Konzert im Hockeypark

Westernhagen unplugged in Mönchengladbach 

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Marius Müller-Westernhagen

Mönchengladbach – Achtung, der Sheriff ist in der Stadt! Mit breitkrempigem Cowboyhut, Weste und Karohemd betritt Marius Müller-Westernhagen die Bühne im Mönchengladbacher Hockeypark.

Fehlen eigentlich nur noch das Pferd, das er anbindet, und der Revolvergürtel. Als Mann des Gesetzes hat er schließlich für Ordnung zu sorgen, und das, was er um Punkt acht Uhr im Innenraum und auf den Tribünen sieht, passt dem 68-Jährigen noch nicht: „Kinder, könnt Ihr Euch vielleicht setzen? Wir wollen hier spielen!“

Noch sind nicht alle Besucher auf ihren Plätzen, am Einlass hat es sich gestaut, Unruhe allenthalben. Und als ob das nicht genug wäre, muss das Unplugged-Konzert nach wenigen Momenten unterbrochen werden. Westernhagen zuckt mit den Schultern, er hat keine Ahnung warum, kann aber auch die pechschwarzen Wolken nicht sehen, die plötzlich aufziehen. Das befürchtete Unwetter setzt nicht ein, die Band kommt nach zehn Minuten zurück und spielt weiter. Um es vorweg zu nehmen: Trocken bleiben die meisten Fans an diesem Abend dennoch nicht.

Während des rund zweistündigen Auftritts prasselt der Regen zwischendurch ordentlich auf die in Regenponchos gehüllten Zuhörer im bestuhlten Innenraum und auf den Tribünen, die ohne Dach auskommen müssen. Der Stimmung tut dies keinen Abbruch. Der Sänger und seine rund ein Dutzend Musiker umfassende Band ernten reichlich Beifall für die neu arrangierten Versionen der großen Westernhagen-Hits. Für das Format „MTV Unplugged“ hatte der gebürtige Düsseldorfer 2016 die E-Gitarre in die Ecke gestellt und die Akustik-Klampfe auf den Schoß genommen. Jetzt ist er damit auf Tour.

Mal sind die Stücke nun von Country-Elementen angehaucht, mal von orientalischem Flair durchzogenen oder einfach auch mal nur rudimentär instrumentiert. Den Fans gefällt die neue Spielweise. Westernhagens Laune wird ganz schnell wieder gut. „Ihr müsst nicht sitzen bleiben. Wenn Ihr tanzen wollt, wunderbar“, ruft er. Ein Tänzchen bietet sich zum Beispiel beim Rock-‘n‘-Roller „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ oder dem beschwingt-schwelgerischen „Liebeswahn“ an. „Alphatier“ dagegen ist ein schwerer Blues, zu dem Westernhagen röhrt wie ein brünstiger Hirsch. Balladesk wird es bei „Luft zum Atmen“. Gesanglich unterstützt wird er dabei von seiner Frau Lindiwe Suttle, der er im vergangenen Monat das Jawort gegeben hat.

Politisch wird Marius Müller-Westernhagen, als er die Hintergründe zu „Liebe (Um der Freiheit Willen)“ erklärt und das Stück mit dem aktuellen Zeitgeschehen in Verbindung bringt. Eigentlich sei das Lied unter dem Eindruck der Revolutionen in den arabischen Ländern geschrieben worden. „Durch den ganzen Mist, der auf der Welt passiert, hat das Lied eine ganz andere Bedeutung bekommen“, berichtet er. Dies seien Zeiten, in denen man zusammenstehen müsse. Vor allem Künstler müssten Rückgrat zeigen und die Wahrheit abbilden. „Sie dürfen keine Phrasen in den Wind husten“, beschreibt Westernhagen und präsentiert sich im Song schon fast wie ein Prediger, der Freiheit für alle Menschen und Kulturen fordert, für die Kunst genauso wie für Schwule und Lesben und der zudem einen wenig freundlichen Gruß an US-Präsident Donald Trump schickt. Eine Extraportion Applaus ist ihm am Ende sicher.

Die Nummern, die wirklich jeder kennt, gehören natürlich auch zum Programm: „Es geht mir gut“, „Sexy“ und „Wieder hier“ sind fester Bestandteil eines jeden Westernhagen-Konzerts – egal, ob mit oder ohne Strom. Der Einstieg in „Willenlos“ ist so sehr abgeändert, dass die Fans den Song erst bei Einsetzen des Gesangs erkennen. „Weil ich dich liebe“ kommt anfangs lediglich mit Gitarre und Klavier aus, wird am Ende dann aber doch noch von der gesamten Band kraftvoll intoniert.

Er habe noch nie in seiner Karriere in Mönchengladbach gespielt, berichtet Westernhagen irgendwann. „Aber Ihr könnt mir heute Abend beweisen, dass das ein Fehler war.“ Und so geben die Anhänger im usseligen Mönchengladbacher Wetter alles und trotzen dem bisweilen strömenden Regen. Dem Sänger gefällt das Engagement sehr gut. „Ihr seid der Wahnsinn!“ ruft er gegen Ende, als die Zuhörer weiterhin in ihren nassen Ponchos fleißig in die Hände klatschen. Dann ruft er seine Fans nach vorne, die nun direkt vor der Bühne tanzen, während Westernhagen ironischerweise „Bring mich nach Hause, Taximann“, singt. Ein wenig bleiben er und seine Band noch. Zum Abschluss und als letzte Zugabe serviert der Sänger dem Publikum seinen wohl größten Hit „Freiheit“. Alle, die von ihr träumen, so heißt es im Song, „sollen‘s Feiern nicht versäumen“. Jawohl, Herr Sheriff!

Quelle: wa.de

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