Quintett aus Bristol

Idles mit vielen Hits beim Konzert in Köln

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Köln - Wenn sie nicht so höflich wären, sie würden die Live Music Hall in Köln zerlegen. Eine wüste Show legen Idles hin, eine nervös-rastlose Post-Punk-Performance voller verzerrter Gitarren, wildem Schlagzeug-Geknüppel und wütendem Gekeife.

Das Quintett aus Bristol ist wütend, und es will den Leuten ihre Meinung geigen – über den Brexit, Ausländerfeindlichkeit, Rollenklischees und noch mehr. Idles sind eine hochaktuelle Band, vielleicht sogar die Kapelle der Stunde, die den Zeitgeist auffängt, ihn durchsiebt und seine Essenz in krachbesetzte einfache Zeilen formt. Parolen, die Frontmann Joe Talbot mit gespieltem Dilettantismus in die Welt hinausschreit, gurgelnd, fauchend, schimpfend.

Nähe zum Publikum gesucht

Im Hintergrund prangt in großen Lettern auf einem pinken Banner der Bandname, als wollte die Gruppe ihn auch noch dem letzten einhämmern. Über der Bühne dreht sich eine kleine Discokugel, das Licht funkelt in alle Richtungen, und darunter turnen Idles herum. Leadgitarrist Mark Bowen rutscht auf seinen Knien umher, mal stolziert er auf und ab, und dann klettert er in den Graben, reicht seine Gitarre über die Absperrung in die Massen und lässt die Fans über die Saiten schrubben.

Konzert der Band Idles in der Kölner Live Music Hall

Rhythmusgitarrist Lee Kiernan, ein ebenso zappeliger Kerl, mag auch die Nähe zum Publikum. Schon beim zweiten Song schwingt er sich mitsamt Instrument in die Menge, die ihn auf Händen trägt. Joe Talbot tanzt unterdessen ungelenk umher, verrenkt sich, gestikuliert.

17 Songs in 90 Minuten gespielt

17 Songs in rund 90 Minuten spielt die Band, darunter das Stück „Mother“ vom Debütalbum „Brutalism“. „Ich bin ein Feminist“, stellt Talbot zu Beginn klar. „Männer haben Angst davor, dass Frauen sie auslachen, wohingegen Frauen Angst haben, dass Männer ihnen ihre Leben nehmen“, skandiert er zum abgehackten Rhythmus.

Dass „Männer ihre Gefühle für eine bessere Zukunft“ zeigen sollten, fordert Talbot, bevor „Samaritans“ beginnt, ein Stück, das als Kritik am stereotypen Rollenbild des Mannes formuliert ist. Darin heißt es: „Die Maske der Männlichkeit ist eine Maske, eine Maske, die mich trägt.“ Und Talbot zitiert mit angepasster Songzeile Katy Perry: „I Kissed a Boy and I Liked It“.

„Television“ habe er für seine erste Tochter geschrieben, berichtet er. „Liebe dich selbst, liebe dich selbst“, ruft der Frontmann darin immer wieder. Er fordert auf, nicht auf die „Bastarde“ zu hören, die einem sagen, wie man auszusehen, wie man zu sein habe.

Band macht sich für Einwanderer stark

Wie „Televison“ stammt auch „Danny Nedelko“, benannt nach dem Frontmann der befreundeten Punk Band Heavy Lungs, vom zweiten und aktuellen Album „Joy as an Act of Resistance“. In dem Song macht sich die Band für Einwanderer stark: „Er ist aus Knochen gemacht, er ist aus Blut gemacht, er ist aus Fleisch gemacht, er ist aus Liebe gemacht, er ist aus dir gemacht, er ist aus mir gemacht, Einigkeit“, trägt Talbot vor, um gleich danach mit nicht weniger einfachen Worten zu erklären: „Angst führt zu Panik, Panik führt zu Schmerz, Schmerz für zu Wut, Wut führt zu Hass.“

Zugaben gibt es keine. „Dafür sind wir nicht fit genug“, sagt Talbot mit einem Augenzwinkern. Als er und ein Teil seiner Mitmusiker gehen, bleiben Gitarrist Mark Bowen und Bassist Adam Devonshire alleine auf der Bühne zurück und sorgen noch für ein wenig, na, klar: Krach.

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Quelle: wa.de

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