Karin Nies stellt im Museum Abtei Liesborn aus: „Trovi_Karin Nies“

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Katrin’ Gemälde „Mischtechnik auf Maltuch“ (2017) ist im Museum Abtei Liesborn zu sehen. Nies

WADERSLOH-LIESBORN Der Blick über die Schulter trifft und zieht einen in den Bann der Malerei von Karin Nies. Was diese Anziehungskraft ausmacht, ist ein vieldeutiger Augenkontakt: Neugier, Distanz, Irritation, Erwartung. Dabei zielen nur wenige Bilder von Karin Nies auf diesen Moment des Blicks. Vielmehr ist die Künstlerin aus Ahlen an dem Malprozess interessiert, wenn sie sich dem Menschen als körperlicher Figur nähert. Wie beispielsweise dem angespannten Starter, der in der Hocke sitzt. Kopf und Brustkorb bleiben blass, aber seine Erscheinung vermittelt etwas Animalisches in der kontrastreichen wie sensiblen Malerei zwischen Schwarz und Weiß.

„Trovi_Karin Nies“ ist die Ausstellung im Museum Abteil Liesborn getitelt. Übersetzt geht es um den Vorgang des „Findens“, aber nicht um ein klares Ergebnis (Wahrheit). Auf einem ihrer aktuellen Bilder in Mischtechnik – meist ohne Titel von 2017 – hält ein Mensch seinen Unterarm vors Gesicht. Der Körper krümmt sich in einer Schutzhaltung, und Karin Nies schafft eine dunkle wie dichte Arbeit in der Fläche, die sich vom Bildhaften löst und das Malerische an sich thematisiert. Wischspuren, Pinselführung und Auslassungen verschieben das Motiv ins Abstrakte. So wie die Figur im Bild niedergeschlagen und verzweifelt wirkt, so löst sich die Gestalt im Malprozess auf und die psychologische Deutung verliert an Bedeutung. Vielleicht sucht Karin Nies eine Balance, wie in der ausgestreckten Figur, die horizontal in der Bildmitte für eine Landschaftsassoziation im oberen Teil sorgt und für einen Auflösungsprozess im unteren. Hier verlaufen Farbtropfen parallel zueinander und strukturieren den zweiten Bildteil recht nüchtern.

Zwischen den Linien und Flächen ihrer Malerei, sagt Karin Nies, soll der Betrachter den Körper deuten. Die Diplom-Designerin, die seit dem Jahr 2000 als freie Künstlerin arbeitet, erprobt mitunter bizarre Malzustände zur Menschenfigur. Im Museum Abteil Liesborn sind rund 50 Exponate der letzten Jahre zu sehen. Ihre Radierungen sind ganz vielteilig und farbig variiert. Außerdem zeigt Nies Collagetechniken (auch farbig) und Zeichnungen, die schnell und entschieden wirken, und sich wieder mit dem Körperlichen befassen.

Bis 10. September; di-fr 9 – 12 Uhr und 14 – 17 Uhr, sa/so 14 – 17 Uhr; Tel. 02523/98240; www.museum-abtei-liesborn.de

Quelle: wa.de

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