Kinofest Lünen eröffnet mit „Fritz Lang“

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Sucht etwas Neues: Fritz Lang (Heino Ferch) denkt über einen Tonfilm nach. Szene aus dem Film „Fritz Lang“.

LÜNEN Heute startet das Kinofest Lünen mit dem Eröffnungsfilm „Fritz Lang“ in sein Festivalprogramm. Mit dem biografischen Schwarzweiß-Film, der Langs Düsseldorfer Recherchen zu seinem ersten Tonfilm „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ thematisiert, ehrt das Filmfest nicht nur den großen Filmregisseur, sondern verweist bereits auf den 100. Geburtstag der Ufa.

Die Universum Film AG feiert 2017 ihr Jubiläum. Lang arbeitete bis 1933 für die Ufa. Dann wurde das Filmstudio von den Nazis übernommen, und Lang ging über Paris in die USA.

Regisseur Gordian Maugg – seit 14. April ist „Fritz Lang“ in der Kinoauswertung – legt das Arbeitsporträt Langs wie ein Doku-Drama an. Über historische Aufnahmen wird ein dichtes Zeitbild vom Berlin 1930 geschaffen. Mittendrin sucht Fritz Lang einen Filmstoff. „Frau im Mond“ (1928/29) war sein letzter Stummfilm. Wird er auch mit einem Tonfilm erfolgreich sein?

Heino Ferch spielt den Regisseur als aristokratisches Genie, das ins Grübeln geraten ist. Er wendet sich von seiner Frau Thea von Harbou (Johanna Gastdorf) ab, die mit ihm Drehbücher schrieb. Durch Zufall wird er auf einen Kriminalfall in Düsseldorf aufmerksam. Der Chefermittler Gennat sucht einen Frauenmörder. Thomas Thieme spielt den Berliner Kriminalrat, der in seinem Fach so verehrt wird wie Fritz Lang in der Filmbranche. Die respektvollen Dialoge der beiden haben Format.

Lang sieht im Kommissariat Tatort-Fotos mit zertrümmerten Schädeln. Kurze Sequenzen zeigen, wie der Mörder mit Hammer oder Schere seine Opfer massakrierte. Samuel Finzi spielt den Triebtäter Peter Kürten, und im Verhör spricht er ungerührt darüber, wie er ein Mädchen erwürgte, es in ihre Schläfe am Kopf stach und das Blut trank.

Der Film liefert ein nüchternes, aber nicht ungerührtes Porträt eines Massenmörders. In einer Zeit, als sich Ermittlungsmethoden entwickelten, musste auch erklärt werden, wie ein Mensch zum Monster werden konnte.

Fritz Lang spricht mit der Freundin eines Opfers. Ihm gefällt die junge Frau, und der Film schaut zurück, als Lang als österreichischer Leutnant im 1. Weltkrieg eine Lazarettschwester kennenlernte. Er hatte eine Augenverletzung erlitten, die ihn fortan zum Monokel greifen ließ. Wie sich Lang mit dem Kriminalfall befasst, so belasten ihn die Erinnerungen an seine erste Frau Elisabeth, die durch einen Pistolenschuss ums Leben kam. Der Film legt einen Selbstmord nah, weil sie ihren Mann in flagranti mit Thea von Harbou erwischte. Lang sprach zeitlebens nicht über den Tod seiner Frau und seine erste Ehe. Heino Ferch kann die innere Last spürbar machen, die den Regisseur quält.

Der Film „Fritz Lang“ verbindet die fiktionalen Düsseldorf-Szenen mit Filmausschnitten des Tonfilms „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Die Bildverweise sind plausibel und ermöglichen eine Vorstellung von Langs Arbeit. Man rückt seinem Genie etwas näher.

Lang hatte die Massenbilder wie in „Metropolis“ überwunden und sich auf einen Menschen konzentriert. Der Kindermörder, den Peter Lore 1931 spielte, war sein moderner Täter. Peter Kürten aus Düsseldorf wurde Langs Vorbild. Zwei Monate nach der Filmpremiere von „M“ starb Kürten durch das Fallbeil.

Kürten spricht im Film mit Lang wie zu einem Freund über den brutalen Vater. Wie er geschlagen wurde, der Vater sich an der eigenen Tochter („Blutschande“) verging, wie ihn die Prügel auf der Arbeit verrohte und die Erniedrigungen im Gefängnis. Samuel Finzi lässt in seiner Rolle die Kälte des Monsters entweichen, als Lang von eigenen Taten im 1. Weltkrieg spricht. Die Männer sind sich ganz nah, und die innere Not Kürtens entlädt sich in den Szenen mit Schauspieler Peter Lore. Der Film „M“ gilt als Wegbereiter des modernen Kinos. In Lünen ist „Fritz Lang“ zu sehen und liegt bereits als DVD vor.

Kinofest Lünen, bis 13. 11.;

Tel. 01805/24 63 96 (14 Cent/Min. aus Festnetz);

www.kinofest-luenen.de

Quelle: wa.de

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