Monteverdis Marienvesper bei der Ruhrtriennale

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Monteverdi im Originalklang mit Theorben bot die Ruhrtriennale auf Zeche Zollern in Dortmund.

DORTMUND - Mit einer Musik der reizvollen Kontraste startete am Wochenende auch das Konzertprogramm der Ruhrtriennale, und zwar mit einem Hochkaräter: Philippe Herreweghe, Star der historisch informierten Aufführungspraxis, dirigierte auf Zeche Zollern in Dortmund Monteverdis Marienvesper mit dem Collegium Vocale Gent und einer Solistenbesetzung rund um die Sopranistin Dorothee Mields, auch sie ein Star der Alten Musik.

Die Maschinenhalle auf Zeche Zollern ist mit seinem Nachhall ein wunderbarer Veranstaltungsort für Chorkonzerte. Zunächst schienen Chor, Instrumente und Solisten beinahe ineinander zu verwischen, aber das stellte Herreweghe schnell ab, und die Schwierigkeiten wichen einem flexiblen, zugleich sinnlichen Klangbild.

Diese Marienvesper war eine Feier der nicht rein himmlischen Liebe. Dafür musste man nur das Duett von Mields und der tschechischen Sopranistin Barbora Kabátková in „Pulchra es“ hören: ein zweifacher Jubel mit mehr als nur einem Hauch von Verführung, eine reizvolle Kombination von Mields goldener, runder, polierter Stimme und Kabátkovás herberem, silbrigen Ton.

Die Frauen waren eine Stärke der Besetzung, doch auch der Tenor Reinoud Van Mechelen bestach mit dem „Nigra sum“, das er zur Laute mit verspielter Intimität sang. Das Kammerspiel verortete Herreweghe aber fest im liturgischen Kontext. Indem er die Psalmen traditionell mit Antiphonen – gregorianischem Wechselgesang – einleiten ließ (dirigiert von Kabátková), verstärkte er die Kontraste der Aufführung: zwischen katholischem Ritus und der Pracht und Sinnlichkeit von Monteverdis weltlichem Komponieren.

Herreweghe schlug ein zügiges Tempo an – er brauchte straffe 90 Minuten für die Aufführung. Dabei wirkten weder Tempowahl noch Dynamik gehetzt oder auf Effekt gerichtet: Alles klang fließend und organisch. Den Raum nutzte er ideal. Für die die „Sonata sopra Sancta Maria ora pro nobis“ stellte er vier Chorsängerinnen (statt der eigentlich acht geforderten Stimmen) etwas erhöht hinter dem Ensemble auf, um ihre Stimmen wie aus der Ferne herabklingen zu lassen. Das „Audi coelum“ wurde von dem britischen Tenor Samuel Boden mit rauer Kantigkeit gesungen, die einer fast scheuen Anbetung Platz machte – das Echo sang hinter dem Podium Reinoud Van Mechelen als unkörperliche Stimme.

Das Stimmfest wirkte deshalb nicht überladen, weil Herreweghe die 15 Instrumentalisten sparsam einsetzte. Die Motetten ließ er hauptsächlich zum Basso continuo – Orgelpositiv, Laute und Theorbe – singen. So blieb die Aufführung bei aller Pracht intim. Spielte das Orchester mit, erreichte Herreweghe mit fünf Gamben, drei Posaunen und sonst doppelter Instrumentenbesetzung einen noch transparenten, ins Luxuriöse schlagenden Klang.

Im „Magnificat“ etwa musste er seine zwei Countertenöre daher durch Choristen verstärken. Der Doppelchor war mit je sieben Sängerinnen und Sängern besetzt, auch sie fanden eine Balance zwischen Klangkraft und Transparenz und bestachen vor allem im abschließenden „Magnificat“ mit biegsamer Sinnlichkeit.

Quelle: wa.de

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