70 Minuten Vollgas

Heiße Punkrock-Show mit The Offspring in Köln

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[Update, 16.20 Uhr] Köln - Dexter Holland ist offensichtlich jemand, der schnell Freundschaften schließt. Seine Band The Offspring ist nach gerade mal 70 Minuten am Ende ihres Konzerts im Kölner Palladium angekommen, da verleiht der 51-jährige Frontmann seiner Gefühlswelt Ausdruck: „Ihr seid wirklich fantastisch“, richtet er das Wort an die 4000 Zuhörer im ausverkauften Haus. „Ich fühle, Ihr seid nun alle meine Freunde.“

Es gibt tosenden Beifall. Dann folgt "Self Esteem", der Inbegriff der Skatepunk-Hymnen der 90er Jahre. Die Fans holen noch einmal alles raus aus der längst schon übersäuerten Beinmuskulatur und hüpfen ausgelassen zum partytauglich verpackten Klagen eines unter Minderwertigkeitskomplexen leidenden Twens. "Wir sehen uns schon bald wieder", verspricht die Band. Dann schleppen sich die Fans verschwitzt und auf wackligen Knie aus dem Innenraum der Konzerthalle. Das glückselige Grinsen steht ihnen ins Gesicht gerockt.

Etwas mehr als eine Stunde zuvor deutet sich der verheißungsvolle Abend voller Punkrock-Hits bereits mit den ersten Nummern an. "You're Gonna Go Far, Kid", "All I Want" und "Come Out and Play" zeigen, wo es lang geht. Das Publikum tobt und grölt. Bierbecher fliegen, Crowdsurfer sind unterwegs, der Pogo schwappt nach vorne. Einem Sicherheitsmann mit Krawatte und Schulterklappen starrt mit großen Augen von der Empore auf den tobenden Haufen unter sich und blinkt mit seiner Taschenlampe all jene an, die an den Pfeilern hochklettern wollen, um besser sehen zu können.

Konzert von The Offspring in Köln

"Want You Bad" und „The Kids Aren't Alright" sind ganz große Punkrock-Songs, die abgefeiert werden, ebenso wie "Why Don't You Get a Job?" und "Pretty Fly (For a White Guy)", die ganz offensichtlich den Nerv der feiernden Menge treffen. Was neues Material angeht, so sei die Band derzeit mit der Produktion eines Albums beschäftigt, hatte Gitarrist Noodles kürzlich bekannt gegeben. In Köln gibt es davon allerdings noch keinen Vorgeschmack. Und auch auf Noodles selbst muss das Publikum verzichten. Aus familiären Gründen, wie der 54-Jährige gebürtige Kevin John Wasserman im Juli erklärte, werde er einen Teil der Tour verpassen. Ersetzt wird er von Todd Morse, einem guten Bekannten und Tourmusiker der Band.

Wo wir wieder beim Thema Freundschaft wären: Dexter Holland und Bassist Greg K gründeten die Band Mitte der 80er Jahre als High-School-Kumpels. Auch heute noch stimmt die Chemie in der Band - das spüren die Fans ganz genau. Sie schauen auch über die Schwächen hinweg und akzeptieren sie. Denn auch das gehört zu einer funktionierenden Partnerschaft dazu. Etwa, dass Holland nicht immer sattelfest in Sachen Lyrics ist. Und auch, dass er nicht der stärkste Sänger ist, was sich vor allem bei seinem „You Are So Beautiful“-Zwischenspiel zeigt.

Quelle: wa.de

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