Gustav-Lübcke-Museum in Hamm stellt Siegward Sprotte aus

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„Sargasso“ (Gouache) malte Siegward Sprotte 1969 auf Büttenpapier, zu sehen im Gustav-Lübcke-Museum Hamm, wo 60 Werke des Künstlers ab Sonntag zu sehen sind.

HAMM Der Horizont war ein wiederkehrendes Motiv für Siegward Sprotte (1913–2004). Er genoss den Blick in die Ferne und sprach davon, dass der Mensch, wo auch immer er Ausschau halten wird, sich auf „Augenhöhe“ befindet. Sprotte musste es wissen, denn er bereiste die Welt. Sein suchender Blick fand die Inspiration vor allem in der Landschaft und in Begegnungen mit Menschen. Dem Natur-Sujet stellte er sich in den verschiedensten Maltechniken. Vor allem seine künstlerische Stilvielfalt macht die Ausstellung im Hammer Gustav-Lübcke-Musuem, die am Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet wird, sehenswert.

„Reise doch – bleibe doch! Orte der Inspiration“, so der Titel der Schau, ergänzt auf ganz eigene Weise das Thema der Malerei in der Landschaft. Das Lübcke-Museum zeigt bereits mit der Ausstellung „Lieblingsorte – Künstlerkolonien“ (bis 21. Mai) die Pleinairmalerei und ein kunsthistorisches Phänomen, das Künstler zusammenkamen, um im Freien zu malen. Karl Hagemeister (1848–1933) – Siegward Sprotte war sein Meisterschüler (1930–33) und zu Studien immer wieder auf Rügen – zählte zur Künstlerkolonie Ferch am Schwielowsee nahe Potsdam. Auch Bilder von Hagemeister sind im Lübcke-Museum ausgestellt.

Schon als 15-Jähriger setzte Sprotte pastose Schaumkronen in seinem Gemälde „Erste Ölwoge Lasse, Pommern“ (1928). Das Meer wirkt schmuddelig. Die Ostsee sollte nicht sein Hauptmotiv bleiben. Die Gouache „Sargasso“ (1969) erstrahlt in einer anderen, leuchtenden Farbigkeit voller komplementärer Kontraste. Sprotte war 1957 auf Einladung des Reeders Erich Müller-Stinnes zu den Westindischen Inseln, Kuba, Venezuela und Kolumbien aufgebrochen. Die Farbigkeit jenseits des Atlantiks hatte ihn noch Jahre später zu diesem meditativen Bild inspiriert. „Ich trage meinen Süden in den Norden und gebe meinen Norden auch im Süden niemals auf“, sagte Sprotte. Er war 1945 von Potsdam, seinem Geburtsort, mit dem Fahrrad nach Sylt aufgebrochen. Hier sollte er sein Atelierhaus in Kampen bauen auf einem Grundstück, wo einst Alexej von Jawlensky arbeitete. In Hamm ist ein kleines Gemälde in dosierten Farben als Hommage an den großen Expressionisten zu sehen: „Hier wohnt Alexej Jawlensky“ (1981).

Neben den 4000 Exponaten, die die Sprotte-Stiftung in Potsdam verwaltet, ist der private Nachlass des Künstlers bei Falkenstern Fine Art & Atelier Sprotte in Kampen zu finden. Die 60 Bilder in Hamm kommen aus der Stiftung und aus Privatbesitz.

Für die Kuratorin Diana Lenz-Weber zählt Siegward Sprotte zu den Künstlerphilosophen. Sein Textwerk ist immens, und in der Hammer Ausstellungen finden sich Aussagen Sprottes: „Die Welt schaut gesichtig dich an, sie erwidert deinen Blick.“ Sprotte fühlte sich wohl, wenn er wie auf Korfu inmitten von Menschen malen konnte und lauschte. Aber er sprach kein Wort, wenn er arbeitete, sagte seine Frau Cosmea.

Während seines Akademiestudiums in Berlin (1930-38) lernte er über Emil Orlik fernöstliche Malerei kennen und las Schriften von Lao-tse. Das chinesische Bildverständnis setzte er mit hauchfeinen Pinselbewegungen um, wie in der abstrakten wie rhythmisch anmutenden Zeichnung „Atelierkonzert für Maria Ivanova“ (1997). In seinem Aquarell „Hommage à Albrecht Dürer“ (1967) setzt er Linien ganz minimalistisch, aber wie Grashalme zu einer Naturstudie zusammen. Dürer war der erste, der Gras malte.

Als Jugendlicher hatte sich Siegward Sprotte die altmeisterliche Schichtmaltechnik der Renaissance beigebracht. Sein Selbstbildnis ist in Hamm zu sehen. Und ein frühes Gemälde („Rittersporn“, 1928) belegt, dass Sprotte immer wieder im Bild Entfernungen überwand. Die üppige Pflanze wird in eine malerischen Bewegung gebracht. Baum und Horizont sind gar nicht so weit. Sprotte skizziert auch immer wieder das Wachstum, wie in der „Überlebenden Kiefer“ auf Seidenpergament. Korrekturen nahm er in seinen Werken nicht vor, lieber fing er von vorne an.

Sprottes Reisebilder sind auch vergnüglich. Selbst wenn es ihm unwichtig war, sie zu verorten. Die kleinen Zeichnungen aus New York allerdings sind vielsagend. In „13th Street in Greenwich“ (1980) stellt er einen Baum aus wenigen Linien vor die rechtwinkligen Baukörper der Stadt. Sprotte war von New Yorks Geschäftigkeit und von den Menschen begeistert. Aber ihm fehlte der Horizont. Zu New York entstanden nur wenige Bilder.

Eröffnung, Sonntag, 11.30 Uhr; bis 13. August; di-sa 10 – 17 Uhr, so bis 18 Uhr; Katalog 10,90 Euro; Tel. 02381/175703;

www.museum-hamm.de

Quelle: wa.de

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