Mando Diao feiern den Rock 'n' Roll im Palladium

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Köln - „Bang!“ Das sind sie wieder: Die schwedischen Rocker von Mando Diao setzen alleine schon mit dem Titel ihrer neuen Platte ein Statement. Mutig, hatte die Band doch in der Vergangenheit mit diversen Brüchen und Umbrüchen, musikalisch wie personell, zu kämpfen.

Spätestens jetzt ist das Quintett zurück in der Rock-‘n‘-Roll-Spur – wenn auch nicht mehr ganz so erfolgreich beim Publikum wie vor rund zehn Jahren, dem Karrierehöhepunkt. Da spielte die Band in Stadien und großen Arenen, diesmal im vergleichsweise übersichtlichen, nicht ganz ausverkauften Kölner Palladium.

Konzert von Mando Diao in Köln

Nach dem 2009er Erfolgsalbum „Give Me Fire!“, mit dem Mando Diao nicht nur die deutschen Albumcharts toppten, gerieten die Schweden in eine gewisse Orientierungslosigkeit. Vielleicht wollten sie auch nur den vertrauten und platt getretenen Pfaden entkommen. Wie auch immer: Die Band legte eine LP in ihrer Landessprache nach, auf dem sie Gedichte des schwedischen Poeten Gustaf Fröding vertonte. Danach erschien das experimentelle Album „Ælita“ mit Synthpop und New Wave. In der Folge verließ Co-Frontmann Gustaf Norén, neben Björn Dixgård das zweite Gesicht von Mando Diao, die Band. Zeit für einen Neuanfang.

Die Gruppe hat zurück zu sich selbst und ihrem Sound aus treibenden, eingängigen Rocksongs gefunden, die es in der Vergangenheit immer wieder in die Mainstream-Charts schafften. Nach „Good Times“ (2017) jetzt also „Bang“. „Wir sind verdammt stolz auf die Platte“, ruft Gitarrist Jens Siverstedt. Und mit einem Knall in Form des bluesigen „I Was Blind“ geht es im Palladium los. Man könnte das Stück als Selbstreflexion der Band auf dem Weg ins Hier und Jetzt interpretieren: „Ich stehe an einem Scheideweg in meinem Leben auf einer staubigen Straße. Ich war blind, nun kann ich sehen.“

Frontmann Björn Dixgård, von Mutter Natur mit besonders heiserer Stimme ausgestattet, presst kehlig Worte ins Mikro, als läge eine tiefe Qual auf seiner Seele, verloren in den Sümpfen der amerikanischen Südstaaten. Kurz darauf zieht das Tempo an, Mando Diao stellen die Verbindung zu ihrer Frühzeit her: Mit „Long Before Rock ‘n‘ Roll“ gibt‘s puren Garage Rock, Karacho für die Tanzfläche. Selbstredend, dass besonders die Stücke, die die Band vor mehr als einem Jahrzehnt berühmt machten, in den Köpfen der Fans haften geblieben sind. „Down in the Past“, „Dance With Somebody“ und vor allem „Gloria“ werden mit besonders viel Applaus gefeiert.

Bei „The Band“, neben „Mr. Moon“ ein Stück vom Debütalbum „Bring ‘Em In“ von 2002, schraubt das Quintett nicht nur die Geschwindigkeit runter, sondern zieht auch den Stecker: Begleitet von Akustikgitarre atmet das Stück plötzlich ein ganz anderes, vielleicht sogar nostalgisches Flair. Überhaupt: In gedrosseltem, rudimentär instrumentierten Spiel machen die Schweden eine sehr gute Figur, wie das Kleinod „Ringing Bells“ beweist. Zu guter Letzt bleiben Mando Diao aber eine Rock-‘n‘-Roll-Band. Björn Dixgård knöpft sein Hemd auf, zupft am Kragen und richtet die Spitzen auf: „Zeit für etwas Action!“, ruft er und intoniert „Bang Your Head“.

Als Zugabe spielt die Band „Long Long Way“. Der Wolf aus dem Musikvideo hat auch seinen Auftritt. „Ich hatte einen langen Weg zu gehen, und ich weiß nicht, woher ich komme, also reise ich weiter“, heißt es im Song. Wohin? Überraschungen sind bei Mando Diao nie ausgeschlossen.

Quelle: wa.de

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