13.000 Fans begeistert

Iron Maiden feiern riesige Heavy-Metal-Show in Oberhausen

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[Update 17.18 Uhr] Oberhausen - Als die Lautstärke aufgedreht wird und UFOs „Doctor, Doctor“ aus den Boxen schallt, bricht Begeisterung im Publikum der Oberhausener Arena aus. Es gehört zur guten Tradition eines Iron-Maiden-Konzerts, dass besagter Song den unmittelbar bevorstehenden Beginn der Show ankündigt.

Lange genug mussten sich die Fans zuvor das gedämpfte Gedudel aus den Boxen anhören, während die Crew die Instrumente stimmte und die Bühne herrichtete. Mit ausgestreckten Fäusten und „Maiden“-Sprechchören sehnen die Zuhörer im ausverkauften Haus den Auftritt ihrer Heavy-Metal-Helden herbei - in Oberhausen gleich an zwei aufeinanderfolgenden Abenden.

Traditionsbewusst ist die Band um Sänger Bruce Dickinson schon immer gewesen. Schließlich will das Sextett aus London seine Fans glücklich machen. Diese sind ihnen das Wichtigste überhaupt, denn gemeinsam bilden die Band und ihre Anhänger die „Iron-Maiden-Family“, wie Dickinson nicht müde wird, zu betonen. Da kann man sich aufeinander verlassen. Da weiß man, was man bekommt. 

Einen riesigen Union Jack schwenkenden Frontmann in roter Uniform zum Beispiel beim Song „The Trooper“ oder aber den Auftritt des Bandmaskottchens Eddie als Maya-Zombie – einmal als rund vier Meter große über die Bühne schlurfende Figur und später als mit Luft aufgeblasener Riesenkopf im Hintergrund.

Iron-Maiden-Konzert in Oberhausen

Die „Book of Souls World Tour“ verwandelt die Multifunktionshalle im Ruhrgebiet in einen Tempel mitten im Dschungel Mittelamerikas. Gerüste, die es Sänger Dickinson ermöglichen, auf einer zweiten Ebene über die Bühne zu jagen und turnen, sind mit Pappmachee verkleidet und bilden eine Kulisse aus verzierten Türmen und Wänden, aus deren Fugen bedrohlich Rauchschwaden aufsteigen. 

Die Musiker mimen in ihren hautengen Hosen, den Turnschuhen, Achselhemden und Bandanas in dieser Umgebung nicht die typischen Abenteurer, die es auf einer Entdeckungsreise in den tiefsten Urwald verschlagen hat.

Die Ikonen des New Wave of British Heavy Metal nutzen die Kultstätte stattdessen für eine energiegeladene Show mit epischen Songs und ausladenden Posen. Der 58-jährige Sänger und seine Mistreiter gönnen sich zwei Stunden lang keine Pause. Zwischendurch verschwindet Dickinson immer wieder zwischen den Bühnenaufbauten, um kurz darauf an anderer Stelle wieder aufzutauchen. 

Er rennt über die Plattform, springt, schwingt den Mikrofonständer umher, bei „Powerslave“ hat er sich eine mexikanische Wrestling-Maske über das Gesicht gezogen. In „Iron Maiden“ reißt er Eddie das Herz aus dem sehnigen Körper, um es ins Publikum zu werfen.

Gitarrist Janick Gers hat offensichtlich ein Faible für Dehnübungen. Jedenfalls nutzt der 60-Jährige immer wieder einen hüfthohen falschen Steinklotz um eines seiner Beine darauf abzulegen. Tut er dies gerade nicht, wirbelt er wild sein Instrument um die eigene Achse. Bassist und Bandgründungsmitglied Steve Harris stachelt das Publikum gestikulierend an. 

Die beiden Gitarristen Dave Murray und Adrian Smith geben ein gutes Duo ab, wenn sie sich mit geschlossenen Augen förmlich in Ekstase gniedeln und ihre Instrumente in die Höhe recken. „Scream for me, Oberhausen?“ kreischt Bruce Dickinson immer wieder. Und die Fans in ihren Kutten, den typischen mit Aufnähern übersäten Jeanswesten, lassen sich nicht zweimal bitten. Sie kennen jede Textzeile auswendig und singen lauthals mit, bringen die Luftgitarre zum Einsatz und liegen sich in den Armen – manchmal sogar alles gleichzeitig.

Vor allem bei „Fear of the Dark“, einem der ganz wichtigen Klassiker der 1975 gegründeten Band, ist die Begeisterung besonders spürbar. Bei „The Number of the Beast“, das als erste Zugabe gespielt wird, geht ein Raunen durch die Halle. Im nächsten Moment intonieren die rund 13.000 Fans die gesprochenen Zeilen mit, die vom Band gespielt werden und den Song einleiten. 

Bruce Dickinson hat bei all den Jahren auf Tour noch immer sichtlich Freude daran, den Fans dabei in die Augen zu schauen. „Wisst Ihr was? Wenn Iron Maiden die Weltreligion wäre, dann würden sich die Menschen auf der Welt nicht gegenseitig umbringen. Denn uns interessiert es nicht, welchen Glauben wir haben oder welche Hautfarbe“, ruft er. Dann rupfen sich die Musiker ihre Schweißbänder, die Freundschaftsbändchen des Heavy-Metal, von den Armen und werfen sie ins Publikum – mit einem breiten, ehrlichen Lächeln auf den Lippen.

Quelle: wa.de

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