Das Kunstmuseum Ahlen zeigt Arbeiten von Rudolf Knubel

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Raster, Formen, Farben: Das vielseitige Werk von Rudolf Knubel ist im Kunstmuseum Ahlen zu sehen, hier „Exerzitien“ (2011).

Von Marion Gay AHLEN - Der dunkelblaue Himmel drückt auf das gelbe Feld, in der Mitte ist etwas Schwarzes. In reduzierter Formensprache fängt die Pastellzeichnung „Cote Atlantique“ (1984) von Rudolf Knubel die Atmosphäre eines aufziehenden Sturms ein. Es ist eine von rund 130 Arbeiten des vielseitigen Essener Künstlers, präsentiert vom Kunstmuseum Ahlen in der retrospektiven Ausstellung „Mit den Augen denken“.

An drei Stationen erfolgt erstmals eine umfassende Annäherung an das Werk des 1938 in Münster geborenen Knubel. Während in Ahlen vor allem Papierarbeiten aus den Jahren 1962 bis 2011 zu sehen sind, liegt der Schwerpunkt der zeitgleichen Schau in den Flottmann-Hallen in Herne auf dem skulpturalen Werk. Im Frühjahr 2017 widmet sich das LVR-Landesmuseum Bonn den Fotoserien.

Knubel studierte Kunstgeschichte in Tübingen, wechselte 1961 an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Bereits in den 50er Jahren hatte er in Münster Bilder von Josef Albers gesehen, die ihn tief beeindruckten.

1964 war er Mitbegründer der Künstlergruppe „Großgörschen 35“, zu der auch Markus Lüpertz gehörte. In dieser Zeit entstanden farbintensive, vom Informel beeinflusste Collagen, bei denen rote, gelbe und blaue Formen auf Farb- und Linienkompositionen montiert sind.

1968 begann Knubel seine Lehrtätigkeit an der Essener Folkwangschule für Gestaltung, wo er bis zu seiner Pensionierung 2004 unterrichtete, unterbrochen von einem Aufenthaltsstipendium in der Villa Massimo in Rom (1976/77) und Lehrtätigkeiten an der California State University Long Beach. Die meisten seiner Arbeiten entstanden im Rahmen seiner Lehrtätigkeit als Anschauungsmaterial für Studenten, wie die wandfüllende Arbeit „Berlin-Plötzensee, Hüttigpfad, Hinrichtungsstätte“ (2005).

Man hatte ihn gebeten, in Kalifornien ein Seminar über den deutschen Widerstand zu halten. Er stieß auf die US-Amerikanerin Mildred Harnack-Fish, die Goethe-Gedichte übersetzte und Anfang der 40er Jahre Mitglied der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ war. Knubel setzte sich mit ihrem Tod auseinander, indem er in Frottage-Technik den Boden des Raumes abrieb, in dem die Nationalsozialisten sie 1943 hinrichteten. Im Abdruck deutlich zu sehen sind der kleine Gulli und die dunkle Stelle, an der das Schafott stand.

Eine andere politische Arbeit ist die Collagen-Serie „Highjacked 9/11“ (2004). Hier verwendet Knubel Bilder aus einem Film über den Anschlag auf das World Trade Center und verdeckt sie mit einem Raster aus weißen Papierstreifen, so dass Gebäude, Himmel und Explosionswolken vage hervorblitzen.

Knubel, der in den 60er Jahren auch Piktogramme und Verkehrszeichen entwickelte, verwendet häufig universelle Formen wie Kreis, Quadrat und Kreuz. So zeigen die Bilder der zwölfteiligen Serie „Round about Midnight“ (1988) je ein schwarzes Kreuz auf dunkelfarbigem Grund, umgeben von einem schwarzen Rahmen. Nur an wenigen Stellen leuchten schmale Streifen Weiß hervor, als wäre die Leinwand ein abgeklebtes Fenster. Auf einfachen Formen basieren auch die wenigen in Ahlen zu sehenden Skulpturen wie die rechteckigen, von Schlitzen durchbrochenen Arbeiten „Angesichts des gewöhnlichen Faschismus“ (1976).

Trotz präziser Planung erstaunen ihn die Ergebnisse der Kompositionen, erklärt der Künstler und verweist auf die aktuellste Arbeit, die 56teilige Serie „Exerzitien“ (2011), von der 28 in Ahlen, die restlichen in Herne zu sehen sind. Es sind Variationen eines Streifenrasters, hinter dem sich eine rechteckige Form verbirgt. Obwohl pro Bild nur zwei Grundfarben verwendet werden, entsteht der Eindruck von drei Farbtönen.

Eröffnung 20.11., 11 Uhr; bis 22.1., mi – fr 14 – 18 Uhr, sa,so 11 – 18 Uhr, Tel. 02382/ 91 830, www.kunstmuseum-ahlen.de

Quelle: wa.de

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