Hagen zeigt Emil Schumachers gemalte „Orte“

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Emil Schumacher malte seinen „Ateliertisch“ 1946, zu sehen in der Ausstellung „Orte der Geborgenheit“ in Hagen.

HAGEN - „Seitdem Onkel Gustav 82 Jahre alt geworden ist, will es geistig nicht mehr recht. Er spricht nicht mehr, schlurft langsam durch alle Räume, nimmt überhaupt keinerlei Notiz mehr von seiner Umwelt …“, schrieb Emil Schumacher 1939 unter seine Skizze des alten Mannes mit Mütze. Ein anderes Blatt zeigt dessen Frau – „Tante Ida“ (1939), beim Füttern der drei Hühner.

Die frühen Zeichnungen Schumachers (1912 – 1999) erzählen wie intime Tagebuchaufzeichnungen vom Alltag im Kreis der Familie. Da sitzt Sohn Ulrich mal mit buntem Hut (1946), mal vor dem Brötchen oder schlafend im Sessel. Frau Ursula liest vor dem offenen Fenster, Töpfe stehen auf dem Herd. Es sind insgesamt 70, größtenteils erstmalig ausgestellte Arbeiten, die die Werkschau „Orte der Geborgenheit“ im Emil Schumacher Museum in Hagen präsentiert. Die Bilder stammen aus allen Schaffensphasen des Hagener Künstlers. Die Eröffnung ist am Sonntag um 11.30 Uhr.

Zeitlebens reiste Schumacher viel und gern, bezog Inspirationen aus den Landschaften des Nahen Ostens, hielt sich häufig auf Ibiza auf und hatte unter anderem eine Gastprofessur an der Minneapolis School of Art in den USA. Dennoch zog es ihn immer wieder zurück in sein Atelier in der Hagener Bleichstraße. „Nur hier kann ich malen“, sagte er.

So steht das Haus beziehungsweise das Zuhause im Mittelpunkt der Schau. Die Federzeichnung von 1938 zeigt das Wohnzimmer mit Stuhl, Schrank und Nähmaschine. Daneben zwei ähnliche Ansichten, 45 Jahre später: ein Sofa, ein Tisch. Nichts war Schumacher zu unwichtig, um gezeichnet zu werden: einzelne Stühle, eine Garderobe mit einem Mantel, Waschbecken, der Ateliertisch. Schlichte Interieurs, mit wenigen schnellen Strichen auf das Papier gebannt.

Auch die nahe Umgebung dient als Bildmotiv: Die Häuser der „Industriestraße“ (1946) ducken sich in verschiedenen Variationen im Nebel oder Smog. Die „Häuserecke in der Bleichstraße“ (1939) erscheint klar und bauklotzartig, die „Hochstraße“ (1945) flüchtig mit schwarzer Tusche skizziert. Malerisch schimmert der Himmel über den roten Dächern der „Häuser an der Ruhr“ (1946).

Aus diesen naturalistischen Haus-Darstellungen der 40er Jahre entwickelt sich im späteren Werk ein eigenständiger Topos, der als Inbegriff für Schutz und Behütetsein gedeutet werden mag. Das Haus als schlichter, kastenartiger Bau, mit wenigen Linien skizziert, manchmal nur das Gerüst eines Hauses, eine vage Andeutung. Mit blauem Dach leuchtet es aus der Schneelandschaft (1993) oder steht inmitten einer wüstenhaften Landschaft (1989). Dann wieder ist es halb hinter Büschen verborgen, ein Tier huscht vorbei („Hama X“, 1984).

Marion Gay

Eröffnung Sonntag 11.30 Uhr,

bis 28. Mai; di-so 11 – 18 Uhr; Katalog 19,90 Euro; Tel. 02331/ 2073138; www.esmh.de

Quelle: wa.de

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