International Light Art Award für Satoru Tamura

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Der Sieger beim International Light Art Award vor seiner Arbeit „Point of Contact for Unna“: Satoru Tamura.

UNNA - Langsam zieht der kleine Elektromotor die Messingstange über den Stahltisch. Funken stieben – und hinter dem Tisch flackert eine Säule aus frei hängenden Glühbirnen grell auf und erlischt wieder. Satoru Tamuras Installation „Point of Contact for Unna“ ist streng genommen nichts anderes als ein Lichtschalter. Doch zugleich ist es ein existenzielles Gleichnis über das Verhältnis von Plan und Zufall.

Die Arbeit des japanischen Künstlers wurde am Freitagabend im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna mit dem International Light Art Award (10 000 Euro) ausgezeichnet. Tamura, 1972 geboren, in Tochigi lebend, sagt selbst, dass der Funken das Grundmotiv der Installation sei. Er bestreitet, dass sein „Point of Contact“ eine Botschaft transportiere. Und doch ist das Werk tief philosophisch, obwohl es eigentlich nur eine technische Konstruktion darstellt. In dem Moment, wo der Messingstab und der Stahl des Tisches soviel Kontakt haben, dass Strom fließt, wird der Stromkreislauf geschlossen, leuchten die Glühbirnen auf. Man kann im Funken den Moment der Erkenntnis sehen. Man kann vor der nervös flackernden Lichtsäule darüber nachdenken, was hier zu Erleuchtung führt: Der Entwurf des Menschen oder der unberechenbare Umstand, dass die beiden ungleichen Metalle manchmal in leitenden Kontakt kommen und manchmal eben nicht.

Der Lichtkunstpreis hat inzwischen internationales Renommee, berichtet Museumsdirektor John Jaspers. Mehr als 300 Konzepte aus 41 Ländern wurden eingereicht. Jede Arbeit musste nicht nur mit Licht arbeiten und bevorzugt innovative Technik einsetzen, sie musste auch speziell für die Räume des Internationalen Lichtkunstzentrums geplant werden. Aus diesen Entwürfen wurde eine Vorauswahl getroffen. Die drei Erstplatzierten werden nun in einer Ausstellung in den Kellerräumen der ehemaligen Lindenbrauerei ausgestellt. Am Freitag bestimmte die Jury nun den Sieger.

Neben Tamuras Siegerarbeit sind noch zwei weitere, raumfüllende Lichtinstallationen in der Schau zu sehen. Tilman Küntzel zeigt die „Audiovisuelle Rauminszenierung mit Lüster“. Im abgedunkelten Raum liegt ein altmodischer Kronleuchter auf dem Boden und flackert unruhig. Zugleich erfüllt ein seltsames Klirren und Klimpern den Raum, als ob Feen auf Glasxylophonen musizierten. Doch diese Klänge verdanken sich einem komplexen technischen Apparat: Vor Kopf des Raums steht ein Glaskasten voller Schaltelemente aus Leuchtröhren. Bei Erwärmung leiten sie Strom und kühlen sich wieder ab. Jeder Schaltvorgang ergibt ein Klicken, das wiederum von einem Mikrofon abgenommen und auf einen Lautsprecher übertragen wird. Das Zusammenspiel dieser zufällig ausgelösten Einschaltprozesse führt zu den klängen und den Leuchteffekten.

Das niederländische Künstlerduo Vroegop / Schoonveld zeigt „Echo, Turning the Light Around“, eine raumfüllende Wand aus rotierenden, in schwarz-weißen Quadraten gemusterten Säulen. Durch die Drehbewegung entsteht der Eindruck, die schwarzen Quadrate strömten in einem andauernden Fluss immer vorwärts. Hinter den Säulen ist ein Spiegel angebracht, der das Muster verdichtet zeigt. So hat man den Eindruck eines meditativen Stroms, eine überaus dekorative, minimalistische Arbeit.

Der Lichtkunstpreis ist für alle Beteiligten eine Erfolgsgeschichte. So legt sich Jochen Stemplewski, Vereinsvorsitzender des Zentrums für Internationale Lichtkunst fest, dass dies nicht die letzte Verleihung sei. Auch Stephan Muschick, Vorsitzender der Innogy-Stiftung, die den Preis trägt, sagt, vieles spreche für eine Fortsetzung.

Zur Eröffnung gibt es ab Samstag, 22. April, von 13 bis 18 Uhr ein Familienfest mit freiem Eintritt in die Preisträgerausstellung.

International Light Art Award bis 3.9., Besichtigung im Rahmen von Führungen, di – fr 13, 15, 17, sa, so stündlich von 12 – 17 Uhr

Tel. 02303/ 103 751

www.lichtkunst-unna.de

Quelle: wa.de

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