Sänger ein. Von der anderen Seite schwappt "...aber eins kann uns keiner, eins kann uns keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben" herüber. 

"Rock am Ring"-Freitag aus Terrorangst gestoppt

Es ist ein friedlicher Abzug, in den sich ein wenig Frust mischt. Der Rückweg zu den Zeltplätzen ist lang. Ein, zwei Glasflaschen fliegen – gefährlicher Übermut, der allerdings im Rahmen bleibt. Auf den Campingplätzen ist bereits das Alternativprogramm gestartet, während auf dem Festivalgelände noch Ketten bildende Ordnungskräfte die Nachzügler mit rotweißem Absperrband vor sich hertreiben. An den Dixieklos werden Zwischenstopps eingelegt und die Schlösser kontrolliert. Wer zu lange braucht, wird durch Anklopfen zum Turbo angehalten.

Wer Lautsprecher, Musikanlagen und Discobeleuchtung zur Verfügung hat, setzt sie auf den Campingplätzen ein, um doch noch die Musik der Bands zu spielen, die vielleicht nicht mehr auftreten werden. Ganz mutige wagen Helene Fischer und Vorbeiziehende grölen mit, "atemlos durch die Nacht".

"Rock am Ring" ist zurück in der Eifel

Die Straßen sind nur noch für Fahrzeuge mit Blaulicht, Shuttle-Busse und Fußgänger freigegeben, die zu Tausenden vom Festivalgelände strömen. Mulmige Gefühle an Engstellen und im dichteren Gedränge bleiben nicht aus. Ein einzelner junger Mann mit Wanderklampfe sieht seine Zeit gekommen und musiziert, in der Hoffnung, dass im Hut die Finanzierung für die erste eigene Platte landet. Derweil packen die ersten Festivalbesucher Kühltaschen und Ikea-Beutel, ihnen ist der Freitag Abenteuer genug, sie wollen heim.

Auf den Campingplätzen werden die weiteren Entscheidungen online verfolgt. Nachdem es zunächst immer wieder Empfangsprobleme gegeben hatte, normalisiert sich der Online-Empfang, finden sich funktionierende Kommunikationswege.  

Alles rund um die Unterbrechung im News-Ticker

Am Samstagmorgen dann die gute und die schlechte Nachricht: Zum einen wird Rock am Ring fortgeführt. Nach Wohnungsdurchsuchungen in Hessen und vorübergehenden Festnahmen der Hauptverdächtigen scheint eine konkrete Gefährdung ausgeschlossen. Der verpatzte Auftritt der Band Rammstein, für den viele angereist waren, wird am Samstag nicht nachgeholt werden können. Einige hoffen nun auf den Sonntag und befeuern die Gerüchteküche.

Quelle: wa.de

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