Der Maler Tobias Pils ist im Quadrat Bottrop zu sehen

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Der Blick und die Konstruktion: Tobias Pils nennt sein Gemälde „marfa (nine), 2016“. Es zählt zu der Serie „mixed media on canvas“, die in Bottrop zu sehen ist.

BOTTROP Die Augen ziehen einen gleich ins Bild. Tobias Pils hat sie mit wenigen Pinselstrichen ganz simpel skizziert. Ob diese flächige Teilform in „marfa (nine)“ auch ausreicht, um an Nase und Haare zu denken, sei dahingestellt. Die großformatige Malerei des österreichischen Künstlers aus der Serie „mixed media on canvas“ bietet zahlreiche Bezüge zur wirklichen Welt, formuliert diese aber nicht aus. Seine Malerei entwirft eine eigene Sphäre und stellt Distanz zum tradierten Bildverständnis her. Im Bottroper Quadrat werden erstmals Pils’ Werke von einem deutschen Kunstinstitut ausgestellt: „Tobias Pils. Untitled (Room) & Marfa Paintings“.

BOTTROP Die Augen ziehen einen gleich ins Bild. Tobias Pils hat sie mit wenigen Pinselstrichen ganz simpel skizziert. Ob diese flächige Teilform in „marfa (nine)“ auch ausreicht, um an Nase und Haare zu denken, sei dahingestellt. Die großformatige Malerei des österreichischen Künstlers aus der Serie „mixed media on canvas“ bietet zahlreiche Bezüge zur wirklichen Welt, formuliert diese aber nicht aus. Seine Malerei entwirft eine eigene Sphäre und stellt Distanz zum tradierten Bildverständnis her. Im Bottroper Quadrat werden erstmals Pils’ Werke von einem deutschen Kunstinstitut ausgestellt: „Tobias Pils. Untitled (Room) & Marfa Paintings“.

Die Ausstellung ist zweigeteilt. Die Gemälde „mixed media on canvas“ hat Pils 2016 in Marfa/Texas geschaffen, wo er ein Stipendium in der Chinati-Foundation angetreten hatte, die von Donald Judd (1928–1994) gegründet worden war. Die sieben Gemälde und sechs Zeichnungen in der Galerie der Moderne des Josef Albers Museum sind eine malerische Selbstvergewisserung. Tobias Pils war von der weiten Landschaft im Südwesten des US-Bundesstaats beeindruckt. Er musste sich gegenüber der wüstenartigen Gegend und dem kantenscharfen Minimalismus von Judd behaupten. So sind seine „Marfafiguren“ entstanden. Pils führt diesen Begriff ein und unterstreicht dabei den figürlichen Ansatz in seinen Bilder in Abgrenzung zum „Körper“.

In Bottrop lässt sich ein Vokabular erkennen: Flächengebilde mit geometrischen Formen, dunkle massive Bildelemente, menschliche Konturen und heterogene Gitterstrukturen. Pils stellt Verbindungen her und schafft Bezüge, die an Gebäude und Konstruktionen erinnern, aber keine belastbare Ordnung herstellen. „marfa (nine)“ bleibt ein offenes Gemälde, das sich dinglich nicht verorten lässt. Aufgrund wiederkehrender Elemente trägt Pils immer aufs neue einen bildnerischen Gedanken vor, der weniger konkret sein will, denn vom Duktus der Pinselführung gestimmt ist. Sein Schwarz ist durchscheinend, sein Grau verwischt ins Helle, sein Weiß wirkt wie eine Negation zur entwickelten Struktur, und das blasse Blau versickert im Leinwandgrund, bis es feingliedrige Verästelungen bildet – Zellstrukturen, Pflanzenwelt?

In einem anderen Gemälde spürt er der Kraft einer Symmetrie nach. Über zwei massive Flächenpole hinaus bildet sich in „marfa (seven), 2016“ parallele Gebilde um einen hellen säulenartigen Kern aus. Sie erinnern an Kanäle oder Gänge. Durch Tobias Pils’ Spiel mit Linien, die mit der Energie von Lineamenten arbeiten, entsteht eine substanzielle Ordnung, die ohne Namen bleibt. Der österreichische Künstler, der zunehmend in Europa und den USA Erfolg hat, komponiert im Bildraum eine brüchige Seinswelt, die aber vor allem auf eine Geisteshaltung außerhalb der hierarischen Bildentwicklung Bezug nimmt.

Pils’ Strategie zur malerischen Reduktion rückt ihn an Künstler wie Ad Reinhardt, James Bishop, Michael Venezia oder Agnes Martin heran, Vertreter des Minimalismus und des abstrakten Expressionismus. Das Josef Albers Museum setzt mit Tobias Pils eine Ausstellungsreihe fort. Es geht um internationale Malerei, die nicht das Sichtbare ins Bildzentrum stellt, sondern über Farbwirkung und Flächenstudium zu einer neuen Bild-Erscheinung kommt – in der Tradition von Josef Albers (1888–1976).

Im zweiten Teil der Ausstellung in Bottrop sind die vier großen Wände, bestehend aus 19 Bildtafeln, von Tobias Pils’ „Untitled (Room)“ ausgestellt. Im Oberlichtsaal des Albers Museums wird der „Raum“, der für die Art Basel konzipiert war, neu präsentiert. Hier arbeitet Pils mit größeren Gegensätzen. Mal führt er feingliedrige Gewächsformen harmonisch in die Höhe eines lichten Malgrunds, mal schafft er klare Formkontraste mit Weiß und Schwarz oder setzt kleinteilig vielartige Figuren in Bewegung, wenn er sie neben eine massiv monografische Fläche setzt. Das ist Grundlagenmalerei.

Fast exemplarisch wirkt eine helle weite Bildtafel, auf der sich dunkle Fußspuren mit rudimentären Formen abwechseln, die eben mit der menschlichen Gestalt irgendwie in Verbindung stehen. Alles scheint zu schweben, wohin ist keine Frage.

Bis 3. September; di–sa 11–17 Uhr, so 10–17 Uhr; Katalogbuch, Verlag König 20 Euro, ab August 28 Euro; Tel. 02041/297 16; www.quadrat-bottrop.de

Quelle: wa.de

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