63. Kurzfilmtage Oberhausen

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40 Jahre Kinderkino feiern die Kurzfilmtage: „Event Horizon“ ist ein Film von Joséfa Celestin (Frankreich/Großbritannien), in dem ein Mädchen bereit sein will, erwachsen zu werden.

Oberhausen - Sie zählen zu den ältesten Filmfestivals in Deutschland, die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Wenn am 11. Mai die 63. Kurzfilmtage starten, wird auch 40 Jahre „Kinderkino“ gefeiert. 

Damals sorgte der niederländische Film „De speelplaats“ von Hans Hylkema unter 15 internationalen Beiträgen für Diskussionen. Zu sehen waren Kinder in Amsterdam, die vor lauter Autos keinen Spielplatz mehr fanden. Als sie eine Autoscheibe zerschlugen, um sich Platz zu schaffen, war die Sorge in Oberhausen groß, dass dies zu „Nachahmungstätern“ führen könnte, erläuterte Cathrin Ernst, Leiterin des Kinder- und Jugendkinos. In Oberhausen werden 48 Filme für Kinder und Jugendliche aus 24 Ländern präsentiert. Und seit 25 Jahren entscheiden Kinderjurys über die Preise (3000 Euro) auf dem Festival. Früher waren noch Pädagogen beteiligt.

Insgesamt sind in Oberhausen 499 Filme aus 58 Ländern zu sehen (11. bis 16. Mai). Aus dem umfangreichen Programm ragt der Internationale Wettbewerb mit seinem Hauptpreis (7500 Euro) hervor. Hilke Doering, Leiterin dieser Sektion, erklärte in der Kurzfilmtage-Villa in Oberhausen, dass die Hälfte der 56 Wettbewerbsfilme aus 33 Ländern erstmals auf einem Festival zu sehen sind. Für Doering ein Indiz, dass Filmemacher bevorzugt ihre Beiträge nach Oberhausen schicken, bevor sie an andere Festivals denken. Die Kurzfilmtage sind auf ihr hohes Renommee bedacht. Außerdem hätte es eine Verschiebung gegeben, so Doering. Kamen bisher die meisten Einreichungen aus den USA und Großbritannien, sind mittlerweile Europa und Länder wie Südafrika oder China besonders stark vertreten. Die technisch einfache Methode, Filme per Online-Link anzubieten, habe vor allem zu einem prozentualen Plus bei Beiträgen aus Afrika geführt, sagte Hilde Doering. Vor allem bilde der Internationale Wettbewerb die Themen Flucht, Rassismus, Globalisierung und territoriale Fragen ab.

Festivalleiter Lars Henrik Gass sagte mit Blick auf den deutschen Wettbewerb (22 Filme von 1185 Einreichungen), dass innovative Formate immer häufiger außerhalb der Filmförderung entstehen würden. Dies sei alarmierend. „Pretty Boyz don’t die“ von Jovana Reisinger ist ein positives Beispiel für ihn. Vor allem kritisierte Gass die Filmhochschulen, die mehr und mehr Marktstrukturen bedienten statt Innovationen zu fördern. Die sieht der Festivalleiter zunehmend bei Kunsthochschulen.

Der „NRW-Wettbewerb“ ist für Gass kein „Filmhochschulprogramm“. Die 13 Arbeiten kommen aus dem Flächenland NRW und nicht nur aus Hochschulstädten. Die Kurzfilmtage unterscheiden sich hierin zu anderen Bundesländern. Jan Bonny, der früher im NRW-Wettbewerb dabei war, zeigt mit seinem Film „Spumante“ erstmals einen Beitrag im deutschen Wettbewerb. Das Festival ist immer eine Entwicklungsplattform. Eine Retropektive läuft zum Werk von Bjørn Melhus, der auch mit „Moon Over Da Nang“ (Deutscher Wettbewerb) vertreten ist.

Großes Thema der 63. Kurzfilmtage ist „Soziale Medien vor dem Internet“. Oder: Wie artikulierten sich Bürger medial? Damit sind nicht nur Carmen Thomas (WDR) und ihr Ü-Wagen gemeint. Sie ist Gast der Kurzfilmtage (13. Mai). Daneben werden Beispiele zu Offenen Kanälen, Bürgerfernsehen, Bürgerfunk und Videoaktivismus gezeigt. Auch auf der Kasseler documenta gab es Mitmachprojekte. Vielleicht bieten die Kurzfilmtage auch eine Reise in die eigene Mediensozialisation.

Ganz neu ist allerdings, dass sich Programmkarten für das Festival-Kino, die Lichtburg, in Oberhausen durchgehend online erwerben lassen.

www.kurzfilmtage.de

Lichtburg: Tel. 0208/824290

Quelle: wa.de

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